Mel Brooks, das komische Universalgenie, feiert an diesem Sonntag seinen 100. Geburtstag. Er hat die amerikanische Unterhaltungsindustrie über Jahrzehnte geprägt und Hitler in seinen Filmen zur Witzfigur degradiert. Nächstes Jahr soll das Sequel seiner Weltraum-Klamotte „Space Balls“ in die Kinos kommen, Regie führt Josh Greenbaum.
Vom jüdischen Stand-up-Komiker zum Nonsens-Experten
Brooks wurde 1926 als Melvin Kaminsky im New Yorker Arbeiterviertel Williamsburg geboren, das er sein „amerikanisches Shtetl“ nannte. Als jüngstes von vier Kindern verlor er früh seinen Vater an Tuberkulose. In seiner Autobiografie „All About Me! My Remarkable Life in Show Business“ beschreibt er seine Kindheit als glücklich, aber von Depressionen überschattet.
Nach dem Zweiten Weltkrieg, in dem er an der Ardennenoffensive teilnahm und Minen entschärfte, kehrte Brooks in die USA zurück und schloss sich dem Writer’s Room von Sid Caesars Bühnenshows an. Dort arbeitete er mit Neil Simon und Woody Allen zusammen. Laut seinen Memoiren soll der alkoholisierte Caesar ihn einmal aus Wut über eine Beschwerde über die Unterkunft an der Balustrade eines Hotelzimmers gepackt und fast in die Tiefe gestoßen haben.
„Frühling für Hitler“ und der Durchbruch
1968 gelang Brooks mit seinem Regiedebüt „Frühling für Hitler“ (Originaltitel: „The Producers“) der Durchbruch. Der Film handelt von einer desolaten Theatertruppe, deren geplanter Flop – eine Musikrevue über Adolf Hitler – zum Überraschungserfolg wird, weil das Publikum die Nazi-Hommage als Satire feiert. Die Gesangs- und Tanznummer „Springtime for Hitler“ wurde später im Lubitsch-Remake „Sein oder Nichtsein“ (1983) als „Hitler-Rap“ aktualisiert. „The Producers“ avancierte Anfang der 2000er Jahre auch zu einem Broadwayhit.
In den 1970er Jahren machte Brooks den Klamauk, den die Marx-Brothers einst etabliert hatten, zu seinem Markenzeichen. Parodien wie „Der wilde wilde Westen“ (1974) und „Frankenstein Junior“ (1974) wurden zu Klassikern. Seine Filme sind geprägt von furzenden Cowboys, sinnfreien Wortspielen und bizarren Musicaleinlagen. Die deutschen Synchronfassungen kapitulierten oft vor seinen Nonsens-Dialogen.
Ein Leben voller Kreativität und Verluste
Brooks’ Humor ist nicht nur albern, sondern auch existenzialistisch. „Lachen ist ein Protestschrei gegen den Tod, gegen den langen Abschied“, schreibt er in seinen Memoiren. In der Dokumentation „The 99 Year Old Man!“ von Judd Apatow wird diese unterschwellige Melancholie deutlich.
Mit 100 Jahren ist Brooks ein Überlebender: Er hat alle Weggefährten überdauert – Sid Caesar, Carl Reiner, Gene Wilder und seine Frau Anne Bancroft, die 2005 starb. Mit Bancroft stand er unter anderem 1983 in „Sein oder Nichtsein“ vor der Kamera.
Das Erbe: Von „Höhenkoller“ bis „Space Balls 2“
1977 drehte Brooks mit „Höhenkoller“ eine Hitchcock-Hommage, für die er sich persönlich das Okay von Alfred Hitchcock holte. Die Komödie wurde zur Blaupause für Genre-Spoofs, die ab den 1980ern mit Filmen wie „Die unglaubliche Reise in einem verrückten Flugzeug“ populär wurden. Brooks gilt damit als Urvater der „Scary Movie“-Reihe.
Nicht alle waren Fans: Hedy Lamarr verklagte Brooks in den 1970ern, weil der Name des korrupten Gouverneurs in „Der wilde wilde Westen“ auf ihren Namen anspielte. Ben Stiller sagte in der Dokumentation, dass ohne Brooks’ Arbeit seine Fashion-Farce „Zoolander“ undenkbar gewesen wäre.
2016 verlieh ihm Barack Obama die National Medal of Arts, 2023 ehrte die Academy ihn mit einem Ehrenoscar. Seinen Handabdruck auf dem Walk of Fame in Hollywood zieren sechs Finger – Brooks hatte sich bei der Zeremonie eine Prothese des kleinen Fingers angeklebt.
Mel Brooks hat gezeigt, dass Humor eine Waffe sein kann: gegen Angst, gegen Tod und gegen Diktatoren. Sein Vermächtnis lebt weiter – und mit „Space Balls 2“ kommt nächstes Jahr neuer Stoff.



