„The Agency“ Staffel 2: Stars über virtuelles London und Moral
„The Agency“ Staffel 2: Stars über London und Moral

Die Spionage-Thriller-Serie „The Agency“ geht in ihre zweite Staffel. Zum Start sprechen die Stars Richard Gere und Michael Fassbender über ein virtuelles London und den Verlust moralischer Grenzen.

Ein virtuelles London für Richard Gere

Wenn Richard Gere in seiner Rolle als Londoner CIA-Chef Bosko aus dem Fenster seines Büros schaut, hat er einen wunderbaren Blick auf die Themse. Dabei war der Hollywood-Star für die Dreharbeiten von „The Agency“ nicht in der britischen Hauptstadt. „Das ist die Ironie“, sagt der 76-Jährige im Interview der Deutschen Presse-Agentur. „Das sind alles Videomonitore. Es gibt gar kein London.“ Es passt zu der düsteren Spionage-Thriller-Serie, in der Schein und Wirklichkeit ständig verschwimmen.

Auch die zweite Staffel von „The Agency“ (ab 21. Juni bei Paramount+) erzählt von falschen Identitäten, doppeltem Spiel und politischen Intrigen, von Verrat und Täuschung.

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Wenn die Realität die Fiktion einholt

Obwohl die Story ein paar Jahre in der Vergangenheit spielt, wirkt sie sehr aktuell. „Es geht um den Nahen Osten, die Ukraine, Russland – um viele Dinge, die wir kennen“, sagt Gere. „Es geht um Situationen und Ereignisse, über die wir in der Zeitung lesen und die wir jeden Tag in den Nachrichten sehen. Ich denke, die Serie fängt genau dieses Gefühl der Paranoia ein, die gerade überall zu spüren ist.“

Laut Michael Fassbender, der in Vorbereitung auf seine Rolle als Geheimagent Martian echte Spione traf, liegt es daran, dass das Autorenduo Jez und John-Henry Butterworth die Serie möglichst realitätsnah erzählt. „Dann spiegelt sie zwangsläufig auch das wider, was in der Welt gerade passiert“, sagt der 49-Jährige. „Die Entwicklungen im Iran konnten wir natürlich nicht vorhersehen. Aber bei geopolitischen Ereignissen wird es immer Überschneidungen geben.“

Wenn es nach Gere ginge, wäre die Serie sogar noch näher an der politischen Gegenwart, sagt er mit Blick auf US-Präsident Donald Trump. „Eine Serie wie diese sollte etwas riskieren“, sagt der Hollywood-Veteran. „Ich würde gerne sehen, wie sich die Serie mit der Politik in Washington auseinandersetzt – mit einer unberechenbaren Regierung, einem unberechenbaren Präsidenten. Und wie die CIA und das Außenministerium damit umgehen.“

Ein Maulwurf in den eigenen Reihen

Doch auch ohne aktuellen Bezug bleibt „The Agency“ hochspannend. In den neuen Folgen setzt sich die Londoner CIA-Station weiter mit Verschwörungen und geopolitischen Intrigen auseinander. In Staffel eins war der Undercover-Agent Coyote aus den Händen der Söldnergruppe Valhalla befreit und deren einflussreicher Anführer getötet worden.

Der neue Valhalla-Boss, der heimlich mit der CIA kooperierte, wird getötet. Im Video von seiner Hinrichtung finden die CIA-Mitarbeiter einen Hinweis auf den Täter, einen Söldner namens Viking, der für die CIA von besonderem Interesse ist. Bosko und sein Team schmieden einen riskanten Plan, um ihn aufzuspüren und zu eliminieren.

Gleichzeitig gerät CIA-Agent Martian immer tiefer in ein gefährliches Doppelspiel. Um seine Geliebte Samia (Jodie Turner-Smith) aus dem Sudan zu retten, arbeitet er gezwungenermaßen für den britischen Geheimdienst MI6 und dessen skrupellosen Agenten Richardson (Hugh Bonneville).

Martian widersetzt sich sogar den Anweisungen seines Vorgesetzten Henry Ogletree (Jeffrey Wright) und hält seine Kolleginnen Naomi (Katherine Waterston) und die auf den Iran spezialisierte Gremlin (Saura Lightfoot-Leon) im Dunkeln. Während Martian alles riskiert, sucht die CIA nach einem Maulwurf in den eigenen Reihen.

Langsamer Verlust moralischer Grenzen

„Für mich ging es um einen moralischen Kompass, der sich langsam auflöst“, sagt Michael Fassbender im dpa-Interview über seine Rolle. „Man hat vielleicht eine moralische Grenze und sagt sich: 'Das werde ich niemals tun.' Doch plötzlich gerät man in eine Situation, in der die Anweisung lautet, genau diese Grenze zu überschreiten – koste es, was es wolle. Und am Ende gibt es die moralischen Grenzen, die man sich anfangs gesetzt hat, nicht mehr.“

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Die düstere Thriller-Serie, die auf dem französischen Spionagedrama „Le Bureau des Légendes“ basiert, hat nichts mit dem Glamour von James Bond oder dem Spektakel von „Mission: Impossible“ gemein. Sie zeigt eine knallharte, gnadenlose Branche, in der das Leben einzelner Menschen wenig zählt, wenn es ein größeres Ziel gibt. Der Zweck heiligt die Mittel.

Richard Gere vergleicht „The Agency“ mit Agentenfilmklassikern wie „Ipcress – streng geheim“ (1965) oder „Der Dialog“ (1974), in denen Michael Caine und Gene Hackman sehr normale, authentische Menschen spielen. Der Hollywood-Veteran ließ Hintergrundinformation über Bosko aus dem Drehbuch streichen, um die Figur bewusst geheimnisvoll zu halten.

Zehn neue Folgen ab 21. Juni bei Paramount+

Die virtuellen Fenster im Londoner CIA-Büro wirken übrigens nicht nur für die Zuschauer echt. „Wir tauchen so sehr darin ein, dass wir irgendwann aus dem Fenster schauen und die Boote auf der Themse beobachten, als säßen wir tatsächlich in einem Hochhaus und würden sie vorbeiziehen sehen“, erzählt Richard Gere. „Das gibt uns sogar ein Gefühl der Entspannung.“

In den zehn neuen Folgen von „The Agency“ herrscht hingegen Hochspannung. Die neue Staffel startet am 21. Juni beim Streamingdienst Paramount+.