Landesforsten-Chef: Gelassenheit statt Angst vor Wölfen im Wald
Der Direktor der Schleswig-Holsteinischen Landesforsten, Chris Freise, begegnet Wölfen regelmäßig bei seinen Spaziergängen im Segeberger Forst – und bleibt dabei stets entspannt. In einem aktuellen Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur betonte er, dass Waldbesucher keine Angst vor den Raubtieren haben müssen. „Mir ist kein Wolfsangriff auf Menschen in freier Natur bekannt“, erklärte Freise, der selbst mit seiner Familie im Waldgebiet wohnt und oft Wölfe beobachtet, auch beim Gassi gehen mit seinen Hunden.
Wölfe zeigen Interesse, bleiben aber distanziert
Freise beschrieb, dass Wölfe, insbesondere jüngere Tiere, manchmal neugierig sind, aber in Schleswig-Holstein bisher keine kritischen Annäherungen an Menschen dokumentiert wurden. „Die Wölfe sind mal interessiert, gerade jüngere Wölfe, mal nicht. In Schleswig-Holstein ist uns kein Fall bekannt, wo es wirklich zu problematischen Begegnungen gekommen ist“, so der Experte. Er wies darauf hin, dass Wölfe seit Jahren in das Bundesland zurückgekehrt sind und sich dort etabliert haben, ähnlich wie Luchse und Wildkatzen, die auf leisen Sohlen ihren Lebensraum zurückerobern.
Hunde stellen ein Risiko dar und sollten angeleint werden
Ein besonderes Augenmerk legte Freise auf das Verhalten von Hunden im Wald. „Ein Hund ist für einen Wolf immer interessanter als ein Mensch“, erklärte er. Hunde, die allein unterwegs sind, könnten von Wölfen als Konkurrenten während der Ranzzeit oder als potenzielle Beute wahrgenommen werden, da Wölfe auch andere Tiere wie Füchse, Dachse oder Waschbären fressen. „Noch ein Grund mehr, den Hund anzuleinen“, mahnte der Landesforsten-Chef und betonte, dass dies vor allem dem Schutz der Hunde selbst dient.
Wölfe haben großen Aktionsraum und leben gefährlich
Freise erläuterte, dass Wölfe einen sehr großen Aktionsraum haben, wobei der Wald nur ihr Tageseinstand ist. „Wölfe gehören im Waldökosystem dazu in Mitteleuropa“, sagte er und verwies darauf, dass sie in Deutschland durch Jagd ausgestorben waren, aber in Rückzugsräumen wie Italien, dem Alpenraum oder Osteuropa überlebt haben. Heute kehren sie zurück, doch ihr Lebensraum ist nicht optimal: „Wir haben sehr viele Verkehrswege“, so Freise. Allein vom Segeberger Wolfsrudel seien in den letzten zwölf Monaten mehrere Tiere überfahren worden, was die Gefahren des Autoverkehrs unterstreicht.
Plädoyer für einen normalen Umgang mit Wölfen
Der Landesforsten-Direktor sprach sich gegen eine Überhöhung des Wolfes als Symbol für intakte Natur aus und forderte mehr Gelassenheit in der Debatte. Die Einordnung des Wolfes ins Jagdrecht sei ein gutes Entspannungszeichen, um einen normalen und unverkrampften Umgang zu fördern. „Das soll ja nicht bedeuten, dass jeder Wolf jetzt sofort gejagt werden muss. Aber man kann es tun, wenn es mehr Wölfe gibt und auch Probleme“, betonte Freise. Er forderte eine gegenseitige Anpassung: „Der Wolf muss lernen, mit uns umzugehen. Und wir müssen als Gesellschaft lernen, mit ihm umzugehen“. Abschließend betonte er, dass die Wölfe in Schleswig-Holstein gekommen sind, um zu bleiben, und dass ein respektvoller Umgang mit ihnen essenziell ist.



