Junger Wolf nach Angriff in Hamburg: Entscheidung über Tötung oder Auswilderung steht an
Der junge Wolf, der in Hamburg eine Frau verletzt hat, wurde in eine Wildtierauffangstation bei Sachsenhagen im niedersächsischen Landkreis Schaumburg gebracht. Die Hamburger Umweltbehörde, die weiterhin für das Tier zuständig ist, teilte mit, dass Gespräche über den langfristigen Verbleib laufen. Ein Sprecher erklärte: „Zum langfristigen Verbleib des Tieres laufen Gespräche.“
Vorfall in Altona: Wolf geriet in Stresssituation
Der Wolf war bereits am Wochenende im Westen Hamburgs gesichtet worden. Am Montag wurde er vermutlich durch einen äußeren Reiz, wie ein Auto oder ein anderes Tier, aktiviert und geriet in eine Stresssituation. In der Folge rannte er los und verirrte sich in eine kleine Einkaufspassage im Zentrum Altonas, wo er eine etwa 60-jährige Frau verletzte. Die Umweltbehörde machte keine genauen Angaben zum Hergang, um die Privatsphäre der Frau zu schützen. Senatorin Katharina Fegebank (Grüne) sagte, die Frau sei im Universitätsklinikum Eppendorf ambulant behandelt worden.
Nach dem Vorfall flüchtete der Wolf mehrere Kilometer durch die Stadt bis zur Binnenalster, wo er schwimmend entdeckt und von Funkstreifenbesatzungen mit einer Schlinge gesichert wurde. Das Einfangen dauerte über eine Stunde. Das Raubtier erlitt oberflächliche Verletzungen und wurde tiermedizinisch behandelt, einschließlich eines Tollwuttests, dessen Auswertung noch läuft. Seit 2008 gelten Wölfe in Deutschland als tollwutfrei, sodass eine Erkrankung unwahrscheinlich ist.
Entscheidung über Zukunft des Wolfs: Tötung oder Auswilderung?
Viele Fragen bleiben offen, insbesondere wie lange der Wolf in der Auffangstation bleiben soll. Ein Sprecher des niedersächsischen Umweltministeriums in Hannover sagte: „Man guckt sich jetzt erstmal an, wie ist der Zustand des Wolfes, lässt ihn zur Ruhe kommen und wird entscheiden, was dann mit ihm passiert.“ Es wurde bereits gefordert, das Tier zu töten, was ein Sonderfall wäre. Der Sprecher fügte hinzu: „Das wäre trotzdem womöglich eine Option, aber ich kann da nichts vorwegnehmen.“ Alternativ könnte der Wolf wieder freigelassen werden: „Auch eine Auswilderung wäre eine Option.“
Da Wildtiere nicht an Gefangenschaft gewöhnt sind, kann ein Wolf nicht lange in einem Gehege bleiben, das möglicherweise nicht dafür ausgelegt ist. Der Ministeriumssprecher betonte: „Deshalb muss schon kurzfristig und zeitnah entschieden werden, was mit dem Tier passieren soll.“ Es muss geklärt werden, ob der Wolf in ein anderes Gehege gebracht werden kann oder eine andere Lösung gefunden wird.
Experten plädieren für kontrollierte Freilassung
Wolfexperte Norman Stier von der TU Dresden sprach sich für eine Freilassung aus: „Einer Freilassung steht aus meiner Sicht nichts entgegen, wenn es kontrolliert mit einem Senderhalsband erfolgt.“ Mit einem Sender könnte das Tier jederzeit aufgesucht und im Problemfall getötet werden. Auch Arne Vaubel, Geschäftsführer des Wildparks Schwarze Berge, plädiert für die Freiheit des Wolfs. Er sagte, das Tier habe nicht absichtlich angegriffen, sondern aus Panik gehandelt: „Der Wolf war wahrscheinlich in Panik und wollte nur raus.“
Weitere Experten wie Tanja Askani, die seit 30 Jahren Wölfe im Wildpark Lüneburger Heide betreut, unterstützen diese Ansicht. Sie erklärte, das Hamburger Tier habe sich in der Stadt verlaufen und sei in einer Stresssituation gewesen: „Das Tier wollte nur weg, es hat sich nicht unnormal verhalten.“ Es gebe keinen Grund, ihn in Gefangenschaft zu halten. Stier von der TU Dresden sieht keine Chance, den Wolf in ein Rudel eines Wildparks zu integrieren, da Erfahrungen aus der Lausitz zeigen, dass solche Tiere in Gehegen oft qualvoll zugrunde gehen.
Wolfsvorkommen in Niedersachsen und Verhaltenstipps
Die Wahrscheinlichkeit eines Wolfsangriffs auf Menschen in Niedersachsen wurde vom Ministeriumssprecher als „nicht größer oder kleiner“ als vor dem Vorfall in Hamburg bezeichnet. Gerade junge Wölfe streifen manchmal durch Wohngebiete, da es sich um Wildtiere handelt, deren Verhalten unberechenbar sein kann. Bei einer Begegnung mit einem Wolf sollte man Ruhe bewahren, sich nicht nähern und möglichst entfernen. Im Zweifel sollten Betroffene die Polizei, das Forstbüro oder die Jägerschaft anrufen.
In Niedersachsen leben mehr Wölfe als in den meisten anderen Bundesländern, mit Schätzungen von über 500 Tieren landesweit. Die Entscheidung über das Schicksal des Hamburger Wolfs wird in den kommenden Tagen erwartet, wobei Experten und Behörden zwischen Tötung und Auswilderung abwägen.



