Rettungseinsatz für Meeresriesen: Finnwal im Wismarer Hafen befreit
Ein außergewöhnliches Naturschauspiel mit dramatischem Hintergrund spielte sich am Dienstagnachmittag im Ostsee-Hafen von Wismar ab. Ein etwa zwölf Meter langer Finnwal tauchte unerwartet im Hafenbecken der Hansestadt auf und sorgte für Aufregung unter zahlreichen Schaulustigen. Doch der Besuch des Meeressäugers hatte einen ernsten Grund: Das Tier hatte sich in einem etwa hundert Meter langen Fischernetz verfangen und zog dieses hinter sich her.
Gestresster Wal benötigte menschliche Hilfe
Experten des Deutschen Meeresmuseums in Stralsund bestätigten die ungewöhnliche Sichtung des Finnwals zwischen dem Alten Hafen und dem Seehafen von Wismar. „Auf das, was wir gemacht haben, hat er auf jeden Fall gar keine Lust gehabt. Er war sehr gestresst und das hat er mir auch zu spüren gegeben“, berichtete Sven Biertümpfel, Taucher der Meeresschutz-Organisation Sea Shepherd, die gemeinsam mit der Feuerwehr und der Wasserschutzpolizei im Einsatz war.
Zunächst versuchte die Wasserschutzpolizei, den Wal aus dem Hafen zurück in die Ostsee zu leiten, doch das Tier ließ sich nicht von seinem ungewöhnlichen Aufenthaltsort abbringen. Erst gegen 18 Uhr gelang es einem Taucher, dem Meeressäuger den Weg in die offene Ostsee zu zeigen und ihn aus dem Hafenbecken zu geleiten.
Novum in der Ostsee: Großwal in Netz verfangen
Ein Sprecher von Sea Shepherd erklärte, dass sich Schweinswale – auch Kleine Tümmler genannt – in der Ostsee häufig in solchen Netzen verheddern. Diese werden bis zu 1,80 Meter lang. „Jetzt hat es einen Großwal erwischt“, so der Sprecher. „Das sei in der Ostsee allerdings ein Novum.“ Finnwale können normalerweise mehr als 25 Meter lang werden und sind in der Ostsee äußerst selten anzutreffen.
Der Stadtsprecher von Wismar bestätigte die Besonderheit des Vorfalls: „Es gebe immer mal wieder Schweinswale, aber nicht so große Wale.“ Bereits Anfang des Jahres war wiederholt ein Finnwal in der Flensburger Förde in der westlichen Ostsee gesichtet worden, der damals Neugierige auf Spazierwege, Molen und Uferpromenaden lockte.
Medienberichte und öffentliches Interesse
Zuerst hatte der Sender „Ostseewelle“ über den ungewöhnlichen Besuch im Hafen von Wismar berichtet. Zahlreiche Schaulustige beobachteten den Meeres-Giganten, wie er im Hafenbecken auf- und abtauchte. Der NDR berichtete später ausführlich über den Rettungseinsatz, bei dem das Fischernetz von den Rettern entfernt wurde, bevor der Wal den Hafen verlassen konnte.
Die erfolgreiche Rettungsaktion zeigt die Bedeutung von Meeresschutz-Organisationen wie Sea Shepherd und die gute Zusammenarbeit mit Behörden wie Feuerwehr und Wasserschutzpolizei. Solche Einsätze werden angesichts der zunehmenden menschlichen Aktivitäten in den Meeren immer wichtiger für den Schutz der marinen Tierwelt.



