Gesundheitszustand des gestrandeten Buckelwals: Experten präsentieren Gutachten auf Poel
Seit etwa einer Walle befindet sich ein kranker und verletzter Buckelwal im flachen Ostseewasser vor der Küste von Wismar. Die Situation des Meeressäugers bleibt weiterhin kritisch und ungewiss. Am heutigen Nachmittag soll auf der Insel Poel mehr Klarheit geschaffen werden, wenn Expertinnen und Experten ihre Untersuchungsergebnisse der Öffentlichkeit vorstellen.
Erneute Untersuchungen durch Fachteam
Ein spezialisiertes Expertenteam war am Vormittag erneut mit einem Schlauchboot beim gestrandeten Wal unterwegs, um sich ein aktuelles Bild von dessen Zustand zu verschaffen. Dies bestätigte ein Sprecher des Schweriner Umweltministeriums. Zusätzlich überprüften Taucher die genaue Lage und Position des Tieres, um festzustellen, ob es seine Position verändert hat oder weiter in den Ostseeboden eingesunken ist.
Nach aktuellem Kenntnisstand leidet der Buckelwal unter gesundheitlichen Problemen und weist Verletzungen auf. Die genaueren medizinischen Erkenntnisse und das veterinärbiologische Gutachten werden am Nachmittag auf Poel präsentiert. Neben Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern vom Deutschen Meeresmuseum und dem Institut für terrestrische und aquatische Wildtierforschung wird auch Umweltminister Till Backhaus von der SPD erwartet.
Umfassende Diagnostik und mögliche Rettungsoptionen
Das Gutachten der Meeresbiologen und Veterinäre soll detaillierten Aufschluss über den Gesamtzustand des Wals sowie dessen Überlebenschancen geben. Zur Untersuchung wurden auch Unterwasseraufnahmen und Drohnenbilder ausgewertet, wie der Ministeriumssprecher mitteilte.
Bereits am Montag hatte Umweltminister Backhaus angekündigt, dass auf Basis dieses Gutachtens final über die nächsten Schritte entschieden werden soll. Im Raum steht unter anderem ein neuer Rettungsversuch mit einem speziellen Katamaran. Dieses Boot, das in Dänemark verfügbar ist, könnte das etwa zwölf Tonnen schwere Tier mit breiten Gurten anheben und lebend transportieren.
Allerdings betonte Backhaus deutlich: „Derzeit gibt es keinen Wissenschaftler oder Veterinär, der uns zu solch einem Vorgehen rät, da das Tier beim Versuch, es lebend zu retten, schweren Qualen ausgesetzt würde.“
Gesundheitsprobleme und äußere Einflüsse
Der Buckelwal leidet unter mehreren gesundheitlichen Beeinträchtigungen. Durch den deutlich zu geringen Salzgehalt in der Ostsee hat das Tier erhebliche Hautprobleme entwickelt. Seit dem vergangenen Wochenende ist zudem bekannt, dass der Wal Verletzungen aufweist, die mutmaßlich von Schiffsschrauben stammen. Außerdem finden sich Abdrücke, wahrscheinlich von einem Fischernetz.
Aufgrund seines enormen Gewichts war der Wal bereits in den Meeresgrund eingesunken. Der Wasserpegel in der Bucht ist nach Angaben des Bundesamts für Seeschifffahrt und Hydrographie inzwischen wieder angestiegen, was die Situation jedoch nur minimal verbessert.
Sterbeprozess bei gestrandeten Walen
Tom Bär vom Deutschen Meeresmuseum in Stralsund erklärt die physiologischen Vorgänge: „Hauptgründe für das Sterben eines Wals am Strand sind Lageschäden, Überhitzung und Vorschädigungen. Größere Wale erleiden dabei besonders Schäden durch die Kompression, insbesondere in der Lunge, da sie normalerweise ihr Körpergewicht nicht tragen müssen, sondern durch das Wasser und die Luft in der Lunge Auftrieb haben.“
Dieser Prozess kann sich über einen längeren Zeitraum hinziehen. Die Meeresbiologin Tamara Narganes Homfeldt von der Organisation Whale and Dolphin Conservation erläutert: „Bei einem Großwal kann der Sterbeprozess mehrere Tage dauern, während denen der Druck des eigenen Körpergewichts zunehmend die Organe schädigt.“ Dies führe letztendlich zu einem Kreislaufkollaps und Organversagen.
Wenn der Wal verstirbt, setzt die Atmung für etwa eine Stunde aus. Bereits wenige Tage nach dem Tod beginnen Gase den Kadaver aufzublähen, was zu charakteristischen Verwesungsgerüchen führt. Auf hoher See sinken Wale nach ihrem Tod auf den Meeresboden ab und stellen dort eine wichtige Nahrungsressource für zahlreiche marine Arten dar. Zudem wird durch diesen natürlichen Prozess langfristig Kohlenstoff gebunden.



