Druse bei Pferden: Eine tückische Stall-Epidemie mit eitrigen Abszessen
Wenn ein Pferd plötzlich ruhiger wirkt, schlechter frisst und aus der Nase Sekret läuft, sollten Alarmglocken läuten. Was harmlos beginnt, entwickelt sich oft innerhalb kurzer Zeit zu einer ernsthaften Bedrohung: Hohes Fieber, stark geschwollene Lymphknoten und eitriger Ausfluss quälen die Tiere. So manifestiert sich die Druse – eine extrem ansteckende Infektionskrankheit, die innerhalb kürzester Zeit ganze Pferdeställe erfassen kann.
Der Erreger und sein Angriffsweg
Verantwortlich für diese gefährliche Erkrankung ist das spezielle Bakterium Streptococcus equi equi. Dieser Erreger befällt gezielt die oberen Atemwege der Pferde, also Nase und Rachenraum. Von dort aus breitet er sich weiter in die Lymphknoten im Kopfbereich aus. Diese entzünden sich daraufhin massiv, füllen sich mit Eiter und bilden schmerzhafte Abszesse, die den Tieren erhebliches Leid zufügen.
Schnelle Übertragung und stille Träger
Die Ansteckung erfolgt sowohl direkt über Kontakt mit infizierten Tieren – beispielsweise durch Nasensekret oder Husten – als auch indirekt über kontaminierte Gegenstände wie Eimer, Futtertröge oder Putzzeug. Besonders tückisch sind dabei sogenannte stille Träger: Das sind Pferde, die bereits von der Druse genesen sind, aber weiterhin den Erreger in sich tragen und unbemerkt ansteckend bleiben können. Vor allem junge Tiere erkranken häufig, was die rasante Ausbreitung in Stallgemeinschaften zusätzlich begünstigt.
Symptome und Krankheitsverlauf
Die ersten Anzeichen der Druse sind oft unscheinbar und werden leicht übersehen:
- Apathisches Verhalten und verminderte Aktivität
- Verschlechterter Appetit und Fressunlust
- Leichter Nasenausfluss
Im weiteren Verlauf entwickeln sich typische, deutliche Symptome:
- Eitriger Nasenausfluss mit charakteristischer Konsistenz
- Anhaltender Husten und Atembeschwerden
- Stark geschwollene Lymphknoten im Kopf- und Halsbereich
- Hohes Fieber und allgemeine Schwäche
Die Erkrankungsdauer variiert typischerweise zwischen fünf Tagen und zwei Wochen, kann jedoch je nach Schweregrad und individuellem Verlauf deutlich länger andauern.
Diagnose und Behandlung
Bei Verdacht auf Druse muss umgehend ein Tierarzt konsultiert werden. Die sofortige Isolierung betroffener Pferde ist entscheidend, um eine weitere Ausbreitung zu verhindern. Zur sicheren Diagnose entnimmt der Tierarzt Proben aus Nase, Rachen oder vorhandenen Abszessen, die im Labor auf den Erreger untersucht werden.
In den meisten Fällen heilt die Druse bei richtiger Behandlung gut aus. Auch kompliziertere Verläufe haben meist eine positive Prognose, benötigen jedoch deutlich mehr Zeit, medizinische Betreuung und Pflegeaufwand. Schwere Komplikationen wie Abszesse in inneren Organen oder sogenannte „Bastard-Druse“ sind zwar selten, können jedoch lebensbedrohlich werden und in Einzelfällen tödlich verlaufen.
Vorbeugung und Stallmanagement
Die Prävention spielt bei der Druse-Bekämpfung eine zentrale Rolle:
- Konsequente Hygiene im gesamten Stallbereich
- Sofortige Isolation erkrankter oder verdächtiger Tiere
- Keine gemeinsame Nutzung von Ausrüstung, Eimern oder Futtertrögen während eines Ausbruchs
- Regelmäßige Desinfektion von Stallungen und Gerätschaften
Eine Impfung gegen Druse bietet nur kurzfristigen Schutz und ist während eines aktiven Ausbruchs nicht sinnvoll einsetzbar. Zudem können genesene Pferde noch monatelang als stille Träger fungieren und andere Tiere anstecken.
Die Druse beginnt oft unauffällig, entwickelt sich aber schnell zu einer ernsthaften Gefahr für einzelne Pferde und ganze Stallgemeinschaften. Frühes Erkennen, schnelles Handeln und konsequente Hygienemaßnahmen schützen nicht nur das betroffene Tier, sondern verhindern die Ausbreitung auf den gesamten Bestand. Tierhalter sollten daher stets wachsam sein und bei den ersten Anzeichen professionellen tierärztlichen Rat einholen.



