Gestrandeter Buckelwal vor Poel: Gutachten sieht kaum Rettungschancen
Ein Gutachten zum gestrandeten Buckelwal vor der Insel Poel in Mecklenburg-Vorpommern bewertet die Rettungschancen des Tieres als äußerst gering. Der Bericht, der vom Ministerium für Klimaschutz, Landwirtschaft, ländliche Räume und Umwelt des Landes in Auftrag gegeben wurde, verweist auf wiederholte Strandungen und einen stark verschlechterten Gesundheitszustand des Wals. Erstellt wurde das Dokument von der Stiftung Deutsches Meeresmuseum und dem Institut für Terrestrische und Aquatische Wildtierforschung der Tierärztlichen Hochschule Hannover.
Hintergrund und Strandungsverlauf
Der Buckelwal wurde erstmals am 3. März 2026 im Raum Wismar gesichtet, wo er in Fischereigerät verfangen war. Einsatzkräfte von Sea Shepherd und dem Deutschen Meeresmuseum konnten einen Großteil der Netzteile entfernen. In den folgenden Wochen wurde das Tier wiederholt in küstennahen Bereichen der westlichen Ostsee beobachtet. In der Nacht vom 22. auf den 23. März strandete der Wal im Flachwasser vor Niendorf in Schleswig-Holstein, konnte sich aber selbst befreien. Weitere Strandungen folgten in der Wismarer Bucht, bevor der Wal am 31. März in der Kirchsee vor Poel erneut strandete, wo er seitdem liegt.
Gesundheitszustand und Prognose
Der Gesundheitszustand des Wals hat sich laut Gutachten erheblich verschlechtert. Das Tier zeigt großflächige Hautveränderungen, die auf den Aufenthalt in brackigem Wasser und Verletzungen durch Fischereigerät zurückzuführen sind. Die Haut ist verdickt, blasig und rissig. Zudem weist der Wal eine reduzierte Atemfrequenz und kaum Eigenbewegungen auf. Wiederholte Strandungen deuten auf ein schwerwiegendes Gesundheitsproblem hin, das eine Rettung unwahrscheinlich macht.
Bewertung der Rettungsmöglichkeiten
Das Gutachten kommt zu dem Schluss, dass eine Lebendbergung oder ein Transport des Wals nicht möglich oder vertretbar ist. Gründe hierfür sind:
- Die Haut des Tieres ist so geschädigt, dass Manipulationen zu weiteren Verletzungen führen würden.
- Transportmöglichkeiten für einen Wal dieser Größe existieren nicht, und der Stress wäre zu groß.
- Im Magen-Darm-Trakt möglicherweise vorhandene Netzreste können nicht entfernt werden.
- Methoden zur Euthanasie in flachen Gewässern sind derzeit nicht verfügbar.
Stattdessen wird empfohlen, das Tier palliativ zu begleiten, indem es in Ruhe gelassen und die Haut befeuchtet wird. Internationale Experten wie die International Whaling Commission und British Divers Marine Live Rescue unterstützen diese Bewertung.
Fazit
Insgesamt zeigt das Gutachten, dass die Erfolgsaussichten für eine Rettung des Buckelwals minimal sind. Der Wal hat in den letzten Wochen extreme Belastungen erfahren, und sein Zustand verschlechtert sich weiter. Die Behörden und Experten raten daher davon ab, weitere Rettungsversuche zu unternehmen, um dem Tier unnötigen Stress zu ersparen.



