Drama um gestrandeten Buckelwal vor Poel: Vier Eilverfahren abgelehnt
Das tragische Schicksal des vor der Insel Poel gestrandeten Buckelwals hält die Öffentlichkeit weiter in Atem. In einer dramatischen Entwicklung wurden nun vier Eilverfahren vor dem Verwaltungsgericht Schwerin abgelehnt, was die Hoffnungen auf eine juristisch erzwungene Rettungsaktion zunichtemacht. Die Anträge wurden laut Gerichtssprecherin von Privatpersonen gestellt und mangels Antragsbefugnis als unzulässig zurückgewiesen. Stand jetzt gibt es keine weiteren anhängigen Verfahren, was die Aussichten für das zwölf Meter lange Tier weiter verdüstert.
Experten sehen kaum noch Überlebenschance
Fachleute haben die Hoffnung auf eine Lebendrettung des Wales praktisch aufgegeben. Ein aktuelles wissenschaftliches Gutachten kommt zu dem vernichtenden Urteil, dass das Tier bereits schwer geschädigt ist. Deutliche Hautablösungen sind sichtbar, und es wird von erheblichen inneren Verletzungen ausgegangen. Eine Bergung mit dem Ziel einer Lebendrettung würde mit hoher Wahrscheinlichkeit dazu führen, dass das Tier währenddessen stirbt, so die einhellige Meinung der Experten. Der Wal liegt in einer Mulde im sehr weichen Sediment von etwa 30 Zentimetern, wobei sein Rücken nur 40 Zentimeter aus dem Wasser ragt bei einem Wasserstand von rund 1,40 Metern.
Einzigartiges Strandungsdrama bewegt die Menschen
Das Wal-Drama hat nicht nur in Mecklenburg-Vorpommern, sondern bundesweit viele Menschen bewegt. Umweltminister Till Backhaus berichtet von tausenden Hinweisen und Rettungsvorschlägen, die eingegangen sind. Doch die Realität ist ernüchternd: Ein schwer geschädigtes Tier wieder ins Wasser zu bringen, ohne realistische Überlebenschance, ist nicht vertretbar, betont Backhaus. Prof. Burkard Baschek vom Deutschen Meeresmuseum bezeichnet das Geschehen als weltweit einmalig – ein Wal, der sich in einem Netz verfangen hat und danach viermal strandete.
Keine Erlösung in Sicht
Die aktuelle Situation schließt eine Erlösung des Tieres aus. Alle in Betracht gezogenen Optionen wie Harpune, Gift oder Sprengung bergen nach Angaben des Umweltministeriums ein erhebliches Restrisiko, dass sie nicht unmittelbar wirken und das Tier dadurch zusätzlichen, erheblichen Leiden aussetzen würden. Unklar bleibt, wann der zwölf Meter lange Buckelwal sterben wird. Seit mehr als einer Woche liegt er in der Kirchsee vor der Insel Poel fest, nachdem er zuvor im Wismarer Hafen aufgetaucht und vor Niendorf in Schleswig-Holstein erstmals gestrandet war.
Die Wasserstandsprognose für die kommenden Tage gibt keine Anlass zur Hoffnung. Wenn es sich aus eigener Kraft freischwimmen wollte, bräuchte es einen Wasserstand, der etwa 60 Zentimeter höher ist als heute, erklärt Prof. Baschek. Angesichts der Gesamtkonstitution des Wales ist dies jedoch nicht zu erwarten. Das Drama um den gestrandeten Buckelwal bleibt somit eine tragische Geschichte ohne Happy End, die die Grenzen menschlicher Einflussnahme in der Natur schonungslos aufzeigt.



