Buckelwal Timmy in Ostsee gestrandet: Kampf ums Überleben in der Wismar-Bucht
Unverändert liegt der Buckelwal Timmy in der Wismar-Bucht vor der Insel Poel in Mecklenburg-Vorpommern. Der gestrandete Meeressäuger bewegt sich kaum noch und reagiert nicht mehr auf die Biologen in den Booten. Nur hin und wieder ist ein schwaches Pusten zu beobachten. Wann das Tier, das die Herzen der Deutschen bewegt, in der Ostsee verenden wird, bleibt unklar. Doch eines wird mit jeder Minute deutlicher: Die Hoffnung auf Timmys Rettung schwindet rapide.
Warum Strandungen für Wale tödlich enden
„Jede Strandung ist individuell“, betont Tom Bär, wissenschaftlicher Mitarbeiter des Deutschen Meeresmuseums in Stralsund. Die Hauptgründe für das Sterben eines Wals am Strand seien Lageschäden, Überhitzung und Vorschädigungen. „In fast allen Fällen führen diese verschiedenen Ursachen, häufig in Kombination, zu einem akuten Herz-Kreislaufversagen.“
Seit Dienstag liegt Timmy im flachen Wasser der Kirchsee. Durch die Liegezeit und sein hohes Körpergewicht entstehen sogenannte Lageschäden. „Größere Wale erleiden dabei Schäden durch die Kompression insbesondere in der Lunge“, erklärt Bär. Normalerweise würden die Tiere ihr Körpergewicht nicht tragen müssen, sondern durch das Wasser und Luft in der Lunge Auftrieb haben.
Die fatale Kettenreaktion im Wal-Körper
Bei einer Strandung wird die Lunge nicht mehr vollständig belüftet. Sie kann sich teilweise durch Gewebeschäden mit Flüssigkeit füllen. „Dadurch sinkt die Sauerstoffversorgung des Körpers, was unter anderem die Herzfrequenz und den Kreislauf beeinflusst“, so der Experte. Auch die Überhitzung des Wals hänge mit dem Lungenzustand zusammen. Normalerweise werde der Körper durch die Atemluft und Körperpartien wie die Fluke gekühlt. „Ist die Lunge geschädigt, ist auch die Kühlung des Körpers beeinträchtigt.“
Buckelwale besitzen ein komplexes Gehirn und ein Nervensystem mit Schmerzrezeptoren. Auch wenn sie als Wildtiere nicht empfinden wie Menschen, sind sie nach wissenschaftlichen Erkenntnissen in der Lage, Schmerzen wahrzunehmen. Meeresbiologe Thilo Maack von Greenpeace sagte bereits: „Das Tier leidet ganz extrem.“ Forscher gehen davon aus, dass Strandungen zu den qualvollsten Todesarten für Wale gehören.
Fischernetz als mögliche Ursache für Timmys Zustand
Für den schlimmen Zustand des Säugetiers könnte unter anderem ein Stellnetz verantwortlich sein, das sich um seinen Körper gewickelt und in seinem Maul verfangen hatte. Ein Teil des Netzes wurde von außen entfernt, aber weitere Reste könnten sich in den Barten seines Mauls verfangen haben.
„Es ist möglich, dass es sich schon seit längerer Zeit im Körper befindet, teilweise eingewachsen ist und eine Infektion verursacht hat“, erklärt Meeresbiologe Maack. „All das können wir nicht mit Sicherheit sagen. Fest steht, dass sich das Netz am oder im Tier befindet. Es hat dazu beigetragen, dass es sich in dem schlechten Zustand befindet.“
Das globale Problem der Fischereiverstrickungen
Die Tierschutzorganisation Whale and Dolphin Conservation betont: „Auch wenn der Fall dieses Buckelwals extrem traurig und tragisch ist – die Realität ist, dass jedes Jahr rund 300.000 Wale und Delfine weltweit einen ähnlich langen Leidens- bzw. Sterbeweg haben, da sie sich in Fischereigeräten verstricken.“
Wie lange kann Timmy ohne Nahrung überleben?
„Großwale wie Buckelwale sind längere Fastenperioden gewohnt“, erklärt Tom Bär. Ihr Wanderverhalten sei dadurch gekennzeichnet, dass sie zur Paarungszeit in warme Gewässer der Meere schwimmen, in denen sie monatelang kaum bis gar keine Nahrung zu sich nehmen und hauptsächlich von ihrer Fettschicht leben.
Den genauen Zustand des Tieres in der Ostsee können die Biologen aktuell nicht feststellen, da sie ihn nicht untersuchen können. Es könnte sein, dass Timmy eine Infektion oder Organschäden hat. Was ihm genau fehlt, wird sich erst bei der Obduktion im Meeresmuseum herausstellen.
Die Situation bleibt angespannt, während Timmy weiter in der Wismar-Bucht liegt und die Experten nur noch begrenzte Handlungsmöglichkeiten sehen. Das Schicksal des Buckelwals zeigt einmal mehr die Gefahren, denen Meeressäuger in menschlich genutzten Gewässern ausgesetzt sind.



