Wenn man zu 7 Uhr morgens eine Einladung zu einem „Zwitscherfrühstück“ bekommt, denkt wohl so mancher als erstes: Oh, die fangen aber schon früh an mit dem Trinken, umgangssprachlich: einen zu zwitschern. Doch weit gefehlt. Diese Einladung ist wörtlich gemeint und sollte ein Frühstück inmitten morgendlich zwitschernder Vögel sein. Also etwas für Frühaufsteher, und das am Sonntagmorgen. „Wobei die Uhrzeit schon ziemlich spät angesetzt ist, um die gesamte Bandbreite zwitschernder Vögel zu hören“, so Dr. Lothar Daubner, Ornithologe aus Klein Görnow. „Wer Vögel hören und beobachten will, sollte mit dem Morgengrauen vor Ort sein, also zurzeit gegen 5 Uhr morgens.“
Von der Kirche aus den Morgensängern auf der Spur
Jedes Jahr lädt der Ornithologe zu einer Vogelstimmenwanderung unter anderem in und um Eickelberg ein, um Interessierten die Welt der heimischen Vögel nahezubringen und ganz nebenbei ihr Gehör für die verschiedenen Gesänge der Morgenzwitscherer zu trainieren. Im vergangenen Jahr wurde die Vogelwelt der Allee des Jahres 2019 zwischen Eickelberg und Görnow erkundet. Dieses Mal allerdings war der Treffpunkt die Eickelberger Kirche, in deren Küche zunächst einmal bis zum Eintreffen aller zur Begrüßung der Muntermacher-Kaffee einladend duftete. Bereits in dieser gemütlichen Runde konnte der Fachmann die Gäste auf verschiedene Vögel aufmerksam machen. Ist doch so ein Kirchfriedhof mit seinen hohen Bäumen und Büschen der ideale Tummelplatz für die kleinen Morgensänger mit den teilweise großen Stimmen.
Vogelstimmen erkannt: Von Kohlmeise bis Kuckuck
Hinter der Kirche, mitten in der Natur wurde der Frühstückstisch gedeckt. Theoretisch hätten sich die Vögel dazusetzen können. Schließlich waren alle ihretwegen da. So ließ Lothar Daubner die Anwesenden zunächst einmal raten, welche Vögel sich über ihnen aufhielten. Jutta Thomsen aus Klein Görnow ist da recht bewandert. Man sah es ihr an, wie begeistert sie bei der Sache war. Die Nachtigall war am Sonntagmorgen lautstark und mit verschiedensten Gesangsvarianten zu hören. Von allen erkannt wurde die Kohlmeise. „Der Reviergesang der Männchen ist eine Reihe metallisch reiner, hoher und lauter Töne aus typischerweise zwei, manchmal aber bis zu vier Silben verschiedener Tonhöhe, die man beispielsweise als „tsi-da … tsi-da … tsi-da oder zi-da-tit … zi-da-tit … zi-da-tit“ wiedergeben kann.“ Auch den Buchfinken mit seinem typischen „Würzgebühr“ am Ende seines Liedes erkannten einige. Den Kuckuck sowieso, und wer ihn an diesem Morgen zum ersten Mal in diesem Jahr hörte, wurde angehalten, ganz schnell mit seinem Geld in der Tasche zu klimpern, damit ihm dieses nie ausgehe – ein alter Aberglaube von den Altvorderen überliefert.
Vogellaute von 40 bis 90 Dezibel und feine Unterschiede
Weniger bekannt in ihren Gesängen waren die an der Kirche entdeckten Gartengrasmücke, Grünfink und der Gimpel. Der wunderschöne Vogel mit rotem Bauch und schwarzer Kappe zeigte sich allerdings nicht. Wie der kleine Zaunkönig aussieht, wussten wohl alle der Teilnehmer, doch seinen schmetternd lauten mit Trillern und Rollern versehenen Gesang, der auf eine Lautstärke zwischen 40 und 90 Dezibel kommt, kannten die wenigsten. Im Vergleich: 90 Dezibel entsprechen einer lauten Fabrikhalle oder einem Standard-Föhn. Ebenso wenig kannten die Gesänge von Bachstelze, Grauschnäpper und Gartengrasmücke. Vom Ornithologen ebenso erkannt wurden der Gartenbaumläufer und der Waldbaumläufer. Wenn sie auch optisch nicht so schnell auseinanderzuhalten sind, so ist ihr Gesang doch ebenso unterschiedlich wie ihr Äußeres: „Kurz und mit einer Pause vor der Mitte scharf ruft der Gartenbaumläufer „tit tit tit“. Länger, aus zwei dünnen Trillern und einem hohen folgt ein gleichmäßig abfallender „tsii tsii tsii, tissi siii tsii“ vom Waldbaumläufer.“
Vielstimmiger Chor: Kraniche rufen, Paare bleiben versteckt
Die Rufe der Kraniche waren von weit her zu hören, auch die Rauchschwalbe und die Ringeltaube tummelten sich in den Ästen, wie auch Stieglitz, Kleiber und Haussperling. Die Vielfalt der an der Eickelberger Kirche zu hörenden Vögel war erstaunlich. Zu sehen, zumeist paarweise, waren nur wenige und wenn, kaum erkennbar hoch oben im Geäst. Und während es also da oben und unten in den Zweigen zwitscherte, saßen die Teilnehmer der Vogelstimmen-Exkursion mit Dr. Lothar Daubner unter oder zwischen ihnen und ließen es sich gemeinsam beim morgendlichen Frühstück gut gehen – ohne „einen zu zwitschern“.
Ausstellung in der Kirche Eickelberg
Und wer nicht so früh aufstehen wollte, sich aber dennoch für die heimische Vogelwelt interessiert, kann noch bis zum 17. Mai (Finissage ab 17 Uhr) jedes Wochenende 10 bis 17 Uhr die beeindruckende Vogelausstellung in der Kirche Eickelberg besuchen. Hier sind heimische Vögel im Bild festgehalten und mit einem QR-Code zu den jeweiligen Gesängen hinterlegt.



