Rebhuhn-Rettung: Wie der Vogel des Jahres 2026 vor dem Aussterben bewahrt werden soll
Rebhuhn-Rettung: Vogel des Jahres 2026 vor Aussterben bewahren

Rebhuhn-Rettung: Wie der Vogel des Jahres 2026 vor dem Aussterben bewahrt werden soll

Das Rebhuhn wurde zum Vogel des Jahres 2026 gekürt, doch die scheuen Vögel mit ihrem charakteristischen orange-braunen Kopf und grauer Brust sind bereits aus vielen Landschaften Deutschlands verschwunden. Ein umfassendes Rettungsprogramm soll den dramatischen Rückgang stoppen und den Bestand wieder stabilisieren.

Dramatischer Bestandsrückgang und aktuelle Zahlen

Die Initiative „Rebhuhn retten - Vielfalt fördern!“ schätzt, dass heute nur noch etwa 35.000 bis 61.000 Brutpaare in Deutschland leben. Dies entspricht einem Rückgang von mehr als 80 Prozent seit 1980. Allerdings gibt es erste vorsichtige Hoffnungsschimmer: Laut einer Erhebung des Deutschen Jagdverbandes ist der Bestand zuletzt leicht gestiegen. Im Vergleich zum Tiefstand im Jahr 2019 wurden für 2023 etwa ein Drittel mehr Paare gemeldet.

Ursachen für den dramatischen Schwund

Der Naturschutzbund Deutschland (Nabu) identifiziert mehrere Hauptgründe für den Rückgang der Rebhuhn-Population. Ein entscheidender Faktor ist der massive Rückgang von Insekten, da junge Rebhühner in ihren ersten Lebenswochen ausschließlich auf Insekten und Spinnen als Nahrung angewiesen sind. Zudem sind in den vergangenen Jahrzehnten viele Brachen und krautreiche Feldraine verloren gegangen, die den Vögeln als wichtige Nist- und Brutplätze dienen.

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Konkrete Schutzmaßnahmen zeigen Wirkung

Um das Rebhuhn zu retten, setzt die Initiative in einer Reihe von Projektgebieten in acht Bundesländern gezielte Schutzmaßnahmen um. Dazu gehören:

  • Mehrjährige Blühflächen und Brachen
  • Getreidefelder mit doppeltem Reihenabstand und niedrig wachsender Untersaat
  • Erhalt und Pflege von Feld- und Wegrainen sowie Hecken
  • Regulierung von Fressfeinden wie Fuchs, Marder und Waschbär

Landwirte als wichtige Partner im Artenschutz

Im Fokus der Schutzbemühungen steht die Landwirtschaft, die Lebensraum für Rebhühner schaffen und verbessern soll. „Wir rennen da offene Türen ein. Die Bereitschaft ist absolut da“, betont Projektmanagerin Elisabeth Böhnlein vom Deutschen Verband für Landschaftspflege. Allerdings seien die Fördermöglichkeiten für Landwirte bundesweit sehr unterschiedlich und nicht in allen Bundesländern gleich gut ausgestaltet.

Hunderte Landwirte in Deutschland beteiligen sich bereits an den Schutzmaßnahmen. Besonders wichtig ist dabei die individuelle Beratung, welche Maßnahmen und Förderungen im jeweiligen Betrieb möglich sind. Für die Landwirte muss die Teilnahme wirtschaftlich tragbar sein, damit die Kooperation langfristig erfolgreich bleibt.

Positive Effekte für die gesamte Artenvielfalt

Die Schutzmaßnahmen kommen nicht nur dem Rebhuhn zugute, sondern profitieren zahlreiche andere Arten. „Die Maßnahmen helfen nicht nur dem Rebhuhn, sondern auch vielen anderen Arten“, erklärt Böhnlein. So profitieren beispielsweise Nachtfalter, Feldlerchen und andere Vogelarten von den geschaffenen Blühflächen und Landschaftselementen.

Praktische Umsetzung vor Ort

Landwirt Christian Wiese aus Stemwede in Nordrhein-Westfalen, unweit der niedersächsischen Grenze bei Brockum, engagiert sich bereits seit fünf Jahren für das Rebhuhn. Er schafft gezielt „Unterschlupf, Nahrung, Sicherheit“ für die Vögel. Neben Blühpflanzen lässt er gezielt weitere Pflanzen und Getreide stehen, die nicht geerntet werden. In der Nähe finden sich weitere Blühflächen, die Insekten anziehen, sowie Bäume und ein Teich – eine bewusst geschaffene Vernetzung verschiedener Lebensraumelemente.

Um das Raubwild zu reduzieren, nutzt Wiese eine Betonrohrfalle. In dieser Gegend gehören neben Fuchs, Marder und Dachs auch Waschbären und Marderhunde zu den natürlichen Fressfeinden der Rebhühner.

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Monitoring und erste Erfolge

Die Dümmerregion um Brockum und Stemwede ist eines von vielen Projektgebieten zur Rettung des Rebhuhns. Bei Monitoring-Aktionen im Jahr 2025 wurden an 94 Routen insgesamt 121 Hähne nachgewiesen. Allerdings wurde an fast jeder zweiten Route kein Hahn festgestellt. „An manchen Strecken gab es mehr Nachweise als in den Vorjahren“, berichtet Marcel Holy, Leiter der Natur- und Umweltschutzvereinigung Dümmer, zur laufenden Zählung 2026.

Ein genereller Aufwärtstrend sei zwar noch nicht zu erkennen, aber mit gezielten Maßnahmen wie neuen Blühstreifen gebe es durchaus Erfolge. Bei einer aktuellen Zähltour in Brockum zählten Holy und seine sechs freiwilligen Helfer zwischen 18.40 und 19.10 Uhr fünf Hähne anhand ihrer Revierrufe – und beobachteten einen Hahn, der mit seiner Henne kurz nach Beginn der Tour aus dem Feld davonflog.

Besondere Zählmethoden in der Dämmerung

Die Zählaktionen finden gezielt in der Balzzeit rund um Sonnenuntergang statt. In der Dämmerung fühlen sich die Hähne einigermaßen sicher, um mit ihrem charakteristischen „kirräck“-Ruf ihr Revier zu markieren. Ist es zu hell, droht Gefahr durch Greifvögel wie Habicht und Mäusebussard. Bei völliger Dunkelheit können Fuchs und Marder leichte Beute machen.

Laut Monitoring 2025 wurden vergleichsweise hohe Rebhuhn-Dichten erneut in Hessen im Projektgebiet Gießener Land und Wetterau festgestellt. Eine besonders positive Entwicklung wurde im Hessischen Ried und im Gäuboden (Landkreis Straubing-Bogen) beobachtet. In vielen Regionen wie Oberfranken, Göttingen und dem nördlichen Eichsfeld blieb der Rebhuhnbestand zumindest stabil.

Die freiwilligen Helfer bei der Zähltour in Brockum nehmen an solchen Abenden nicht nur wertvolle Daten für den Artenschutz mit, sondern auch ein besonderes Naturerlebnis. Für manche sind es die ersten Erfahrungen mit dem Revierruf des Rebhuhn-Hahns, den sie nun sicher zuordnen können – ein hoffnungsvolles Zeichen für die Zukunft dieser bedrohten Art.