Artenschutz mit Nachbarschaftshilfe: Niederländische Feldhamster sollen deutsche Population retten
Die Feldhamster in Deutschland stehen am Rande des Aussterbens. In vielen Regionen sind die niedlichen Nager bereits vollständig aus der Natur verschwunden. Um diese dramatische Entwicklung aufzuhalten, setzt das Artenschutzzentrum Nordrhein-Westfalen nun auf ungewöhnliche Unterstützung aus dem Nachbarland.
Genetische Vielfalt durch internationale Zusammenarbeit
Ausgerechnet niederländische Feldhamster sollen dabei helfen, die deutsche Population zu stabilisieren. Der Grund für diese unkonventionelle Maßnahme liegt in der genetischen Vielfalt. „Wir müssen die genetische Basis verbreitern, um Inzuchtprobleme zu vermeiden“, erklärt ein Experte des Zentrums. Auf einer speziellen Wandtafel wird genau dokumentiert, welche Tiere miteinander verpaart werden sollen.
Insgesamt werden im Artenschutzzentrum etwa 160 Feldhamster gehalten, von denen 72 für das gezielte Zuchtprogramm ausgewählt wurden. Die Zusammenarbeit mit den Niederlanden stellt dabei einen wichtigen Schritt dar, um den Genpool der deutschen Feldhamster nachhaltig zu erweitern.
Gefährliche Liebesspiele im Hamsterbau
Die Paarung der Feldhamster verläuft keineswegs immer harmonisch. Tierpfleger Jörg Kritschker berichtet von einem Vorfall im vergangenen Jahr: „Sie haben sich so richtig verbissen, so schnell kam ich auch gar nicht dazwischen“. Das Weibchen hatte dem Männchen dabei zwei tiefe Bisswunden zugefügt, die in einer Tierarztpraxis genäht werden mussten.
Die Verpaarung wird daher mit größter Sorgfalt geplant. Zunächst wird genau geprüft, ob die Weibchen ihren Eisprung haben. „Das Männchen darf den Bau des Weibchens nur betreten, wenn dieses den Eisprung hat. Andernfalls wird es ausgebissen, die sind da schon recht ruppig“, beschreibt Kritschker das ausgeprägte Territorialverhalten der Tiere.
Nachzuchtprogramm mit bundesweiter Bedeutung
Jährlich werden durch das Programm im Artenschutzzentrum Nordrhein-Westfalen zwischen 200 und 300 junge Feldhamster ausgewildert. Ein Teil der Nachkommen verbleibt jedoch im Zentrum, um die Zuchtpopulation langfristig zu sichern. Neben der Einrichtung in Nordrhein-Westfalen existieren weitere Artenschutzprojekte im Zoo Leipzig, Zoo Heidelberg sowie bei einer privaten Initiative in der Nähe von Hannover.
Die internationale Zusammenarbeit zeigt bereits erste Erfolge. Durch den Austausch mit niederländischen Feldhamstern konnte die genetische Vielfalt der deutschen Population spürbar verbessert werden. Experten betonen, dass solche Kooperationen über Ländergrenzen hinweg für den Artenschutz immer wichtiger werden.
Obwohl die Beziehungen zwischen Deutschland und den Niederlanden auf sportlicher Ebene traditionell von Rivalität geprägt sind, zeigt dieses Projekt, dass beim Artenschutz nationale Grenzen in den Hintergrund treten. Wenn es um das Überleben einer bedrohten Tierart geht, wird jede Hilfe angenommen – selbst wenn sie aus dem Nachbarland kommt.



