Gefährliche Blütenpracht: Bienenfreundliche Pflanzen oft pestizidbelastet
Immer mehr Gartenbesitzer und Balkonfreunde achten beim Pflanzenkauf bewusst auf Arten, die als bienen- und insektenfreundlich beworben werden. Doch aktuelle Untersuchungen enthüllen ein alarmierendes Problem: Viele dieser Pflanzen sind mit Pestiziden belastet, die genau den Insekten schaden, die sie eigentlich unterstützen sollen.
Test zeigt erhebliche Belastungen
Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) und die Zeitschrift „Öko-Test“ haben gemeinsam Zierpflanzen untersucht, die im Handel als insektenfreundlich vermarktet werden. Die Ergebnisse sind besorgniserregend: Mehr als die Hälfte der getesteten Pflanzen enthielt Wirkstoffe, die für Wildbienen, Schmetterlinge und andere Insekten giftig sind. Teilweise fanden sich sogar Mischungen mehrerer Pestizide in einer einzigen Pflanze.
Besonders problematisch ist, dass der Begriff „bienenfreundliche Pflanze“ rechtlich nicht geschützt ist. Laut BUND wird diese Kennzeichnung im Handel oft irreführend verwendet. Die Pestizide gelangen über Nektar und Pollen direkt zu den Insekten und können so die gute Absicht der Gartenbesitzer ins Gegenteil verkehren. Selbst Küchenkräuter wie Rosmarin und Bohnenkraut sind betroffen – Analysen ergaben hier Rückstände gesundheitsschädlicher Wirkstoffe.
Orientierungsprobleme bei Bienen
„Diese Pflanzen, die das Gegenteil von dem bewirken, was der Besitzer beabsichtigt, sind im Handel schwer auszumachen“, erklärt Imker und Naturschützer Monty Erselius aus Plau am See. Die Auswirkungen seien jedoch deutlich sichtbar: Die Aufnahme von belastetem Nektar kann bei Bienen zu schweren Orientierungsproblemen führen. Im schlimmsten Fall finden die Tiere den Weg zu ihrem Stock nicht mehr zurück und gehen verloren.
Als mögliche Ursache für die Belastungen nennt der BUND die komplexen Lieferketten. Viele Jungpflanzen stammen aus Ländern des globalen Südens, etwa aus Afrika oder Lateinamerika. Dort sind Pestizide zugelassen, die in der Europäischen Union längst verboten sind. Der Verband kritisiert mangelnde Transparenz und unzureichende Kontrollen entlang der Produktionskette. Für Zierpflanzen gibt es zudem keine Kennzeichnungspflicht und keine verbindlichen Grenzwerte für Pestizidrückstände.
Verbraucher können gegensteuern
Gartenbesitzer haben jedoch mehrere Möglichkeiten, insektenfreundliche Alternativen zu finden:
- Bei regionalen Gärtnereien kaufen und gezielt nach Herkunft und Anbaumethoden fragen
- Pflanzen aus Bio-Samen selbst ziehen
- Ungefüllte Blüten wählen, da gefüllte Sorten oft keinen Nektar bieten
- Auf heimische, für Wildbienen geeignete Arten setzen
- Balkon und Garten möglichst ohne Pestizide gestalten
Monty Erselius weist auf ein grundsätzliches Problem hin: „Die für die Insekten interessantesten Pflanzen gedeihen auf mageren Böden – die gibt es aber in den gut gedüngten Gärten nicht mehr!“ Der Plauer Naturschützer betont die Bedeutung vielfältiger Lebensräume: „Sommerflieder für die Schmetterlinge im Garten zu haben, ist das Eine. Doch deren Larven brauchen zum Beispiel Brennnesseln als Nahrungsquelle. Wer die konsequent ausreißt, wird auch wenige Schmetterlinge sehen!“
Kleine Maßnahmen mit großer Wirkung
Schon kleine Veränderungen können Insekten helfen:
- Eine kleine Ecke von wenigen Quadratmetern als naturnahes Reservat belassen
- Verblühte Stauden im Herbst stehen lassen
- Blätter zu Haufen zusammengerecht in einer stillen Ecke als Winterquartier liegen lassen
- Pflanzentauschbörsen nutzen – sowohl online als auch auf lokalen Märkten
„Stauden kann man, wenn sie groß genug sind, ausgraben und teilen“, erklärt Erselius. „Es gibt mittlerweile Pflanzentauschbörsen im Internet und auch auf Märkten, wo Hobbygärtner neue Stauden bekommen können. So lernt man auch Gleichgesinnte kennen und kann sich inhaltlich austauschen.“ Diese Gemeinschaftsinitiativen bieten nicht nur kostengünstige Alternativen, sondern fördern auch den Wissenstransfer unter naturverbundenen Gartenfreunden.



