Ende einer Käse-Ära in der Uckermark
Seit der Wende hat eine niederländische Familie in der Uckermark nahe Prenzlau nicht nur Landwirtschaft betrieben und Milchvieh gezüchtet, sondern auch nach traditioneller holländischer Art Käse produziert. Pieter Wolters und seine Söhne veredelten über Jahrzehnte selbstproduzierte Milch zu leckeren Käsespezialitäten, die unter dem Namen Uckerkaas deutschlandweit Bekanntheit erlangten.
Beliebte Spezialitäten verschwinden aus den Regalen
Die beliebten Uckerkaas-Laibe in Geschmacksrichtungen wie Kümmel, Gartenkräuter oder Bärlauch/Alge werden nun aus den Läden verschwinden. Verkaufsleiterin Nancy Dräger bestätigte gegenüber dem Nordkurier am 8. April 2026, dass die Käserei ihren Betrieb einstellen wird. „Der Verkauf läuft Ende 2026 aus, bis dahin reichen die gereiften Käse noch“, erklärte die seit 21 Jahren im Unternehmen tätige leitende Angestellte.
Als Hauptgründe für diese schwerwiegende Entscheidung nannte sie die horrenden Energie- und Betriebskosten sowie die galoppierende Inflation in Deutschland: „Es rechnet sich einfach nicht mehr.“ Die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen haben sich in den letzten Jahren so verschlechtert, dass eine Fortführung der Käseproduktion nicht mehr tragbar ist.
Q-Regio bleibt erhalten – Fokus auf andere Produkte
Das Unternehmen wird jedoch weiterhin das begehrte Eis sowie die Fruchtaufstriche produzieren. Eigens dafür haben die Mitarbeiter in den letzten Tagen den Umzug des kleinen Käselädchens in die große grüne Halle gemanagt, wo ab sofort der Hofladen zu finden ist. Die Q-Regio-Leiterin Nancy Dräger bilanziert, dass 2026 nach einem eher durchwachsenen letzten Jahr erstaunlich positiv gestartet sei und dass die Umsatzzahlen Hoffnung für eine Ära nach dem Uckerkaas machten.
Die 2008 gegründete Vermarktungskette Q-Regio, mehrfach als bester Online-Shop prämiert, bleibt weiterhin aktiv. Aus dem kleinen Bandelow heraus floriert seitdem der Handel mit einheimischen Produkten. Das Sortiment umfasst über tausend Erzeugnisse, die vielerorts direkt erworben oder online bestellt werden können.
- 70 Prozent der Lieferungen gehen an Wiederverkäufer
- 30 Prozent sind private Bestellungen
- Das private Segment wächst seit Jahren unaufhörlich
- Hauptkunden sind Exil-Uckermärker und Touristen
Qualität und Frische bleiben oberstes Gebot
Obgleich selbst der Versand von frischer Ware völlig unproblematisch sei, betont Chefin Nancy Dräger: „Wir arbeiten mit Einwegkühlakkus und Kühlfolie und können dadurch Frische garantieren. In ein bis spätestens zwei Tagen ist die Ware beim Kunden.“ Auch die Bruchsicherheit wird großgeschrieben, schließlich verlassen wöchentlich tausende Flaschen und Gläser das Lager.
Mehr als 70 Hersteller stehen aktuell bei Q-Regio unter Vertrag, darunter zahlreiche regionale Produzenten aus der Uckermark. Frische Produkte aus der Region bekommt man weiterhin unter anderem im Q-Regio-Laden in Prenzlau.
Letzte Chance auf Uckerkaas
Wer noch einen der beliebten Laibe in den unterschiedlichsten Geschmacksrichtungen probieren will, sollte sich beeilen. Die Lager leeren sich vermutlich schnell, da die Produktion bereits eingestellt wurde und nur noch vorhandene Bestände verkauft werden. Die Ära des traditionell hergestellten Uckerkaas geht damit nach Jahrzehnten erfolgreicher Produktion zu Ende, während das Unternehmen sich auf andere profitable Sparten konzentriert.



