Minister besuchen Moorweide: Pilotprojekt für nasse Landwirtschaft in der Müritzregion
Bei klatschnassen Bedingungen auf einer Feuchtwiese bei Göhren-Lebbin in der Müritzregion haben die Landwirtschafts- und Umweltminister von Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern, Hanka Mittelstädt und Till Backhaus, ein gemeinsames Positionspapier unterzeichnet. Beide Politiker der SPD setzen sich damit für den Erhalt von Mooren und Feuchtbiotopen ein. Der Besuch fand auf einer Fläche des Müritzhofs Knust statt, der als Beispiel für moorschonende Stauhaltung gilt.
Landwirtschaft auf nassen Moorböden im Praxistest
Der Müritzhof Knust gehört zu 47 Betrieben in Mecklenburg-Vorpommern, die an einem Pilotprojekt für nasse Landwirtschaft teilnehmen. Seit Anfang 2022 fördern beide Bundesländer klimaschonende Bewirtschaftung durch erhöhte Wasserstände. Ziel ist es, auf bisher stark entwässerten Flächen den Umstieg in eine nasse Landwirtschaft zu erproben und so restliche Torfböden zu erhalten.
Steffen und Carolin Knust halten den Wasserstand auf ihrer Fläche im Blücherschen Bruch bewusst hoch, obwohl Entwässerungsgräben und Wehre vorhanden sind. Die Wiese ist dadurch teilweise moorähnlich und unbegehbar. Im Sommerhalbjahr weiden dort Mutterkühe der Rasse Angus auf 68 Hektar Moorboden.
„Durch die Gräben haben die Kühe Trinkwasser direkt vor Ort. Das müsste ich sonst extra herbringen“, erklärt Steffen Knust. Auf dem kaum erschlossenen Areal wäre dies umständlich. Den Rindern bekomme das Weideleben auf der Feuchtwiese gut, bisher habe es keine Probleme gegeben.
Minister betonen Bedeutung intakter Moorböden
„Höhere Wasserstände sind kein Teufelszeug, sondern im Interesse aller“, sagte Till Backhaus während des Besuchs. „Man muss kein Klimaaktivist sein, um intakte Moorböden für notwendig zu erachten, und gleichzeitig zeigen wir, dass eine Landnutzung auf nassen Moorböden möglich ist.“
Hanka Mittelstädt wies auf die anhaltende Trockenheit hin: „Das macht wieder deutlich, dass wir beim Stauregime umdenken müssen, wenn wir unsere Böden als Arbeitsgrundlage für die Landwirtschaft erhalten wollen.“
In ihrem Positionspapier fordern beide Minister den Bund auf, die Mittel für den Moorschutz zu erhöhen. Aktuell sei unklar, wie es nach 2028 mit der Fläche bei Göhren-Lebbin weitergeht.
Herausforderungen bei der Infrastruktur und Förderung
Toralf Tiedtke, Geschäftsführer des Landesverbands der Wasser- und Bodenverbände MV, beschreibt die Herausforderungen: Die Stauanlagen seien 50 bis 60 Jahre alt und teilweise mit Funktionsverlust durch Verfall. Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern unterstützen die Sanierung, doch die Menge der zu sanierenden Wehre sei eine große Aufgabe.
Weitere Gelder aus Förderprogrammen des Bundes werden benötigt, auch für sogenannte Moormanager. „Sie sind die Brückenköpfe, um Konzepte zu erstellen und mit den Eigentümern Maßnahmen in der Fläche vorzubereiten“, sagte Hanka Mittelstädt. „Moorschutz kann nur in enger Zusammenarbeit mit den Landnutzern gelingen. Es geht dabei nicht allein um Klima- und Naturschutz, sondern um die wirtschaftliche Existenz unserer Landwirtschaftsbetriebe in ansonsten strukturschwachen Regionen.“
Erfolge und Perspektiven der moorschonenden Landwirtschaft
Lara Massa vom Institut für Ökologische Forschung und Planung in Bützow berichtet von messbaren Erfolgen: Allein im Jahr 2025 seien in Mecklenburg-Vorpommern durch moorfreundliche Landwirtschaft knapp 45.000 Tonnen Treibhausgas eingespart worden. „Wir haben in kurzer Zeit viel geschafft“, so Massa.
Till Backhaus sieht in der Vergütung von CO2-Einsparungen eine große Chance für die Betriebe. Er bietet Mecklenburg-Vorpommern dem Bund gern als Modellregion an. Das Pilotprojekt auf dem Müritzhof Knust zeigt, dass nasse Landwirtschaft auf Moorböden praktikabel sein kann – eine wichtige Erkenntnis für Klimaschutz und regionale Landwirtschaft.



