Frauen in der Landwirtschaft: Ausstellung zeigt Alltag und Herausforderungen von Landwirtinnen
Nur elf Prozent der deutschen Höfe werden von Frauen geleitet. Eine aktuelle Wanderausstellung im Freilichtmuseum am Kiekeberg bei Rosengarten südlich von Hamburg widmet sich diesem Thema und zeigt den Alltag von Landwirtinnen in eindrucksvollen Porträts. Die Ausstellung mit dem Titel „Frauen. Leben. Landwirtschaft.“ ist bis zum 26. April zu sehen und basiert auf einer Studie zur Situation von Frauen in der deutschen Landwirtschaft.
18 Porträts geben Einblicke in das ländliche Leben
Die Fotografin Anna Tiessen hat 18 Landwirtinnen porträtiert, begleitet von informativen Texttafeln, die tiefe Einblicke in ihren Alltag und das Leben im ländlichen Raum bieten. Die Ausstellung macht auf die oft unterschätzte Rolle von Frauen in der Landwirtschaft aufmerksam und zeigt, wie sich ihr Leben gestaltet.
Sybille Kahnenbley, Stiftungsratsvorsitzende des Museums, betont: „Frauen übernehmen heutzutage zwar mehr Verantwortung in Betrieben, aber es gibt deutlich Luft nach oben. Nur elf Prozent der Betriebe werden von Frauen geleitet – das ist zu wenig.“ Sie weist darauf hin, dass bei der Weitergabe von Höfen traditionell oft Söhne bevorzugt werden, obwohl die Landwirtschaft mit modernen technischen Hilfen auch für Frauen alle Möglichkeiten bietet.
Handlungsbedarf bei Altersvorsorge und politischer Teilhabe
Kahnenbley identifiziert mehrere Bereiche, in denen dringender Handlungsbedarf besteht:
- Altersvorsorge: Viele Landwirtinnen sind unsicher abgesichert.
- Politische Teilhabe: Frauen sollten sich stärker in Verbänden engagieren und politische Ämter übernehmen.
- Familiengründung: Fehlender Mutterschutz für selbstständige Landwirtinnen und Lücken in der sozialen Absicherung stellen Hürden dar.
Der Landesbauernverband Landvolk Niedersachsen bestätigt diese Herausforderungen. Laut Statistiken arbeiten in Deutschland etwa 876.000 Menschen in der Landwirtschaft, davon 310.000 Frauen (35 Prozent). Bei Führungspositionen liegt Deutschland mit nur 11 Prozent Frauenanteil deutlich unter dem EU-Durchschnitt von 32 Prozent.
Weiblicher Nachwuchs wächst – aber langsam
Positiv zu vermerken ist der wachsende weibliche Nachwuchs in landwirtschaftlichen Berufen:
- In den „grünen Berufen“ liegt der Frauenanteil bei etwa 25 Prozent.
- Im Ausbildungsberuf Landwirt/in sind es rund 23 Prozent – mit steigender Tendenz.
- In Agrar-, Forst- und Ernährungswissenschaften sind bereits 61 Prozent der Studierenden weiblich.
Dennoch bleibt die mentale Belastung durch die Doppelverantwortung von Betrieb und Familie eine große Hürde. Die Ausstellung am Kiekeberg möchte nicht nur informieren, sondern auch zum Nachdenken anregen und Veränderungen anstoßen.



