Super-El-Niño 2026: Droht ein extremes Klimaphänomen mit globalen Folgen?
Super-El-Niño 2026: Droht extremes Klimaphänomen?

Super-El-Niño 2026: Droht ein extremes Klimaphänomen mit globalen Folgen?

Die Welt könnte in diesem Jahr einem besonders intensiven Klimaphänomen gegenüberstehen. Nach aktuellen Daten der US-Klimabehörde Nooa entwickelt sich zwischen Juni und August 2026 mit einer Wahrscheinlichkeit von 62 Prozent ein El Niño, der voraussichtlich bis mindestens Ende Dezember anhalten wird. Dieses natürliche Klimaphänomen, bei dem sich ein Teil des Pazifiks ungewöhnlich stark erwärmt, kann in verschiedenen Erdregionen zu katastrophalen Überschwemmungen und gleichzeitig zu extremen Dürren führen.

Die Unsicherheit eines Super-El-Niño

In Medienkreisen wird bereits über die Möglichkeit eines sogenannten Super-El-Niño spekuliert. Der renommierte Klimaforscher und Ozeanograf Mojib Latif vom Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel bewertet diese Wahrscheinlichkeit jedoch mit großer Vorsicht. „Ich würde sagen, 50:50 – es kann sein, kann aber auch nicht sein“, erklärt Latif. Der Begriff Super-El-Niño gehört nicht zu einer offiziellen Klimaskala, wird aber von einigen Wissenschaftlern verwendet, um außergewöhnlich starke Ausprägungen des Phänomens von gewöhnlichen Ereignissen abzugrenzen.

Entscheidende Windschwankungen

Die Entwicklung und Intensität eines El Niño hängen maßgeblich von Windschwankungen ab, die derzeit noch nicht präzise vorhersehbar sind. Latif, dessen Doktorarbeit grundlegende Erkenntnisse zu diesem Klimaphänomen lieferte, betont: „Da entwickelt sich alles lehrbuchmäßig. Aber dann gibt es immer noch diese zufälligen Windschwankungen, die in verschiedene Richtungen wirken können.“ In den oberen 300 Metern der relevanten Pazifikregion ist bereits jetzt erhebliche Wärme gespeichert, was ideale Voraussetzungen für die Entstehung eines El Niño schafft.

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Latif prognostiziert, dass sich bis Weihnachten 2026 ein sehr starker El Niño entwickeln könnte. Sollte das Phänomen in diesem Jahr nicht eintreten, ist mit hoher Wahrscheinlichkeit im nächsten Jahr zu rechnen. „Die Wärme im Pazifik ist da. Die kriegen Sie nicht weg“, stellt der Klimaforscher klar. Diese gespeicherte Energie könne nur über die Atmosphäre abtransportiert werden, was genau einen El Niño auslösen würde.

Globale Auswirkungen des Klimaphänomens

Beim El Niño-Phänomen verlagern sich warmes Wasser und Wolken im äquatorialen Pazifik zur sonst trockenen Küste Südamerikas. Diese Veränderung verursacht in Südamerika und durch komplexe Kettenreaktionen auch in Teilen Ostafrikas häufig verheerende Überschwemmungen. Gleichzeitig häufen sich in Südostasien, Ostaustralien und bis nach Südostafrika extreme Dürreperioden und Waldbrände. Das entgegengesetzte Wetterphänomen wird als La Niña bezeichnet.

Begrenzte Effekte in Mitteleuropa

Für Deutschland, Österreich und die Schweiz sind die direkten Auswirkungen eines El Niño eher gering. Daniela Domeisen von der ETH Zürich erklärt: „Die Auswirkungen eines El Niño-Ereignisses auf Deutschland, Österreich und die Schweiz variieren stark, da El Niño insgesamt nur einen sehr schwachen Einfluss auf Europa hat.“ Die große geografische Distanz zum tropischen Pazifik und zahlreiche störende atmosphärische Einflüsse schwächen das Signal erheblich ab.

Falls überhaupt spürbare Effekte auftreten, könnte El Niño mit erhöhter Wahrscheinlichkeit kühleres und feuchteres Wetter nach Mitteleuropa bringen. Allerdings betont Domeisen die erheblichen Unsicherheiten solcher Vorhersagen: „Eine solche Vorhersage zum jetzigen Zeitpunkt birgt aber noch sehr große Unsicherheiten“.

Armin Bunde, Emeritus der Universität Gießen und Experte für El Niño-Berechnungen, bestätigt: Selbst ein starker El Niño habe in der Regel keine direkten Auswirkungen auf das mitteleuropäische Wettergeschehen, die sich von normalen Schwankungen unterscheiden ließen. Indirekte Konsequenzen seien jedoch durchaus möglich: „So können schlechte Ernten im Pazifikraum zu höheren Preisen für Zucker, Kaffee und Kakao führen, die man dann natürlich auch bei uns spürt“.

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Wechselwirkung mit dem Klimawandel

Die Frage nach dem Einfluss des Klimawandels auf El Niño-Ereignisse bleibt wissenschaftlich komplex. Bunde weist darauf hin, dass seit Beginn des signifikanten Klimawandels um 1970 kein belastbarer Einfluss auf die Häufigkeit starker El Niños nachweisbar sei. Latif formuliert die wissenschaftliche Position ehrlich: „Also direkt wissen wir es nicht, das muss man ganz ehrlich sagen.“

Besonders relevant ist für Latif jedoch die aktuelle Entwicklung: Trotz La-Niña-artiger Bedingungen in den vergangenen Monaten, die normalerweise kühlend wirken, blieben die globalen Temperaturen außergewöhnlich hoch. „Und derzeit haben wir ja eigentlich im Pazifik relativ neutrale Bedingungen, es ist dort noch gar nichts passiert, und trotzdem sind die Temperaturen schon wieder auf Rekordkurs“, beobachtet der Klimaforscher.

Die globalen Meeres- und Lufttemperaturen erreichen bereits jetzt extreme Werte. Latif warnt: „Wenn man selbst unter solchen Bedingungen schon wieder auf Rekordkurs ist, zeigt das, wie sehr die Klimaerwärmung bereits das Regiment übernimmt.“ Ein eventuell eintretender El Niño könnte diese Entwicklung weiter verstärken, doch die fortschreitende Klimaerwärmung sorgt bereits dafür, dass Phänomene wie La Niña und El Niño auf einem deutlich höheren Temperaturniveau ablaufen. Selbst ohne El Niño sei ein neuer globaler Temperaturrekord möglich.