War der kalte Winter 2026 eine Folge von warmem Meer und instabilem Polarwirbel?
Kalte Winter 2026: Ursachen von warmem Meer und Polarwirbel

Deutschlands eisiger Winter 2026: Experten analysieren die Ursachen

Weite Teile Deutschlands erlebten seit dem Jahreswechsel 2026 einen ungewöhnlich kalten Winter. Während es im Südwesten lange vergleichsweise mild blieb, herrschte in anderen Landesteilen Dauerfrost. Im Nordosten könnte es laut Deutschem Wetterdienst (DWD) – trotz mildem Dezember – auf einen der kältesten Winter seit Langem hinauslaufen. Es war deutschlandweit ein besonderer Winter: „Der Januar 2026 war im Flächenmittel über Deutschland der erste unterdurchschnittliche Monat seit August 2021, also seit 53 Monaten, im Vergleich zur Referenzperiode 1961 bis 1990“, berichtet der DWD.

Die Rolle des instabilen Polarwirbels

Ursache der Kälte war eine stabile Wetterlage mit Hochdruck von Island bis Skandinavien und tiefem Druck weiter südwestlich. Diese Konstellation blockierte atlantische Tiefausläufer, also den Zufluss milder Atlantikluft nach Deutschland. Dafür strömte kalte Luft aus Nordosten nach Mitteleuropa. Meteorologen spekulieren über die Ursache für diese Bibber-Wetterlage: zu schwacher Wirbel um den Nordpol und zu warmes Wasser bei Grönland.

Der Polarwirbel ist ein großräumiger Ring starker Westwinde in der Stratosphäre, der im Winter kalte Luft über der Arktis bündelt und meist dort „festhält“, aber bei Störungen Kaltluftausbrüche in mittleren Breiten begünstigen kann. Diplom-Meteorologe Helge Tuschy vom Deutschen Wetterdienst (DWD) erklärt: „Der Polarwirbel war schon zu Beginn des Winters in der Stratosphäre instabil und um den Jahreswechsel herum dann in der niedrigeren Troposphäre deutlich zu schwach.“ Dieser Wirbel ist ein großes Tiefdruckgebiet, das sich im Winter durch extreme Kälte über dem Pol bildet und seinen Schwerpunkt in rund 30 Kilometern Höhe hat. Ist er stark, hält er die Kälte im Norden, ist er schwach, kann Kälte nach Süden abdriften – also zu uns nach Deutschland.

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Diese Ursache hält auch Dr. Karsten Brandt vom Portal donnerwetter.de für plausibel. Der Klimatologe sagt: „Wenn sich der Polarwirbel zerlegt und Augen bildet, wie Fett auf der Suppe, dann ist der Wirbel gestört. Das war im Februar der Fall: Kaltluft bricht dann aus und verlässt die Polarregion.“ Am Anfang des Winters sei der Polarwirbel hingegen noch stabil gewesen und unser Winter entsprechend noch mild.

Der Einfluss des warmen Meeres und anderer Faktoren

Der norwegische Forscher Prof. Dr. Erik Kolstad sieht hingegen das Meer als Ursache für unser eisiges Wetter. Rund um Island und südlich von Grönland sei es zu warm gewesen – im Gegensatz zum Meereswasser weiter südlich. Dieses ungewöhnliche Temperaturgefälle habe die Entstehung von Tiefdruckgebieten gehemmt, die sonst milde und feuchte Luft Richtung Europa tragen. Folge: In Deutschland blieb es klirrend kalt.

Das habe sogar einen Doppel-Effekt: Wenn die atlantischen Tiefs ausbleiben, steigt die Chance auf stabile Hochdruckgebiete rund um Skandinavien. Sie blockieren dann eine milde Luftzufuhr von Westen und begünstigen die Zufuhr kalter Luft aus dem Norden und Osten.

Klimatologe Brandt hält den Einfluss von La Niña für entscheidender. Das globale Wetterphänomen hat ebenfalls mit dem Meer zu tun: Bei La Niña sind die Meeresoberflächen-Temperaturen im Pazifik nahe des Äquators kälter als gewöhnlich. Als Folge sorgen dann Jetstream-Winde für kalte Luft über Europa. „La Niña baut sich nur alle paar Jahre im Pazifik auf. Wenn das der Fall ist, wie 2025, dann ist die Wahrscheinlichkeit für einen kalten Winter prinzipiell deutlich höher“, so Brandt.

DWD-Meteorologe Tuschy sieht noch eine Ursache für unsere Winterkälte: die Madden-Julian-Oszillation (MJO), ein Wetterphänomen am Äquator. Dabei ziehen riesige Regenwolken ostwärts um die Welt, das dauert 30 bis 60 Tage. Im Winter wirkt diese Bewegung auf Europa ein, indem sie atmosphärische Wellen aussendet, die den Weg für arktische Luft nach Europa freimachen. „Diese Fernwirkung aus den Tropen erreicht uns mit einer Verzögerung von 10 bis 20 Tagen“, so der Experte. Das habe den Weg für die Kälte zu uns schließlich frei gemacht.

Klar ist: In den kommenden Tagen wird es deutlich wärmer in Deutschland. Die Analyse zeigt, dass der kalte Winter 2026 auf ein komplexes Zusammenspiel von Faktoren wie instabilem Polarwirbel, warmem Meerwasser und globalen Wetterphänomenen zurückzuführen ist.

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