Feuerwehren an der Belastungsgrenze: Lithium-Batterien lösen Daueralarm in Müllanlage aus
Lithium-Batterien lösen Daueralarm in Müllanlage

Dauereinsätze für Feuerwehren: Lithium-Batterien im Hausmüll werden zur Gefahr

In der Müllbehandlungsanlage in Rosenow bei Stavenhagen herrscht Ausnahmezustand. Die Feuerwehren der umliegenden Gemeinden Rosenow und Luplow sind durch ständige Alarmierungen an ihre Belastungsgrenzen gekommen. Gefühlt brennt es hier alle zwei Minuten, beschreibt Amtswehrführer Gerrit Lange die angespannte Situation.

Automatische Löschanlage verhindert Schlimmeres

An diesem Tag schrillen die Sirenen auf dem Deponiegelände bereits zum zweiten Mal. „Nicht schon wieder“, seufzt Eiko Potreck, Geschäftsführer der Abfallbehandlungs- und Entsorgungsgesellschaft (ABG). Die Infrarotkamera in der Halle zur Müllaufbereitung hat Alarm ausgelöst – es qualmt. Sofort stoppen alle Bänder der Anlage, die Mitarbeiter verlassen die Halle und sammeln sich draußen.

Inzwischen ist die automatische Löscheinrichtung mit Wasser und Schaum angesprungen. Mit vier Fahrzeugen rücken die Feuerwehren Rosenow und Luplow an. Doch mehr als kontrollieren, ob im Müll noch etwas glimmt, müssen die Einsatzkräfte nicht tun. Die automatische Anlage hat die Gefahr bereits beseitigt.

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Anlagenstillstand kostet Zeit und Geld

„Eine halbe bis dreiviertel Stunde steht jedes Mal die Anlage still“, ärgert sich Potreck. Für alle Beteiligten wird der Ablauf langsam zur Routine, so oft hat in letzter Zeit die Brandmeldeanlage bereits ausgelöst. Verursacht wird dies vermutlich durch Lithium-Ionen-Batterien, die fälschlicherweise im Restmüll entsorgt werden.

Mit vier Fahrzeugen rücken die Feuerwehren Rosenow und Luplow jedes Mal an, wenn auf dem Deponiegelände Brandalarm ausgelöst wird. Allein in diesem Jahr gab es bereits über 20 solcher Einsätze. „Das ist sehr viel“, bestätigt Amtswehrführer Lange.

Lithium-Batterien entwickeln extreme Hitze

Wenn die Batterien mit dem Müll im Schredder der mechanisch-biologischen Anlage landen und zerstört werden, entwickeln sie sekundenschnell extreme Hitze von bis zu 1000 Grad Celsius und mehr. „Wenn dann Papier oder Folie nebenan liegen, kann es schnell brennen“, erklärt Potreck das gefährliche Szenario.

Sebastian Woyda, ehemaliger Wehrführer in Rosenow, bestätigt, dass ab Januar die Einsätze schlagartig zugenommen haben. Meist handelt es sich um Fehlalarme, weil die Löschanlage vor Ort die Gefahr bereits beseitigt hat. Dass es tatsächlich zu einem richtigen Brand kommt, sei selten.

Neue Kameras als mögliche Ursache

Im Herbst vergangenen Jahres wurden neue Infrarotkameras in die Anlage eingebaut. „Seitdem häufen sich die Meldungen“, so Potreck. Er vermutet, dass die Sensoren möglicherweise nicht optimal funktionieren. In dieser Woche werden die Kameras daher getauscht und auf ihre Thermoeinstellung geprüft.

Jeden Fehlalarm muss das Unternehmen bezahlen, und jeder Stillstand der Abfallbehandlungsanlage kostet zusätzlich Geld. Täglich werden 600 bis 900 Tonnen Hausmüll nach Rosenow angeliefert – immer wieder auch mit Lithium-Batterien. Schon die kleinste Knopfzelle kann ein Feuer auslösen, wenn sie in den Hausmüll geworfen wird.

Immer mehr Geräte mit eingebauten Batterien

Das Problem verschärft sich, weil in immer mehr Geräten Lithium-Batterien eingebaut werden:

  • Tablets und Powerbanks
  • Digitalkameras und Spielzeug
  • Taschenlampen und Glückwunschkarten mit Musik
  • Sogar Turnschuhe mit leuchtenden Sohlen

Es gibt kostenlose Möglichkeiten, diese Batterien richtig zu entsorgen – bei allen Wertstoffhöfen oder bei Händlern. „Es muss in die Köpfe der Leute rein, dass Batterien nicht in den Hausmüll geworfen werden dürfen“, appelliert Potreck eindringlich.

Politik lässt Entsorger im Stich

Die Entsorgungsunternehmen fühlen sich von der Politik im Stich gelassen. Seit Jahren kämpfen Entsorgungsverbände darum, ein Pfand für Batterien einzuführen. „Das findet kein Gehör bei der Politik, wir haben keine Lobby“, bedauert Potreck. Auch Strafen für falsche Entsorgung gebe es nicht. „Wir sind echt in Not“, bringt er die verzweifelte Situation auf den Punkt.

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Bei jedem Brandalarm steht die Anlage der Müllaufbereitung still, bis die Feuerwehr alles kontrolliert hat und Entwarnung gibt. Ein Teufelskreis, der nur durch richtige Entsorgung der Lithium-Batterien durchbrochen werden kann.