Atommüll-Transporte durch NRW gestartet: 152 Castoren rollen von Jülich nach Ahaus
Der umstrittene Transport von radioaktivem Abfall durch Nordrhein-Westfalen hat begonnen. Der erste Konvoi mit einem von insgesamt 152 Castor-Behältern startete am Dienstagabend kurz nach 22 Uhr vom Forschungszentrum Jülich. Ziel der gefährlichen Fracht ist das Zwischenlager in Ahaus im Münsterland.
Massiver Polizeieinsatz begleitet Transport
Bei dem Großeinsatz sind etwa 2.400 Polizeibeamte im Einsatz. Der erste Konvoi bestand aus etwa 100 Fahrzeugen, darunter ein Schwerlasttransporter mit dem Castor-Behälter sowie zahlreiche Polizeifahrzeuge. Ein Großteil der Beamten wird an Start- und Zielpunkt konzentriert, während der Transport selbst ebenfalls massiv gesichert wird. Ein Polizeihubschrauber begleitet die Aktion aus der Luft.
Die genaue Route der etwa 170 Kilometer langen Strecke wurde von den Behörden nicht öffentlich bekanntgegeben. Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur rollte der erste Konvoi über die Autobahnen A44 und A57. Insgesamt sollen auf dieser Strecke rund 300.000 Brennelemente-Kugeln aus dem ehemaligen Versuchsreaktor Jülich transportiert werden.
Proteste begleiten Transportbeginn
Mehrere Anti-Atomkraft-Initiativen protestierten bereits am Abend des Transportstarts gegen die geplanten Castor-Transporte. In Jülich fand eine Mahnwache vor dem Forschungszentrum mit etwa 20 Teilnehmern statt. In Ahaus demonstrierten zeitgleich etwa 250 Menschen vom Bahnhof zum Rathaus, wo eine Kundgebung stattfand. Zudem rief die Bürgerinitiative Ahaus zu einer Mahnwache vor dem Zwischenlager auf.
In Duisburg versammelten sich Dutzende Menschen an einer Auffahrt zur A42 zu einer Protestaktion, zu der der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) aufgerufen hatte. Marita Boslar, Sprecherin des Aktionsbündnisses „Stop Westcastor“, kritisierte die Polizeisperren: „Es wären sicherlich mehr Leute gekommen, aber viele kommen wegen der Polizeisperren nicht durch.“
Jahrelanges Tauziehen um Jülicher Atommüll
Dem Transport waren mehrere Gerichtsentscheidungen und eine Informationsveranstaltung für Bürger in Ahaus vorausgegangen. Anfang März entschied das Oberverwaltungsgericht Berlin-Brandenburg in einer Eilentscheidung, dass die Transporte stattfinden dürfen. Der BUND hatte versucht, die Transporte auf dem Gerichtsweg zu verhindern, mit der Begründung, die Sicherheit der Castoren sei bei der Fahrt über Straßen in NRW nicht gewährleistet.
Das Bundesamt für die Sicherheit der nuklearen Entsorgung (BASE) hatte die Transporte bereits am 25. August genehmigt. Ursprünglich wurden 152 Einzeltransporte beantragt, die jedoch gebündelt werden können. Es stehen lediglich vier geeignete Transportfahrzeuge zur Verfügung, die jeweils einen Behälter transportieren können.
Endlagerfrage bleibt ungelöst
Für die Lagerung in Jülich lief die letzte Betriebsgenehmigung bereits 2013 aus. Das NRW-Wirtschaftsministerium ordnete 2014 die Räumung des Lagers in Jülich an, weil die Erdbebensicherheit nicht nachgewiesen werden konnte. Aus Sicht des Landes wäre ein Neubau in Jülich die beste Lösung gewesen, was jedoch von der Bundesebene nicht unterstützt wurde, wie Wirtschaftsministerin Mona Neubaur (Grüne) erklärte.
Kritik an den Transporten kommt auch aus Reihen der Polizei. Patrick Schlüter, NRW-Chef der Gewerkschaft der Polizei (GdP), bezeichnete die Transporte mit Begleitschutz im August 2025 als „sinnlose Mammutaufgabe“. Die Politik drücke sich um die Endlagerfrage und lasse Atommüll von einem Zwischenlager ins nächste fahren.
Deutschland verfügt derzeit über kein Endlager, in dem strahlender Atommüll für Hunderttausende Jahre sicher gelagert werden kann. Stattdessen existieren sechzehn Zwischenlager, darunter das in Ahaus. Die Transporte von Jülich nach Ahaus werden sich über einen längeren Zeitraum erstrecken und gehören zu den größten Atommüll-Transporten auf der Straße seit Jahrzehnten.



