Vögel masturbieren: Studie zeigt evolutionäre Vorteile des Verhaltens
Vögel masturbieren: Evolutionäre Vorteile des Verhaltens

Masturbation bei Vögeln: Ein natürliches und verbreitetes Phänomen

Sexuelle Selbstbefriedigung ist nicht nur beim Menschen, sondern auch im Tierreich weit verbreitet. Eine neue Studie aus Großbritannien zeigt, dass auch Vögel regelmäßig masturbieren – und dieses Verhalten hat durchaus evolutionäre Vorteile. Bislang wurde Masturbation bei Vögeln vor allem bei in Gefangenschaft lebenden Papageien beobachtet und oft als Problemverhalten eingestuft. Die aktuelle Untersuchung unter der Leitung von Chloe Heys räumt mit diesem Vorurteil auf.

Umfassende Datensammlung zu 120 Vogelarten

Für die Studie trugen die Forscher Daten zu 120 verschiedenen Vogelarten zusammen. Da es nur wenige wissenschaftliche Untersuchungen zu diesem Thema gibt, griffen sie auf eine Vielzahl von Quellen zurück: bestehende Literatur, Befragungen von Vogelexperten sowie Online-Berichte und Forenbeiträge. In die Datenbank flossen unter anderem Informationen zu Art, Alter, Geschlecht und Herkunft der Tiere (Gefangenschaft oder Wildnis) sowie zu Paarungssystem, sozialem Umfeld und körperlichem Zustand. So entstand der bisher größte Datensatz zur Masturbation von Vögeln.

Ergebnisse: Masturbation ist evolutionär alt und in der Wildnis häufiger

Die Analyse ergab, dass Masturbation bei Vögeln nicht nur weit verbreitet ist, sondern auch eine lange Evolutionsgeschichte hat. Die Daten deuten darauf hin, dass es sich um ein uraltes Merkmal handelt, das auch bei eng verwandten Arten vorkommt. Obwohl mehr Belege für männliche Tiere vorliegen, masturbieren beide Geschlechter und alle Altersgruppen. Überraschenderweise tritt das Verhalten bei Vögeln in freier Wildbahn häufiger auf als bei in Gefangenschaft lebenden Vögeln. „Entgegen der Annahme, dass Masturbation bei in Gefangenschaft gehaltenen Vögeln wie Papageien eine Folge ihrer oft einzelgängerischen Lebensweise ist, zeigt unsere Studie, dass sie natürlich, gesund und weit verbreitet ist – und zwar bei verschiedenen Vogelarten, sogar in unterschiedlichen Umgebungen“, erklärt Heys. Zudem masturbieren Vögel, die von ihren Eltern aufgezogen wurden, häufiger als solche, die von Menschen aufgezogen wurden.

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Mögliche evolutionäre Gründe für Solo-Sex

Die Forscher identifizierten mehrere plausible Erklärungen, warum Masturbation aus evolutionärer Sicht sinnvoll sein könnte. So kommt das Verhalten auch bei Arten vor, die sich mit mehreren Partnern paaren. Dies stützt die Annahme, dass Masturbation den Fortpflanzungserfolg bei starker Konkurrenz um die Befruchtung steigern kann. Bei Männchen könnte sie beispielsweise alte Spermien ausspülen und so qualitativ bessere Spermien für die Paarung freisetzen. Bei Weibchen könnte sie die sexuelle Erregung steigern und so heimliche Paarungen mit anderen Männchen als dem Partner erleichtern.

Implikationen für Vogelhalter und Naturschützer

Die Studienergebnisse haben praktische Bedeutung. „Indem wir unser biologisches Verständnis dieses ungewöhnlichen Merkmals erweitern, kann unsere Forschung Haltern, Züchtern und Naturschützern mehr Klarheit verschaffen, wenn Vögel in ihrer Obhut dieses Verhalten zeigen. Wir können aufzeigen, dass tierärztliche Eingriffe zur Verhinderung von Masturbation den Vögeln möglicherweise sogar mehr schaden“, resümiert Heys. Die Studie wurde in der Fachzeitschrift „Ecology and Evolution“ veröffentlicht.

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