Ötzis Mikroben leben noch: Hefen in der Gletschermumie entdeckt
Ötzis Mikroben leben noch: Hefen in der Mumie entdeckt

Ötzi, die berühmte Gletschermumie aus den Ötztaler Alpen, ist seit mehr als 5300 Jahren tot. Doch nun haben Forscher Hinweise auf Mikroorganismen gefunden, die in seinem Gewebe noch immer leben. Diese Mikroben könnten ein Grund für die erstaunliche Unversehrtheit der Mumie sein.

Lebende Hefen in der Mumie

Ein Forschungsteam um Mohamed Sarhan vom Bozener Institut für Mumienforschung entdeckte in Ötzis Gewebe Hefestämme, deren DNA modern ist. Das bedeutet, dass sie sich in jüngerer Zeit vermehrt haben müssen. Die Ergebnisse wurden im Fachjournal „Microbiome“ veröffentlicht. „Diese Hefen haben Ötzi sozusagen auf seiner langen Reise durch die Jahrtausende begleitet“, erklärte Institutsdirektor Frank Maixner. Die Mumie sei kein statisches Relikt, sondern ein dynamisches biologisches System.

Fund und Konservierung

Ötzi wurde 1991 in den Ötztaler Alpen an der Grenze zwischen Österreich und Italien entdeckt. Seitdem wird er im Südtiroler Archäologiemuseum in Bozen in einer speziellen Kühlkammer bei minus sechs Grad Celsius und sehr hoher Luftfeuchtigkeit von 99 Prozent aufbewahrt. Die Konservierung stellte eine große Herausforderung dar: Der Anatom Othmar Gaber aus Innsbruck entwickelte ein Mehrschichtensystem, das die Mumie in sterile OP-Tücher wickelt, mit Eis umgibt und in Plastikfolie versiegelt – ähnlich den Bedingungen im Gletscher.

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Das Mikrobiom der Mumie

Das Team untersuchte das Mikrobiom der Mumie, also die Gesamtheit der sie besiedelnden Mikroorganismen, und verglich es mit Proben aus dem Gletschereis und dem Boden der Fundstelle. Dabei fanden sie Erbgutspuren von Bakterien aus Ötzis ursprünglicher Darmflora sowie in Haut- und Magenproben speziell an Kälte angepasste Hefen, die vermutlich aus der damaligen Gletscherumgebung stammen. Neben alter Hefe-DNA entdeckten die Forscher auch gut erhaltene, jüngere DNA, was darauf hindeutet, dass die Mikroorganismen noch immer aktiv sind.

Mögliche Gefahren und Nutzen

Die Forscher wollen nun klären, ob die Hefen Abkömmlinge alter Hefen sind, die sich über die Jahre vermehrten, oder ob sie nach dem Auftauen der Mumie wiederbelebt wurden. Eine Vermehrung könnte die Unversehrtheit der Mumie gefährden. Allerdings zeigte die Studie auch, dass drei der vier entdeckten Hefen genetisch in der Lage sind, den Wirkstoff Phenol abzubauen. Dieser wurde nach der Bergung eingesetzt, um Pilzbefall zu bekämpfen, und könnte den Hefen als Nahrung gedient haben. Die Konservierungsbedingungen sind heute sehr stabil, wie Museumsdirektorin Elisabeth Vallazza betont. Ein engmaschiges mikrobiologisches Monitoring soll Schäden verhindern.

Die Forscher sehen in den Erkenntnissen auch einen Nutzen für die Industrie: An Kälte angepasste Mikroorganismen könnten für energieeffiziente Prozesse wie die Fermentation bei niedrigen Temperaturen eingesetzt werden. Ötzi, der vor 35 Jahren von deutschen Wanderern auf dem 3200 Meter hohen Tisenjoch entdeckt wurde, bleibt somit nicht nur ein wertvolles archäologisches Objekt, sondern auch eine Quelle für wissenschaftliche Innovationen.

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