UN-Bericht: KI-Boom verursacht gigantischen Elektroschrott und Ressourcenverbrauch
UN-Bericht: KI-Boom verursacht massiven Elektroschrott

Die rasanten Fortschritte der Künstlichen Intelligenz (KI) faszinieren die Welt, doch ein neuer Bericht der Vereinten Nationen offenbart die Kehrseite des Booms: einen enormen ökologischen Fußabdruck. Experten warnen, dass der Ressourcenverbrauch durch KI-Anwendungen wie ChatGPT dramatisch steigt und bis 2030 zu jährlich 2,5 Millionen Tonnen Elektroschrott führen könnte – eine Menge, die dem Gewicht von fast 250 Eiffeltürmen entspricht.

Rasanter Anstieg der KI-Nutzung

Der Start von ChatGPT im Jahr 2022 löste eine technologische Schockwelle aus, so die Autoren des Berichts des UN-Instituts für Wasser, Umwelt und Gesundheit (UNU-INWEH). Innerhalb von fünf Tagen erreichte die Konversations-KI eine Million Nutzer – schneller als jede andere App zuvor. Bis Mitte 2025 nutzten bereits 700 Millionen Menschen weltweit ChatGPT, um wöchentlich 18 Milliarden Nachrichten zu versenden. KI ist in Sprachassistenten, Suchmaschinen, Empfehlungssystemen und Smartphones allgegenwärtig, doch nur 16 Prozent der Länder verfügen über spezialisierte Cloud-Rechenkapazitäten, wobei 90 Prozent dieser Kapazität auf die USA und China entfallen.

Ökologische Kosten im Verborgenen

Während die öffentliche Debatte oft um Risiken wie Voreingenommenheit, Datenschutz und Arbeitsmarktveränderungen kreist, bleibt der ökologische Fußabdruck der KI weitgehend unbeachtet. Der Bericht hebt hervor, dass jede Interaktion mit KI endliche Ressourcen wie Strom, Wasser und Land beansprucht. Allein ChatGPT verarbeitet schätzungsweise 2,5 Milliarden Prompts pro Tag, was bei einem konservativen Wert von 0,42 Wattstunden pro Prompt einem jährlichen Stromverbrauch von rund 383 Gigawattstunden entspricht. Hinzu kommen Wasser- und Flächenverbrauch, die mit der Integration von KI in Massenplattformen wie der Google-Suche drastisch steigen.

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Rechenzentren als Stromfresser

Rechenzentren, das Rückgrat der KI, verbrauchten 2025 schätzungsweise 448 Terawattstunden Strom – das wäre der elftgrößte Stromverbrauch eines Landes weltweit. Bis 2030 könnte sich dieser Bedarf auf 945 Terawattstunden verdoppeln. Der Wirtschaftsinformatiker Wolfgang Maaß vom Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) relativiert jedoch: Der Energieverbrauch von KI-Rechenzentren sei real, aber mit 1 bis 1,5 Prozent der globalen Treibhausgasemissionen nicht das dominierende Klimaproblem. Stahl und Zement verursachen zusammen über 15 Prozent, Landwirtschaft und Schwertransport jeweils mehr als 10 Prozent.

Effizienzgewinne versus Wachstum

Es gibt bemerkenswerte technische Effizienzgewinne, wie David Kappel von der Universität Bielefeld betont. Doch das rasante Wachstum der KI-Nutzung wiege diese Einsparungen bei Weitem auf. Viele Anbieter setzen auf erneuerbare Energien: Microsoft und Google nutzen in Irland und Schweden Windkraft, Meta in Dänemark und Norwegen Wasser- und Windkraft, Amazon im US-pazifischen Nordwesten Wasserkraft. In Deutschland müssen Rechenzentren ab 2027 bilanziell mit 100 Prozent erneuerbarem Strom betrieben werden, so Peter Radgen von der Universität Stuttgart.

Regionale Unterschiede und Asymmetrien

Der ökologische Fußabdruck variiert stark je nach Standort. In Brasilien liegt der CO2-Fußabdruck der Stromerzeugung 77 Prozent unter dem weltweiten Durchschnitt, doch der Wasser- und Land-Fußabdruck ist fast dreimal so groß. Der Bericht warnt davor, dass eine alleinige Fokussierung auf CO2-Emissionen zu Lasten anderer Ressourcen gehen kann. Jens Gröger vom Öko-Institut kritisiert, dass die Vorschläge des Berichts unverbindlich bleiben und die großen Tech-Unternehmen wie Amazon, Google, Meta und Microsoft nicht in die Verantwortung genommen werden.

Ungleiche Verhandlungsmacht

Ein weiteres Problem ist die Asymmetrie zwischen großen KI-Anbietern und kommunalen Behörden bei der Genehmigung von Rechenzentren. Während Konzerne über spezialisierte Verhandlungsteams verfügen, fehlt es Kommunen oft an Fachwissen, was zu einer Unterbewertung von Ressourcenknappheit führt. Regierungen sollten daher die KI-Infrastruktur in die Energieplanung, CO2-Bilanzierung, Wassermanagement und Landnutzungsgenehmigungen integrieren und eine standardisierte Erfassung des ökologischen Fußabdrucks einführen.

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