Erster menschlicher Roboter arbeitet im Baumarkt: Schotti zeigt, wo der Hammer hängt
Roboter Schotti arbeitet im Baumarkt

Klack-klack-klack! Mit diesem Geräusch kündigt sich Schotti an, bevor er mit seinen dünnen Beinchen zwischen den Regalen eines Baumarkts im bayerischen Pocking auftaucht. Die meisten Menschen bleiben zunächst ehrfürchtig stehen. Doch wenn er zu reden beginnt, ist das Eis sofort gebrochen. „Griaß de, i zoag da, wo’s lang geht“, sagt er auf Österreichisch. Denn Pocking bei Passau, wo der Roboter derzeit getestet wird, liegt nahe der österreichischen Grenze, und viele Kunden kommen von dort.

Ein Roboter mit Dialekt

„Wir wollten ihn eigentlich bairisch reden lassen, aber das gibt’s nicht als Sprachmodell für die KI des Roboters“, erklärt Florian Weichselbaumer (42), der mit seiner Firma Labland.ai Roboter trainiert und programmiert. Derzeit testet er das neueste Modell aus China, einen 80.000 Euro teuren Unitree G1 EDU U4. „Von denen gibt es derzeit in Europa nur zwei“, sagt Weichselbaumer. Schotti führt Kundin Ute Bautele (67) im Baumarkt zu den Blumenkübeln. Programmierer Sebastian Vesper (43) beobachtet den Test im Hintergrund.

Kundenreaktionen und Einsatzbereich

„Isch such n Pflanzgefäß fier draußn“, verkündet Kundin Ute Bautele (67, Rentnerin) in hörbarem Sächsisch dem vermeintlich österreichischen Roboter. Der antwortet: „I zoag da, wo’s lang geht“, und stapft voran, bis er an das Regal mit den Blumentöpfen kommt. Kinder im Baumarkt haben keine Berührungsängste und machen Videos mit Schotti.

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Schotti soll zunächst keine Menschen ersetzen. Er ist bei weitem der billigste Mitarbeiter im Baumarkt. Wenn man die Anschaffungskosten und seine Laufzeit in Betracht zieht, läge der Stundenlohn laut Weichselbaumer bei rund 1,70 Euro. „Er ist aber nicht dazu da, seine menschlichen Kollegen zu ersetzen“, sagt „Sonderpreis-Baumarkt“-Betreiber Philip Schwetz (45). „Mitarbeiter könnten sich künftig mehr um die Warenwirtschaft, Regalpflege oder die Spezialthemen der Kunden kümmern.“

Herausforderungen bei Versicherung und Regulierung

Schotti könnte zwar völlig autonom durch den Baumarkt laufen – die Lage der Waren hat er im Speicher, Sensoren erkennen Hindernisse. Doch noch fehlen die nötigen Gesetze. Ein menschlicher Operator, der sich im Hintergrund hält, hat die Kontrolle über seine Steuerung. Weichselbaumer erklärt: „Es war schon schwer, allein einen Versicherer für Schotti zu finden. Die waren völlig überfordert. Aber das ist nur eine Frage der Zeit.“ Alle zwei Stunden muss der Roboter eine 30-minütige Pause einlegen, um seinen Akku wieder aufzuladen.

Deutsche sollen eigene Roboter bauen

Bisher seien die Chinesen mit ihren Robotern Deutschland weit voraus. Weichselbaumer wirbt dafür, dass deutsche Ingenieure künftig eigene humanoide Roboter herstellen: „Einige Teile in Schotti sind von der Augsburger Firma Kuka, deren Patente die Chinesen vor einigen Jahren aufgekauft haben. Das hat damals kaum einen hier interessiert.“ Schotti könnte auch als Security arbeiten – er zeigt seine Kung-Fu-Kicks. Seine drei eingebauten Gyroskope (Kreiselstabilisatoren) halten ihn in fast jeder Bewegung sicher auf den Beinen.

Als nächste Generation soll dann im Herbst der H2 durch den Baumarkt laufen. Eine Art silberner C-3PO wie aus Star Wars. 1,80 Meter groß, nicht so tolpatschig und mit der Kraft eines Kirmes-Boxers.

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