65 Jahre bemannte Raumfahrt: Russland verliert im Mondrennen gegen USA und China
Russland fällt im Mondrennen zurück - 65 Jahre Raumfahrt

65 Jahre nach Gagarins historischem Flug: Russlands Raumfahrt in der Krise

Vor genau 65 Jahren schrieb Juri Gagarin Weltraumgeschichte: Am 12. April 1961 umkreiste der sowjetische Kosmonaut als erster Mensch die Erde. Seine 108-minütige Mission mit dem Raumschiff "Wostok" markierte den Beginn der bemannten Raumfahrt und begründete die sowjetische Vorreiterrolle im All. Heute, mehr als ein halbes Jahrhundert später, präsentiert sich die Situation für Russlands Raumfahrtprogramm deutlich weniger triumphal.

Mondrennen: USA und China ziehen davon

Während die NASA mit ihrer "Artemis 2"-Mission vier Astronauten weiter ins All geschickt hat als je zuvor Menschen vorgedrungen sind, kämpft Russland mit erheblichen Rückständen im internationalen Wettlauf zum Mond. Die erfolgreiche Mondumrundung der amerikanischen Crew wirft ein grelles Licht auf die wachsende Kluft zwischen den Raumfahrtnationen. Experten wie der russische Raumfahrtspezialist Georgi Trischkin sehen Russland im Mondprogramm deutlich hinter den USA und China zurück.

"Die USA planen bereits für 2028 eine bemannte Mondlandung, während Russland nicht einmal seine eigenen Zeitpläne für unbemannte Mondsonden einhalten kann", konstatiert Trischkin. Seine Analyse für die Carnegie-Denkfabrik zeichnet ein düsteres Bild: Die russische Raumfahrtindustrie befinde sich in einer Stagnationsphase mit Personalüberhang, untragbaren Schulden bei Schlüsselunternehmen und chronischer Unterfinanzierung.

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Rückschläge und strukturelle Probleme

Die jüngsten Rückschläge unterstreichen die Krise: Im August 2023 zerschellte die russische Sonde "Luna-25" an der Mondoberfläche - ein teures Scheitern der ersten unbemannten Mondmission seit 1976. Ironischerweise hatte zuvor sogar Indien erfolgreich eine Sonde auf dem Mond platziert. Roskosmos, die russische Raumfahrtbehörde, muss Expeditionen immer wieder verschieben.

Die Gründe für den Niedergang sind vielfältig: Erhebliche finanzielle Mittel fließen in den Angriffskrieg gegen die Ukraine, während gleichzeitig westliche Sanktionen die technologische Entwicklung behindern. Dabei hatte Russland in der Vergangenheit unter ähnlich schwierigen Bedingungen Großes geleistet - vom "Sputnik"-Schock 1957 bis zur jahrzehntelangen Dominanz in der bemannten Raumfahrt.

Kooperation mit China als Ausweg?

In dieser Situation sucht Moskau nach neuen Partnern. Naheliegend erscheint eine vertiefte Zusammenarbeit mit China, das sein Mondprogramm mit bemerkenswerter Geschwindigkeit vorantreibt. 2025 unterzeichneten beide Länder eine Absichtserklärung für den gemeinsamen Bau eines Mondkraftwerks bis 2036.

China selbst verfolgt ambitionierte Ziele: Nach der historischen "Chang'e 6"-Mission, die erstmals Proben von der Mondrückseite zur Erde brachte, plant Peking mit "Chang'e 7" die Erkundung des lunaren Südpols. Bis 2030 will China Menschen auf den Mond bringen und eine Forschungsbasis errichten.

Kosmonaut Alexej Subrizki sieht in den Erfolgen anderer Raumfahrtnationen durchaus Ansporn: "Solche Errungenschaften unserer Partner zwingen uns, uns selbst in diese Richtung zu bewegen und womöglich sogar die Schritte zu beschleunigen", erklärt er vorsichtig optimistisch.

Atomkraft für den Mond und Zukunftsperspektiven

Bei der aktuellen "Woche der Raumfahrt" in Moskau präsentierte der Atomkonzern Rosatom Pläne für kleine atomare Reaktoren, die mindestens zehn Jahre autonom auf dem Mond operieren könnten. Auch atomare Raketenantriebe werden erwogen. Roskosmos-Chef Dmitri Bakanow träumt sogar von Mondmissionen als Sprungbrett zum Mars.

Experte Trischkin bleibt jedoch skeptisch: Russland habe den Anschluss verpasst und könne allenfalls noch technische Nischenlösungen für künftige Mondstationen beisteuern. Die einstige Raumfahrt-Supermacht muss sich damit abfinden, im Schatten der neuen Führungsnationen USA und China zu agieren - eine bittere Erkenntnis zum 65. Jahrestag von Gagarins epochalem Flug.

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