Das Münchener Start-up Isar Aerospace steht kurz vor dem zweiten Start seiner Rakete „Spectrum“. Wie das Handelsblatt aus Branchenkreisen erfuhr, könnte der Start bereits am kommenden Montag erfolgen. Das Unternehmen bestätigte ein geplantes Startfenster zwischen dem 15. und 21. Juni.
Finanzierungsrunde abgeschlossen
Parallel zur Startvorbereitung hat Isar Aerospace eine Finanzierungsrunde abgeschlossen. Dabei sicherte sich das Unternehmen bis zu 250 Millionen Euro und wird nun mit zwei Milliarden Euro bewertet. Seit seiner Gründung im Jahr 2018 hat das Start-up insgesamt mehr als 600 Millionen Euro eingesammelt. Das Kapital wird vor allem für den Aufbau einer Fabrik in Parsdorf bei München verwendet, wo Raketen in Serie produziert werden sollen. Die offizielle Eröffnung steht unmittelbar bevor.
Schwierige Investorensuche trotz Hype
Obwohl das Marktumfeld als günstig gilt, verlief die Finanzierungsrunde nach Informationen des Handelsblattes schwierig. Zwei Insider berichten, dass die Kapitalmärkte derzeit stark auf SpaceX fokussiert sind. Das Unternehmen von Elon Musk, das mit 1,8 Milliarden Dollar bewertet wird, plant einen Börsengang. Für europäische Raumfahrtfirmen ist es jedoch nicht leicht, große Summen an Risikokapital zu erhalten, da es an passenden Fonds mangelt. Der Hauptinvestor von Isar Aerospace stammt aus den USA, sein Name bleibt geheim.
Aus Branchenkreisen heißt es zudem, dass Risikokapitalgeber derzeit gezielt in Verteidigungsunternehmen investieren. So sammelte der deutsche Drohnenhersteller Helsing vor wenigen Wochen etwa eine Milliarde Euro ein. Auch die technischen Risiken bei Raketenstarts schrecken Geldgeber ab. Vor rund zwei Wochen explodierte die New-Glenn-Rakete von Blue Origin, was zu starken Kursverlusten bei Raumfahrtaktien führte.
Vierter Versuch in Norwegen
Der Erstflug der Spectrum fand vor 15 Monaten statt. Damals verließ die Rakete die Startrampe im norwegischen Andoya, was als Erfolg gewertet wurde. Nach 30 Sekunden verlor sie jedoch die Kontrolle und musste aus Sicherheitsgründen gesprengt werden. Seitdem unternahm Isar Aerospace drei weitere Versuche, die Spectrum 2 in den Orbit zu bringen, die jedoch alle scheiterten. Zweimal waren technische Probleme die Ursache, einmal fuhr ein Fischerboot in die maritime Sicherheitszone, was zu einer Verzögerung und Überhitzung des Treibstoffs führte.
Das Unternehmen will keinen genauen Starttermin für den nächsten Versuch nennen, verweist aber auf eine Sperrung des Luftraums und des maritimen Umfelds vom 15. bis 21. Juni, die von Andoya Space veröffentlicht wurde. Der genaue Termin hängt auch vom Wetter ab. Laut Vorhersagen von sieben Wetterdiensten soll der Wind am Montag um 8 Uhr morgens am günstigsten sein, allerdings ist der Wind in größeren Höhen schwer zu prognostizieren.
Kooperationen in Norwegen und Kanada
Norwegen ist für Isar Aerospace nicht nur wegen des Startplatzes wichtig. Vor wenigen Wochen besuchten hochrangige Politiker wie Kanzler Friedrich Merz, Verteidigungsminister Boris Pistorius und der norwegische Ministerpräsident Jonas Gahr Store die Rampe. Das Unternehmen ist zudem strategischer Partner des norwegischen Rüstungs- und Raumfahrtkonzerns Kongsberg Defence & Aerospace.
Isar Aerospace erweitert nun sein Geschäft. Vor wenigen Tagen unterzeichnete das Start-up ein Abkommen mit dem kanadischen Unternehmen Maritime Launch, das in Neuschottland einen Startplatz errichtet. Bereits zuvor hatten Isar und der deutsche Marineschiffbauer TKMS eine Kooperation in Kanada verkündet. Isar Aerospace wird eine Gesellschaft in Kanada gründen, die mit lokalen kleinen und mittleren Unternehmen zusammenarbeitet, um eine eigenständige kanadische Satellitenstartkapazität aufzubauen. Diese Kooperationen sind Teil der intensiveren Zusammenarbeit zwischen Deutschland und Kanada im Verteidigungsbereich. Pistorius reiste im Mai nach Ottawa, um den Verkauf deutscher U-Boote von TKMS zu sichern. Einen Monat zuvor schlossen beide Länder eine Digitalallianz, und der kanadische KI-Anbieter Cohere übernahm das deutsche Start-up Aleph Alpha.



