Der Berliner Investor Merantix Capital erweitert sein Geschäftsmodell und hat einen neuen Fonds über 103 Millionen Euro aufgelegt. Erstmals seit der Gründung vor zehn Jahren wird das Unternehmen damit auch direkt in KI-Start-ups investieren, die nicht aus der eigenen Start-up-Schmiede stammen. Bisher konzentrierte sich Merantix Capital ausschließlich auf die im eigenen Haus gegründeten Jungfirmen.
Neuer Fonds für europäische KI-Start-ups
Der Fonds ist mit 103 Millionen Euro deutlich größer als der erste, der rund 30 Millionen Euro umfasste. Fondspartner Rasmus Rothe, der Merantix Capital 2016 zusammen mit Adrian Locher gründete, erklärt: „Mit dem neuen Fonds erweitern wir unser Geschäftsmodell. Jetzt können wir auch investieren, wenn schon gegründet wurde.“ Die Hälfte der Fondssumme soll in die eigene Start-up-Schmiede fließen, der Rest in KI-Start-ups in Europa kurz nach der Gründung. Pro Investment stehen zwischen einer Million und drei Millionen Euro zur Verfügung.
Globale Ambitionen und Investoren
Rothe betont den globalen Anspruch der Unternehmen: „Wir wollen das Thema KI-Transformation vorantreiben. Wir sind da immer noch ganz am Anfang, auch wenn man das Gefühl hat, dass es gar nicht mehr verrückter werden kann.“ Die Geldgeber für den neuen Fonds kommen aus den USA und Deutschland, darunter Union Investment, Jungheinrich, KPMG Germany sowie die US-Stiftungen Robert Wood Johnson Foundation und W.K. Kellogg Foundation. Staatliche Geldgeber wie die KfW oder Pensionskassen sind nicht beteiligt.
Erste Investments und Netzwerk
Erste Investments hat Merantix Capital bereits getätigt, unter anderem am Osnabrücker Start-up Droidrun, das KI-Agenten für Smartphones entwickelt, und am Schweizer Start-up Arqh, das komplexe Logistikprobleme mit KI lösen will. Adrian Locher sieht den Vorteil von Merantix in der ganzheitlichen Perspektive: „Wir bringen nicht nur Kapital, sondern unser Netzwerk und unsere Talente.“ Ziel sei es, der deutschen Wirtschaft zu helfen, sich schneller zu transformieren. Deutschland dürfte die Führungsrolle in der Industrie nicht abgeben, nur weil eine neue Technologie kommt.
Zur Merantix-Familie gehören auch der KI-Campus in Berlin mit über 80 ansässigen Unternehmen, der London AI Hub, das AI House in Davos sowie Merantix Momentum, ein Anbieter von KI-Lösungen. Nicole Büttner, ehemalige FDP-Generalsekretärin, wechselt als Investorin zu Merantix Capital.



