Riesen-Rechenzentrum in Freyenstein: Anwohner wehren sich
Rechenzentrum in Freyenstein: Anwohner protestieren

In der 800-Seelen-Gemeinde Freyenstein im Landkreis Ostprignitz-Ruppin regt sich Widerstand gegen Pläne für einen großen Rechenzentrumscampus. Zwei Firmen, die NOYA-Generalplanung und Projektmanagement GmbH aus Frankfurt am Main und Serban DC aus München, planen auf einer Fläche von 144 Hektar eines der größten Rechenzentren Europas. Die Bürgerinitiative befürchtet eine Zerstörung ihrer Heimat.

Geplante Dimensionen des Rechenzentrums

Das Vorhaben sieht bis zu 20 Gebäude mit einer Höhe von jeweils etwa 27 Metern vor. Rund 60 Hektar der Gesamtfläche sollen bebaut werden, eine Pufferzone von einem Kilometer zum Ort ist vorgesehen. Die Entwickler versprechen bis zu 1200 Arbeitsplätze und ein Investitionsvolumen von rund 25 Milliarden Euro. Der Standort wurde wegen der verfügbaren Flächen und der nahen 380-Kilovolt-Leitung gewählt.

Stromversorgung noch ungeklärt

Die Stromversorgung ist jedoch offen. Vorgespräche mit dem Netzbetreiber 50 Hertz deuten auf freie Kapazitäten hin, aber konkrete Gespräche stehen noch aus. Ein ähnliches Projekt im „Temnitzpark 2.0“ bei Neuruppin scheiterte bereits am fehlenden Stromanschluss.

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Sorgen der Anwohner

Stefan Finke, Sprecher der Bürgerinitiative, sagt: „Wir befürchten, dass wir unsere Heimat nicht wiedererkennen.“ Der Ort sei bereits von Windrädern, einer Biogasanlage und Photovoltaikflächen umgeben. Die Anwohner kritisieren die Flächenversiegelung, Lärm, Dreck und die Überlastung der maroden Straße. Auch die Wasserversorgung wird infrage gestellt, da ein Brunnen bereits jetzt kaum Wasser liefert.

Kühlung und Abwärme

Die Entwickler betonen, dass moderne Rechenzentren mit Luftkühlung oder Liquid-Cooling arbeiten und keinen hohen Wasserbedarf haben. Die Abwärme könne für die Wärmeversorgung umliegender Orte genutzt werden. Die Anwohner sind skeptisch und halten das Projekt für überdimensioniert.

Reaktion der Stadt Wittstock/Dosse

Die Stadt Wittstock/Dosse, zu der Freyenstein gehört, sieht Chancen für die Region: „Die Aussicht auf Investitionen und Arbeitsplätze sowie die damit verbundenen finanziellen, wirtschaftlichen und demografischen Verbesserungen wären für uns als Kleinstadt im ländlichen Raum natürlich sehr interessant.“ Man werde Nachteile möglichst verhindern.

Weiteres Vorgehen

Die Entwickler wollen das Vorhaben weiterverfolgen. Ein Bebauungsplanverfahren ist nötig, bei dem die Öffentlichkeit erneut beteiligt wird. Bei planmäßigem Verlauf könnten Ende 2029 oder Anfang 2030 die ersten Bauarbeiten starten. Die Bürgerinitiative kündigt an, weiter zu mobilisieren und den Bau zu verhindern. Eine Online-Petition hat bereits rund 1200 Unterschriften gesammelt.

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