Deutschland soll beim Ausbau von Glasfaser- und Mobilfunknetzen deutlich schneller vorankommen. Bislang bremsen langwierige Genehmigungsverfahren, komplizierte Vorgaben und fehlende Infrastruktur viele Projekte aus. Nun wollen Politik und die Telekommunikationsbranche gemeinsam gegensteuern. Das Ziel ist es, den Ausbau zu beschleunigen, Investitionen zu sichern und digitale Netze schneller verfügbar zu machen.
Milliarden für den Netzausbau
Bei einem Treffen im Bundesministerium für Digitales und Staatsmodernisierung (BMDS) unterzeichneten Vertreter von Bund, Ländern, Kommunen und führenden Netzbetreibern ein Memorandum of Understanding (MoU) mit dem Titel „Das beste Netz für Deutschland“. Das gemeinsame Ziel: schnellerer Ausbau, weniger Bürokratie und verlässliche Rahmenbedingungen für Investitionen.
Für 2026 kündigt die Telekommunikationsbranche Investitionen in Rekordhöhe an. Rund 8,5 Milliarden Euro sollen in den Glasfaserausbau fließen, weitere 2,4 Milliarden Euro in die Mobilfunknetze. Noch in diesem Jahr sollen 3,2 Millionen direkt nutzbare Glasfaseranschlüsse („Homes Connected“) und 2,5 Millionen vorbereitete Anschlüsse („Homes Passed“) entstehen.
Mehr Wettbewerb und Kontrolle
Der Pakt stärkt zudem die Rolle der Bundesnetzagentur. Kommunen können künftig Hinweise melden, wenn Zweifel an der Zuverlässigkeit oder Fachkunde einzelner Unternehmen bestehen. Die Behörde prüft diese Fälle und kann weitere Maßnahmen einleiten. So sollen Ausbauprojekte zügig und fachgerecht umgesetzt werden.
Ein weiterer Schwerpunkt ist Open Access. Anbieter sollen ihre Infrastruktur stärker gemeinsam nutzen. Dadurch können mehrere Unternehmen Dienste über dieselben Netze anbieten. Das soll den Wettbewerb fördern, neue Glasfasernetze besser auslasten und Investitionsrisiken senken. Länder und Kommunen wollen im Gegenzug Genehmigungen schneller und digital bearbeiten.
Branche fordert weniger Bürokratie
Die Verbände begrüßen die Vereinbarung. Bitkom-Präsident Ralf Wintergerst bezeichnet das Papier als wichtigen Fahrplan für den Netzausbau. Als größte Hindernisse nennt er langwierige Genehmigungen und die schwierige Suche nach Standorten für Mobilfunkmasten.
Auch ANGA, BREKO, 1&1 Versatel, VATM und Vodafone unterstützen die Ziele des Memorandums. Sie fordern schnellere Verfahren, digitale Genehmigungen, weniger Doppelstrukturen und einen diskriminierungsfreien Zugang zu bestehender Infrastruktur. Nach Ansicht der Unternehmen kann Deutschland nur mit einfacheren und schnelleren Prozessen zur Spitzengruppe bei der digitalen Infrastruktur aufschließen.
Der Pakt soll den Ausbau von Glasfaser und Mobilfunk in Deutschland deutlich beschleunigen. Mit den geplanten Investitionen und Maßnahmen zur Bürokratieentlastung hoffen Politik und Branche, die digitale Infrastruktur des Landes zukunftsfähig zu machen. Die Umsetzung wird nun in den kommenden Monaten konkretisiert.



