Vier Szenarien für Europas KI-Zukunft: Das schlechteste ist nicht unrealistisch
Vier Szenarien für Europas KI-Zukunft

Morning Briefing: Vier Szenarien für Europas Zukunft – das schlechteste ist nicht unrealistisch

Guten Morgen liebe Leserinnen und Leser,

Wer in Europa Künstliche Intelligenz voranbringt, schafft, woran wir als Land derzeit zu oft scheitern: die kritischen Dinge klar beim Namen zu nennen – und Zukunft trotzdem als Zuversichtsraum zu betrachten, nicht als Dystopie. Das jedenfalls ist mein Eindruck an jenem Ort, von dem aus ich Ihnen dieses Morning Briefing schreibe: Heilbronn.

Hier treffen sich noch bis morgen Vordenkerinnen und Unternehmer aus Europas Wirtschaft, Gründerszene und KI-Forschung zur Tech by Handelsblatt – um auszuloten, wie der Anschluss Europas an die KI-Supermächte USA und China nicht unwiderruflich verloren geht. Das Leitmotiv der Konferenz, in Großbuchstaben über der Theresienwiese schwebend: „We believe in Europe – Do you?“

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Europa ist zu langsam. Oder, wie es Schwarz-Digits-Chef Rolf Schumann ausdrückt: „Wir haben das Wissen um die Bedeutung von KI im Kopf, kommen aber nicht in die Umsetzung.“

Europa läuft Gefahr, einem falschen Narrativ zu verfallen. Und das geht so: Die USA und China haben bei der Entwicklung der großen Sprachmodelle gewonnen, in der nächsten Runde aber komme es auf deren Integration in industrielle Prozesse an – und da führe Europa. Teamviewer-Chef Oliver Steil hält dagegen: „China hat auch Daten und Prozesse. Wir müssen aufpassen, dass wir nicht auf ein Thema springen und denken, wir sind da großartig, und jemand anderes hat es schon besetzt.“

Alles ist möglich. Bislang meine Lieblingserkenntnis: Obwohl das Klagen über Tempo und Kapitalausstattung groß ist, herrscht ausgesprochener Tatendrang.

Vier Szenarien für Europas Zukunft

Die dänische Zukunftsforscherin Sofie Hvitved skizzierte in Heilbronn vier Szenarien für Europa:

  • Das „Echo des Westens“: transatlantisch vernetzt, aber zu fragmentiert – quasi eine Datenkolonie der USA.
  • Ein integriertes „Eurovision plus“-Europa: das intern zusammenwächst, aber abhängig bleibt.
  • Strategische Autonomie: nicht aus freier Wahl, sondern als Reaktion auf eine unzuverlässig gewordene Welt.
  • Zerfall in Partikularinteressen: das schlechteste Szenario, das nicht unrealistisch ist.

Ihr Fazit: Europa muss sich entscheiden, ob es gestalten oder gestaltet werden will. Die Zeit drängt.

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