Die Konkurrenz war einst überschaubar: Pianisten, andere Instrumentalisten, vielleicht noch kleine Ensembles. Doch heute sieht sich die Musikerin Johanna Summer einer ganz anderen Herausforderung gegenüber: einer Flut von künstlich generierter Musik, die die Streamingplattformen nahezu unbemerkt von den Nutzern überschwemmt. Marktführer Spotify treibt diese Entwicklung maßgeblich voran. Summer und ihr Label wollen dem etwas entgegensetzen.
Vom Piano zur KI: Ein neuer Kampf
Früher kämpfte Johanna Summer um Aufmerksamkeit in der Welt der akustischen Klänge. Heute muss sie sich gegen sogenannte „AI Slop“ behaupten – eine abwertende Bezeichnung für massenhaft produzierte, oft qualitativ minderwertige KI-Musik. Diese Stücke werden von Algorithmen generiert und oft unter falschen Künstlernamen veröffentlicht, um die Playlisten zu füllen. Für die Pianistin ist das eine existenzielle Bedrohung.
Die Strategie von Spotify
Spotify hat in den vergangenen Jahren verstärkt auf KI-gestützte Inhalte gesetzt. Das Unternehmen füllt damit eigene Playlisten wie „Ambient Relaxation“ oder „Peaceful Piano“ und senkt so die Lizenzkosten. Für Künstler wie Johanna Summer bedeutet das weniger Sichtbarkeit und geringere Einnahmen. „Für das, was ich mache, gibt es keine Playlisten, und das ist sehr schade“, sagt sie. Die Konkurrenz durch KI ist unfair, denn die Maschinen brauchen keine Gagen, keine Tourneen und keine Pausen.
Label ergreift Maßnahmen
Summers Label, ACT, hat nun eine Initiative gestartet, um die Qualität und Authentizität von Musik zu schützen. Geplant sind unter anderem spezielle Kennzeichnungen für menschlich geschaffene Werke sowie eine enge Zusammenarbeit mit Streamingdiensten, um transparente Richtlinien für KI-generierte Inhalte zu etablieren. „Wir wollen nicht gegen Technologie kämpfen, sondern für die Wertschätzung echter Kunst“, erklärt ein Label-Sprecher.
Die unsichtbare Flut
Viele Nutzer bemerken gar nicht, dass sie KI-Musik hören. Die Stücke klingen oft täuschend echt, sind aber in wenigen Minuten von Algorithmen komponiert. Schätzungen zufolge machen KI-generierte Tracks bereits einen zweistelligen Prozentanteil aller neuen Veröffentlichungen auf Streamingplattformen aus. Für die Musikindustrie ist das ein zweischneidiges Schwert: Einerseits sinken die Produktionskosten, andererseits leidet die künstlerische Vielfalt.
Was bedeutet das für die Zukunft?
Die Entwicklung stellt die gesamte Branche vor Herausforderungen. Künstler fordern mehr Transparenz und eine faire Vergütung. Johanna Summer setzt auf Qualität und die direkte Verbindung zu ihrem Publikum. „Ich glaube, dass echte Emotionen und handwerkliches Können nicht durch KI ersetzt werden können“, sagt sie. Doch der Kampf gegen die Maschinen hat gerade erst begonnen. Die Musikwelt beobachtet gespannt, ob Initiativen wie die von Summer und ACT Erfolg haben werden.



