Zero Motorcycles: Neuer CEO verlagert Firmenbereiche nach Europa
Zero Motorcycles verlagert Bereiche nach Europa

Die bisher reine US-Marke Zero Motorcycles wandelt sich zu einem EU/US-Anbieter und sieht ein enormes Wachstum für sich und elektrische Motorräder voraus. Pierre-Martin Bos, neuer CEO von Zero Motorcycles, hat wesentliche Firmenbereiche von den USA nach Europa verlagert. Für die 2006 gegründete Marke, die als Pionier des elektrischen Motorrads gilt, erwartet er ein goldenes Zeitalter. Stückzahlen und Umsatz will er binnen fünf Jahren um das Zehn- bis Fünfzehnfache steigern, sagte er im SP-X-Gespräch.

Entschlossener Schritt nach Europa

Bos (51) wirkt zurückhaltend und besonnen – doch wer eine Firma aus den USA nach Europa verlagert, während Nordamerika noch immer der größte Markt der Marke ist, zeigt Entschlossenheit. Mehr als zwei Jahrzehnte Erfahrung im Automobilbereich hat der Franzose in seinen neuen Job mitgebracht. Der nominelle Firmensitz von Zero Motorcycles bleibt zwar in Santa Cruz, Kalifornien. Doch die Bereiche Finanzen, Vertrieb und globales Marketing hat Bos in die Niederlande verlagert; sie residieren nun in Noord-Scharwoude, wo bislang nur die Europa-Zentrale angesiedelt war. Auch seinen eigenen Dienstsitz verlegte der CEO dorthin. Die sprunghafte US-Handelspolitik unter Trump hat ihn offenbar veranlasst, die US-Dominanz innerhalb der Firma frühzeitig zu beschneiden. Nach einem halben Jahr im Amt sieht Bos die Zeit reif für seine Zukunftsstrategie öffentlich zu erklären.

Vorreiterrolle bei E-Motorrädern

Zero gilt als einziger Hersteller, der seit seiner Gründung ausschließlich elektrische Zweiräder baut. Honda sei zwar unbestritten der weltweit größte Zweiradhersteller, komme aber vom Verbrenner – auch wenn der japanische Konzern mit dem WN7 inzwischen sein erstes Elektromotorrad für die Führerscheinklasse A2 anbiete. Diesen Vorsprung will Bos nutzen: Zero soll der elektrische Hecht im noch verbrennerdominierten Karpfenteich werden. Schon bald will er Zero zum Zweirad-Vollsortimenter ausbauen. Geplant ist ein Nakedbike in der 400-ccm-Klasse sowie längerfristig ein Großroller. Damit hätte Zero neben den leistungsstarken Straßenmodellen, den A1- und A2-Modellen, der leichteren X-Baureihe und den A1-Rollern das gesamte Segment abgedeckt.

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Wachstumsziele bis 2031

Bis 2031 erwartet Bos ein Wachstum um das Zehn- bis Fünfzehnfache. Aus den 2025 weltweit abgesetzten 2.500 Einheiten – 2.000 Hochleistungsmodelle und 500 X-Modelle – sollen mindestens 25.000, möglicherweise 35.000 werden. „Damit wäre Zero natürlich immer noch ein kleiner Hersteller, aber ein vielfach größerer als heute“, so Bos. Den Einstieg in die Rollerklasse markiert der bereits erhältliche LS1, der leistungsmäßig einem 125er Verbrenner entspricht und mit 5.185 Euro wettbewerbsfähig positioniert ist. Ein Scooter in der 400-ccm-Klasse soll folgen. „Davon erwarten wir große Stückzahlen, denn diese Klasse ist in Europa stark gefragt.“

Deutschland als zweitwichtigster Markt

Mit der Entwicklung in Deutschland zeigt sich Bos zufrieden. Nordamerika führe zwar die Verkaufsstatistik an, doch Deutschland sei mit geringem Abstand der zweitwichtigste Markt. Im deutschsprachigen Raum – Deutschland, Österreich und Schweiz – verkaufte Zero 2024 insgesamt 600 Einheiten. Frankreich, Italien und Spanien lägen trotz ihrer Bedeutung als traditionelle Zweiradmärkte im E-Segment klar dahinter.

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