Die Blockade der Straße von Hormus traf zunächst Asien: Die Unterbrechung des Transports von riesigen Mengen Rohöl und Flüssigerdgas versetzte die Hauptabnehmer in einen Schock. Der Engpass an Treibstoffen beschleunigte dort ebenso wie in anderen Regionen der Welt den Trend hin zur E-Mobilität.
China erreicht Rekord bei E-Auto-Exporten
Vor allem für China ist das spürbar. Im April erreichten die weltweiten Exporte chinesischer Elektrofahrzeuge laut einer Analyse des Thinktanks Ember einen Rekordwert von 9,4 Milliarden US-Dollar (rund 8,2 Milliarden Euro). Die Lieferungen in Länder wie Australien und Brasilien sowie in Regionen wie Südostasien und Ostafrika stiegen demnach sprunghaft an, wie die Auswertung unter Bezug auf chinesische Zolldaten zeigt.
Für den Mai meldete der chinesische Verband der Automobilhersteller den Export von rund 435.000 Elektro-Pkws und Hybridfahrzeugen. Das waren mehr als doppelt so viele wie im Vorjahr.
Asiatische Länder fördern E-Mobilität
In Asien sind die Importe chinesischer Elektrofahrzeuge zuletzt in Thailand, Laos und auf den Philippinen stark angestiegen. Laos verbot im Mai den Import von Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor für den Rest des Jahres, um die Kosten für Ölimporte zu senken und den Umstieg auf Elektromobilität zu fördern.
Gerade in vielen Regionen Asiens und Afrikas schlagen steigende Treibstoffpreise extrem zu Buche. Bei oft wenigen öffentlichen Verkehrsmitteln und langen Pendlerwegen machen Transportkosten einen großen Teil der Haushaltsausgaben aus. In Südafrika beispielsweise errechnete eine Studie der Stellenbosch-Universität von 2024 für die Provinz Westkap, dass fast ein Fünftel des Haushaltsbudgets auf den Verkehr entfiel.
Weltweiter Absatz von E-Autos steigt
Die Treibstoffkrise dürfte daher das Interesse an E-Fahrzeugen weiter anfeuern. Nach Prognosen der Internationalen Energieagentur (IEA) erreicht der weltweite Absatz von Elektroautos in diesem Jahr rund 23 Millionen. Das wären fast 30 Prozent aller weltweit verkauften Autos. Im vergangenen Jahr war es noch jedes vierte Neufahrzeug. Dabei lieferten chinesische Automobilhersteller laut IEA rund 60 Prozent der weltweit verkauften Elektroautos.
Ladeinfrastruktur als Hindernis
Ein Knackpunkt in vielen Ländern ist jedoch fehlende Ladeinfrastruktur. Thailand beispielsweise verfügt laut dem dortigen Branchenverband über rund 4600 öffentliche Ladestationen für mehr als 424.000 Elektrofahrzeuge und Plug-in-Hybride. Die Online-Reservierung für eine Ladestation sei ein Glücksspiel, sagt Yutthana Samranwong, der für einen Fahr- und Lieferdienst in der nordthailändischen Provinz Phitsanulok arbeitet. Das bereite ihm Kopfzerbrechen.
Von einem „klassischen Henne-Ei-Problem“ spricht Paul Gong, Forschungsleiter im Bereich Automobilindustrie bei der Schweizer Großbank UBS. Es sei unklar, was zuerst kommen müsse: eine ausreichend große Flotte oder die Lademöglichkeiten. „In dieser Phase könnte staatliche Unterstützung für die Infrastruktur dazu beitragen, die Anpassung zu beschleunigen“, betont er.
Staatliche Förderung in Malaysia und Indonesien
Ein Beispiel dafür ist Malaysia. Dort stieg die Zahl der öffentlichen Schnellladestationen laut IEA im Jahr 2025 um mehr als 70 Prozent. Vorausgegangen waren Steuererleichterungen für Betreiber von Ladestationen, die bestimmte Investitionskriterien erfüllen. In Indonesien wurden der IEA zufolge mehr als 4500 öffentliche Ladestationen vom staatlichen Energieversorger PLN eingerichtet.
Afrika hinkt hinterher
Auch afrikanische Länder setzen zunehmend auf staatliche Energieversorger beim Ausbau der Infrastruktur – auch in ihrem eigenen Zukunftsinteresse. „Die Energieversorger erkennen, dass die Elektromobilität zu einer bedeutenden Quelle des künftigen Strombedarfs werden wird“, erklärt Ndia Magadagela vom südafrikanischen Elektrofahrzeug-Leasingunternehmen Everlectric. Derzeit gibt es in ganz Afrika rund 2000 öffentliche Ladestationen, wobei Südafrika den größten Anteil daran hat.



