Apple plant eine grundlegende Erneuerung seiner Sprachassistentin Siri, um mit anderen KI-Diensten gleichzuziehen. Doch Nutzer in der Europäischen Union müssen vorerst auf die neuen Funktionen verzichten. Der Konzern macht die europäische Regulierung dafür verantwortlich und erhebt schwere Vorwürfe gegen Brüssel.
Frustration bei Apple über EU-Vorgaben
„Wir sind sehr frustriert“, sagte Softwarechef Craig Federighi nach der großen Keynote zur Entwicklerkonferenz WWDC in Cupertino. Streitpunkt sind die Forderungen der EU-Kommission, iPhones und iPads für KI-Assistenten anderer Anbieter zu öffnen. Hintergrund sind EU-Vorschriften gegen sogenannte Gatekeeper, die ihre eigenen Dienste bevorzugen. Apple soll daran gehindert werden, seine KI gegenüber der Konkurrenz zu privilegieren.
Der US-Konzern argumentiert, dass die EU-Vorgaben die Privatsphäre der Nutzer gefährden würden. Bereits in der Vergangenheit hatte Apple behauptet, dass europäische Regulierung dazu führe, dass neue Funktionen in Europa später ausgerollt würden. Kritiker werfen Apple vor, mit solchen Argumenten die strengere EU-Regulierung bei den Nutzern unbeliebt machen zu wollen.
Neue Siri-Funktionen im Detail
Bei der Vorführung der neuen Siri legte Apple großen Wert darauf, wie nahtlos sich die KI-gestützte Assistentin in den Alltag integriert. Auf der Bühne wurde gezeigt, wie die App Bilder aus dem letzten Familienurlaub heraussucht. Als Beispiel für eine Frage, die man der neuen Siri stellen kann, nannte Apple: „Wie hieß der Podcast, den mir meine Schwester neulich empfohlen hat?“
Um dies zu beantworten, muss die Software unter anderem die E-Mail oder Textnachricht kennen, in der der Name des Podcasts gefallen sein könnte, die Unterhaltung richtig verstehen und wissen, wer in den Kontakten die Schwester ist. Apples KI könnte hier den Vorteil ausspielen, dass diese Dienste aus einer Hand angeboten werden. Danach kann man Siri auch gleich bitten, den Podcast abzuspielen.
Wettrennen um KI-Dominanz
Apple ist im Wettrennen mit anderen KI-Anbietern wie OpenAI, Anthropic oder Google deutlich zurückgefallen. Um aufzuholen, will das Unternehmen den Vorteil nutzen, dass die eigene KI besser mit dem Betriebssystem und anderen Diensten eines iPhones zusammenarbeitet als die Dienste anderer Unternehmen. Gleichzeitig könnte Apple durch die Integration aller Dienste theoretisch dafür sorgen, dass KI-Funktionen vor allem auf dem Gerät ausgeführt werden und die Daten besser geschützt sind.
Der Streit mit der EU-Kommission dreht sich nun darum, wie viel Zugang Apple anderen KI-Diensten auf seinen Geräten bieten muss. Marketingchef Greg Jozwiak erklärte, Apple habe der Kommission die Risiken eines „wirklich uneingeschränkten“ Zugangs von KI-Assistenten anderer Anbieter zum gesamten Betriebssystem und allen Informationen erläutert. „Aber sie haben unsere Bedenken komplett zurückgewiesen.“
Apples Datenschutz-Argumente
Apple argumentiert, die neue KI-Siri sei so datenschutzfreundlich umgesetzt, dass der Konzern selbst keinen Zugriff auf die Informationen der Nutzer bekomme. Viele KI-Funktionen werden direkt auf dem Gerät ausgeführt. Für die Nutzung von Googles Gemini-Modellen etwa hat Apple einen besonders gesicherten Modus namens Private Cloud Compute eingeführt, der verhindert, dass Nutzerdaten nach außen dringen.
Der Apple-Vorschlag für andere Anbieter sieht vor, dass deren KI-Modelle nach einem ähnlichen Muster zwar Anfragen der Nutzer erfüllen, aber keine Daten abschöpfen können. Dieser Plan sei weiterhin auf dem Tisch. Apple hatte bereits im vergangenen Jahr einen konkreten technischen Lösungsvorschlag vorgelegt, den die Kommission jedoch abgelehnt habe, ohne sich damit auseinanderzusetzen.
Hintergrund: Dauerfehde mit EU-Regulierern
Apple befindet sich seit geraumer Zeit in einer Dauerfehde mit den EU-Regulierungsbehörden. Die Echtzeit-Dolmetscherfunktion für AirPods war in Deutschland etwa nur nach monatelanger Verzögerung erhältlich. Wegen des Streits um alternative App Stores verhängte die EU-Kommission im vergangenen Jahr sogar eine Strafe von 500 Millionen Euro gegen Apple.
Zwei Jahre nachdem sie erstmals gezeigt wurde, will Apple im KI-Rennen mit einer intelligenteren Sprachassistentin aufholen. Ob und wann die neuen Siri-Funktionen in Europa verfügbar sein werden, bleibt angesichts des anhaltenden Konflikts ungewiss.



