SSC-Libera Florien Reesink: Eine Karriere zwischen Olympia-Gänsehaut und Nadals Magie
Im strahlenden Weiß des SSC-Trikots steht Florien Reesink als defensive Schlüsselfigur. Die 27-jährige Libera, aktuell die Nummer 3 des SSC Schwerin, ist stets in Lauerstellung, bereit, jeden harten Schmetterball der Gegnerinnen abzuwehren. Auch in den aktuellen Playoffs zeigt sie ihre volle Leistungsstärke.
Volleyball als Familienerbe und frühe Spezialisierung
„Ich komme aus einer echten Volleyball-Familie“, erzählt Reesink. „Meine Eltern spielten, meine älteren Geschwister spielen, und mein Vater war etwa zehn Jahre lang Vorsitzender meines Heimatvereins Apollo 8 in Borne.“ Ihre Kindheit war vom Sport geprägt: Mit sechs Jahren begann sie mit Volleyball, turnte parallel und spielte leidenschaftlich Tennis. „In meinem Jahrgang gehörte ich zu den Besten, und bis heute gehe ich gerne auf den Platz.“ Mit 14 Jahren stand die Entscheidung an – sie wählte den Weg ins Volleyball-Internat in Paapendaal, der renommierten Talentschmiede der Niederlande.
Die Libera-Position: Eine bewusste Karrierewahl
Mit einer Körpergröße von 1,74 Metern war schnell klar, dass Florien Reesinks Zukunft im Profisport nur als Libera liegen konnte. Ausschließlich Defensivarbeit und kein eigenes Punktespiel mehr – konnte sie sich damit anfreunden? „Ich habe die Position in den Jugendnationalteams übernommen und es nie bereut“, erklärt sie. SSC-Coach Felix Koslowski, zugleich Nationaltrainer der Niederlande, ergänzt: „Wer heute nicht über 1,80 Meter groß ist, hat im Frauen-Volleyball kaum eine andere Möglichkeit.“
Höhepunkte: EM-Bronze und Olympia in Paris
Unter Koslowskis Führung erlebte Reesink ihre bisherigen Karriere-Höhepunkte. Bei der EM 2023 war sie seine erste Wahl in der Abwehr und gewann mit dem Team Bronze. „Unser klarer 3:0-Sieg über Italien im Spiel um Platz 3 bleibt unvergesslich“, schwärmt sie. Noch beeindruckender war die Teilnahme an den Olympischen Spielen in Paris 2024. Die Qualifikation beschreibt sie als emotionalen Höhepunkt: „Im entscheidenden Spiel gegen Kanada waren wir am Limit. Nach dem Sieg mussten wir noch mindestens einen Satz gegen Südkorea gewinnen. Als das geschafft war, gab es nur noch Glückshormone und pure Erleichterung.“
Unvergessliche Momente: Königliche Gänsehaut und ein Tennis-Star
Zwei besondere Erlebnisse prägten ihre Olympia-Erfahrung. Vor dem ersten Spiel gegen die Türkei, als die Nationalhymne erklang, sah sie die Olympischen Ringe auf dem Hallenboden und König Willem-Alexander im Publikum. „Ist das ein Traum oder passiert das gerade wirklich? Ich musste mich kneifen“, erinnert sie sich. Trotz einer 2:0-Satzführung endete das Spiel mit einer knappen 2:3-Niederlage.
Ein völlig anderer, aber ebenso magischer Moment war die Begegnung mit ihrem Vorbild Rafael Nadal im Olympischen Dorf. „Mein Vorbild Rafael Nadal lief mir über den Weg. Das war die Gelegenheit für ein Selfie“, erzählt Reesink. Nadals Ehrgeiz und unbeugsamer Wille haben sie stets beeindruckt.
Neue Heimat Schwerin und Meisterschaftsambitionen
Nach einer Saison beim Rivalen MTV Stuttgart wechselte Reesink zum SSC Schwerin. Der Umzug von der 600.000-Einwohner-Stadt Stuttgart nach Schwerin brachte Anpassungen mit sich. „In Stuttgart wird jungen Leuten schon mehr geboten“, gesteht sie. „Im Winter war es hier manchmal ein bisschen langweilig.“ Ihre Rettung: Bücher und ihre Schallplattensammlung. „Ich habe meinen Plattenspieler mitgebracht und höre zur Zeit am liebsten James Blunt.“ Letztes Jahr erlebte sie den britischen Star live in der Münchner Olympiahalle.
Mit dem SSC hat Reesink klare Ziele: „Ich finde, dass wir uns stetig verbessert haben“, sagt sie und zielt auf das Finale um die Deutsche Meisterschaft. Zur Vorbereitung nutzt sie eine Mischung aus Videostudium und Intuition. „Ich kenne die Bewegungsmuster genau, aber in der Spielsituation läuft alles automatisch ab.“
Ausblick: Playoffs und familiäre Unterstützung
Am 25. März 2026 steht das zweite Play-off-Viertelfinale in Aachen an. „Meine Eltern werden kommen, und ich hoffe sehr, dass sie unseren zweiten Sieg mit mir bejubeln dürfen“, sagt Reesink. Mit einem weiteren Erfolg könnte der SSC den Einzug ins Halbfinale perfekt machen.



