Alexander Zverev steht vor dem vielleicht wichtigsten Match seiner Karriere. Am Sonntag will der 29-jährige Deutsche bei den French Open in Paris seinen ersten Grand-Slam-Titel gewinnen. Doch im Weg steht ihm sein guter Freund Flavio Cobolli aus Italien. „Für mich ist er einfach ein netter Mensch. Er hat ein gutes Herz“, sagte Zverev über seinen Kontrahenten. Doch während des Final-Showdowns am Sonntag um 15.00 Uhr (live auf Eurosport und Nitro) wird die Freundschaft pausieren müssen. „Natürlich versucht man immer noch, den Gegner zu schlagen und zu gewinnen, aber das ist in Ordnung“, erklärte der Olympiasieger von 2021.
Historische Chance für Zverev
Zverev wäre der erste männliche Tennisprofi aus Deutschland, der seit Beginn der Profiära 1968 beim Sandplatz-Klassiker in Paris triumphiert. Der letzte Grand-Slam-Erfolg eines deutschen Mannes liegt 30 Jahre zurück: Boris Becker holte 1996 bei den Australian Open seinen sechsten und letzten Titel. Becker zeigt sich beeindruckt von Zverevs Leistungen, besonders von dessen mentaler Stärke. „Seit der Niederlage von Jannik Sinner redet jeder davon, dass Alexander Zverev nun der Favorit ist. Er geht damit hervorragend um, denn der Druck liegt bei ihm, egal, was er sagt“, so der Eurosport-Experte.
Starke Leistungen bis ins Finale
Den großen Titeldruck durch Sinners frühes Aus und das Fehlen des verletzten Titelverteidigers Carlos Alcaraz meisterte Zverev bislang tadellos. Sein Halbfinalsieg gegen den Tschechen Jakub Mensik mit 7:5, 6:2, 3:6, 6:3 geriet nie ernsthaft in Gefahr. Cobolli dürfte eine größere Herausforderung sein. „Er ist super talentiert, super jung, er verbessert sich immer wieder“, sagte Zverev über den 24-jährigen Italiener, den er in vier Duellen dreimal besiegen konnte. Dass Cobolli im Halbfinale kampflos weiterkam, weil sein Gegner Matteo Arnaldi krankheitsbedingt absagte, ändere für Zverev nichts. „Ich fühle mich gut, ich habe auch keine brutal langen Matches gehabt.“
Mentale Stärke als Schlüssel
Zverev bleibt seiner „Von-Match-zu-Match“-Mentalität treu. „Ich habe mich auf meine Sachen konzentriert, und das werde ich weiterhin tun. Das Einzige, worauf ich Einfluss habe, ist mein nächstes Match“, betonte er. Seine einzige Aufgabe sei der Gegner vor ihm, „und alles andere ist mir egal“. Becker lobt diese Strategie: „Er schottet sich ab, er hat seine Familie um sich und spielt vor allem hervorragendes Tennis – und zwar genau dann, wenn er es muss.“
Rückschläge der Vergangenheit
Doch die Vergangenheit war von bitteren Niederlagen geprägt. Zverev verlor alle drei bisherigen Grand-Slam-Finals: 2020 bei den US Open gegen Dominic Thiem, 2024 in Paris gegen Alcaraz und im Vorjahr bei den Australian Open gegen Sinner. Ein besonders schwerer Rückschlag war das Halbfinale 2022 in Roland Garros, als er gegen Rafael Nadal auf Augenhöhe spielte, dann umknickte und sich schwer am Fuß verletzte. Die Bilder, wie er im Rollstuhl vom Platz gefahren wurde, sind unvergessen.
Jetzt kann sich Zverev für all die Schmerzen, Rückschläge und Zweifel belohnen. Wenn er am Sonntag auf der Bank des Stadions Philippe Chatrier sitzt, kann er auf der gegenüberliegenden Tribünenseite den Schriftzug „victory belongs to the most tenacious“ lesen – der Sieg gehört dem Hartnäckigsten. Dieses Motto könnte auch Zverevs Leitfaden für das Finale sein.



