Selenskyj verleiht Skeleton-Fahrer nach Helm-Streit Orden und kritisiert IOC scharf
Selenskyj verleiht Orden nach Helm-Streit und kritisiert IOC

Ukrainischer Präsident ehrt Skeleton-Fahrer nach kontroverser Disqualifikation

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat dem Skeleton-Fahrer Wladyslaw Heraskewytsch die zweithöchste Auszeichnung des Landes, den Orden der Freiheit, verliehen. Diese Ehrung erfolgte unmittelbar nach der kontroversen Disqualifikation des Athleten von den olympischen Wettbewerben aufgrund eines Helm-Streits.

Helm als Gedenken an getötete Sportkollegen

Heraskewytsch wollte mit einem speziellen Helm an den Start gehen, auf dem Porträts von etwa 20 ukrainischen Athletinnen und Athleten zu sehen sind, die infolge des russischen Krieges gegen die Ukraine ums Leben gekommen sind. Der Sportler betonte, dass eine Medaille "wertlos im Vergleich zu Menschenleben und der Erinnerung an diese Athleten" sei. Sein Helm sei "eine Hommage an Athleten, und einige von ihnen waren Medaillengewinner bei den Olympischen Jugendspielen. Das bedeutet, sie gehören zur olympischen Familie", erklärte Heraskewytsch.

Selenskyjs scharfe Kritik am Internationalen Olympischen Komitee

In einer deutlichen Stellungnahme auf sozialen Netzwerken kritisierte Selenskyj die Entscheidung des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) scharf: "Leider spricht die Entscheidung des Internationalen Olympischen Komitees, den ukrainischen Skeleton-Fahrer Vladyslav Heraskevych zu disqualifizieren, eine andere Sprache." Der Präsident betonte, dass Olympia auf Gerechtigkeit und der Unterstützung von Frieden basieren sollte.

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"Sport bedeutet nicht Erinnerungslosigkeit, sondern die olympische Bewegung sollte den Krieg stoppen helfen und nicht dem Aggressor zuspielen", schrieb Selenskyj via Telegram. Er fügte hinzu: "Wir sind stolz auf Wladyslaw und seine Tat. Mut zu haben bedeutet mehr als der Gewinn von Medaillen."

Forderung nach Disqualifikation russischer Athleten

Der ukrainische Präsident wies darauf hin, dass derzeit "dreizehn Russen an den Olympischen Spielen teilnehmen" und unter neutraler Flagge antreten, obwohl sie "öffentlich die russische Aggression gegen die Ukraine und die Besetzung unserer Gebiete" unterstützen. "Genau sie verdienen die Disqualifikation", forderte Selenskyj entschieden.

Er betonte, dass Russland "ständig gegen die olympischen Prinzipien verstößt und die Zeit der Olympischen Spiele für Kriegszwecke nutzt".

Russland begrüßt IOC-Entscheidung

Im Gegensatz zur ukrainischen Position begrüßte Russland den Ausschluss des ukrainischen Skeleton-Piloten. Kremlsprecher Dmitri Peskow erklärte gegenüber der Sportzeitung "Sport-Express": "Sport sollte nicht politisiert werden." Diese Aussage steht im deutlichen Kontrast zu den ukrainischen Vorwürfen.

Eilverfahren beim Internationalen Sportgerichtshof

Heraskewytsch hat nach der IOC-Entscheidung beim Internationalen Sportgerichtshof (Cas) Einspruch gegen seinen Ausschluss eingelegt. Das Eilverfahren um den Ausschluss begann am Freitagmorgen in einem Hotel in Mailand. Der Protest richtet sich gegen die Entscheidung der Jury des zuständigen Weltverbands IBSF, ihn wegen seines Helms zu disqualifizieren.

Internationale Reaktionen und Unterstützung für Heraskewytsch

Der ukrainische Außenminister Andrij Sybiha äußerte sich bereits vor Selenskyjs Statement kritisch zum Ausschluss: "Das Internationale Olympische Komitee hat nicht den ukrainischen Athleten gesperrt, sondern seinen eigenen Ruf. Zukünftige Generationen werden dies als einen Moment der Schande in Erinnerung behalten", schrieb Sybiha auf der Plattform X.

Sybiha betonte, dass am Verhalten von Heraskewytsch nichts falsch gewesen sei: "Er wollte einfach nur an die im Krieg getöteten Mitathleten erinnern." Der Außenminister verwies auf die schwerwiegenden Folgen des Krieges für den ukrainischen Sport: Seit der russischen Invasion 2022 seien 650 ukrainische Sportler und Trainer getötet und 800 Sporteinrichtungen beschädigt worden.

"Es sind die Russen, die gesperrt werden müssen, nicht die Erinnerung an ihre Opfer", schloss Sybiha seine Stellungnahme.

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Unterstützung vom Nationalen Olympischen Komitee der Ukraine

Das Nationale Olympische Komitee der Ukraine gab dem eigenen Sportler Rückendeckung: "Heute startete Wladyslaw nicht, doch er war nicht allein – mit ihm ist und wird die gesamte Ukraine sein", schrieb das Komitee auf Facebook. Wenn ein Sportler für "Wahrheit, Ehre und Erinnerung" eintrete, dann sei das bereits der Sieg.

Emotionale Reaktion der IOC-Präsidentin

IOC-Präsidentin Kirsty Coventry räumte mit Tränen in den Augen das Scheitern des IOC im Helm-Streit ein: "Leider sind wir nicht zu einer Lösung gekommen. Ich wollte ihn wirklich heute im Rennen sehen. Es war ein emotionaler Morgen", sagte die Chefin des Internationalen Olympischen Komitees.

Coventry betonte, dass niemand die Botschaft ablehne: "Niemand, wirklich niemand, besonders ich nicht, widerspricht der Botschaft. Sie ist kraftvoll. Sie ist eine Botschaft des Gedenkens, eine Botschaft der Erinnerung, und niemand lehnt das ab." Die Herausforderung bestehe darin, eine Lösung speziell für die Wettkampfstätte zu finden.

IOC-Regelwerk und Alternativangebote

IOC-Sprecher Mark Adams erklärte, dass Coventry als frühere Vorsitzende der Athletenkommission viel Zeit in die Entwicklung des Regelwerks investiert habe. Nach Rückmeldung von rund 3500 Sportlerinnen und Sportlern sei der Regelrahmen für politische Äußerungen festgelegt worden. "Es geht nicht um die Botschaft, es geht um die Unantastbarkeit des Spielfelds", sagte Adams.

Das IOC hatte Heraskewytsch mehrere Alternativen angeboten:

  • Die Chance, in mehreren Trainingsläufen mit dem Helm zu fahren
  • Die Möglichkeit, ausnahmsweise einen schwarzen Trauerflor am Arm zu tragen
  • Die Erlaubnis, den Helm im Bereich für Medienvertreter zu zeigen und sein Anliegen zu erklären

"Nur für die eine Minute des Wettbewerbs hatten wir ihn gebeten, es nicht zu tun", erklärte Adams die Position des IOC.

Europa-Abgeordnete fordern Umdenken

Mehrere Europa-Abgeordnete positionieren sich gegen den Olympia-Ausschluss von Heraskewytsch. Rund 40 Abgeordnete des Europäischen Parlaments um Initiator Erik Marquardt (Grüne) schrieben in einem Brief an das Internationale Olympische Komitee: "Wir halten den Ausschluss von Wladyslaw Heraskewytsch und das Verbot des Helmes für falsch. Die Sanktionierung des Gedenkens birgt die Gefahr, selbst als politische Entscheidung wahrgenommen zu werden und damit den olympischen Gedanken zu untergraben."

Die Abgeordneten forderten das IOC dringend auf, diese Entscheidung zu überdenken.

Persönliche Reaktion des Sportlers

Heraskewytsch, der für die Skeleton-Rennen nicht zum Kreis der Topfavoriten gehörte, äußerte sich emotional zu der Entscheidung: "Es ist schwer, etwas zu sagen oder es in Worte zu fassen. Es ist Leere." Die Entscheidung sei ein riesiger Fehler. "Ich glaube, dass ich keine Regeln verletzt habe", beteuerte der ukrainische Athlet.

Der Fall hat internationale Aufmerksamkeit erregt und wirft grundsätzliche Fragen zum Verhältnis von Sport, Politik und Gedenken in Zeiten des Krieges auf.