Deutschland sagt Eröffnungsfeier der Paralympics ab: Protest gegen russische Teilnahme
In einer überraschenden Wendung hat der Deutsche Behindertensportverband (DBS) bekannt gegeben, dass deutsche Athleten und Offizielle nicht an der Eröffnungsfeier der Paralympics in Verona teilnehmen werden. Dieser Schritt erfolgt als deutlicher Protest gegen die Entscheidung des Internationalen Paralympischen Komitees (IPC), Sportler aus Russland und Belarus über Wildcards wieder zuzulassen.
Einmaliger Vorgang mit politischer Botschaft
Drei Tage vor Beginn der Paralympics vom 6. bis 15. März 2026 verkündete der DBS diesen bemerkenswerten Boykott. Damit schließt sich Deutschland einer Reihe von Nationen an, darunter die Ukraine, Litauen, Polen, die Niederlande und Tschechien, die ebenfalls ihre Ablehnung gegenüber der IPC-Entscheidung zum Ausdruck bringen. Besonders brisant: Im Gegensatz zu den Olympischen Spielen dürfen die russischen und belarussischen Athleten bei den Paralympics sogar unter ihrer eigenen Flagge antreten.
Der DBS begründet seine Entscheidung mit zwei zentralen Anliegen: Zum einen diene der Verzicht auf die Eröffnungsfeier der Konzentration auf die bevorstehenden Wettkämpfe. Zum anderen wolle man damit die solidarische Haltung gegenüber der ukrainischen Delegation respektvoll zum Ausdruck bringen. Viele deutsche Parasportler sind bereits im olympischen Dorf in Cortina d'Ampezzo eingezogen, um sich auf ihre Wettbewerbe vorzubereiten.
Rolle rückwärts des Verbandspräsidenten
Bis zuletzt hatte DBS-Präsident Hans-Jörg Michels einen Boykott der Eröffnungsfeier kategorisch abgelehnt. Noch gegenüber dem Sportinformationsdienst äußerte er die Meinung, dass solche Maßnahmen „im Grunde nichts bringen für den Sport“. Nun vollzog der Verband eine überraschende Kehrtwende.
In der offiziellen Mitteilung des DBS heißt es: „Paralympische Athletinnen und Athleten stehen für Mut, Entschlossenheit und die Bewältigung von Herausforderungen – und sie inspirieren Menschen weltweit. Gerade in herausfordernden Zeiten bleibt es unsere gemeinsame Aufgabe, die paralympischen Werte sichtbar zu leben und die Integrität des Sports entschlossen zu schützen.“
Diese Positionierung wird als spätes, aber deutliches Zeichen gewertet – insbesondere mit Blick auf die ukrainischen Sportler, die unter den Folgen des russischen Angriffskriegs besonders leiden. Der deutsche Boykott der Eröffnungsfeier markiert einen historischen Moment im internationalen Behindertensport und unterstreicht die politische Dimension sportlicher Großveranstaltungen in konfliktreichen Zeiten.



