Athleten Deutschland fordert Aufhebung der Sperre gegen Eisschnellläufer Petzold
Die Athletenvertretung Athleten Deutschland hat die sofortige Aufhebung des von der Deutschen Eisschnelllauf-Gemeinschaft (DESG) verhängten Startverbots für Olympiastarter Fridtjof Petzold gefordert. In einer ausführlichen Stellungnahme zu den Vorgängen im deutschen Eisschnelllauf, die anlässlich der Sitzung im Sportausschuss des Deutschen Bundestages am Mittwoch veröffentlicht wurde, übt der Verein scharfe Kritik an der DESG.
Kritik an DESG-Verhalten und Forderung nach Verfahrensbeendigung
Konkret verlangt Athleten Deutschland "die sofortige Aufhebung des Startverbots gegen Fridtjof Petzold sowie die Beendigung des gegen ihn geführten Disziplinarverfahrens". Geschäftsführer Johannes Herber führte dazu aus: "Athletinnen und Athleten müssen Kritik üben können, ohne dadurch ihre Kaderzugehörigkeit zu riskieren. Das Verhalten der DESG sendet das gegenteilige Signal - wer Probleme anspricht, wird eingeschüchtert und im Zweifel rausgeworfen."
Die DESG hatte das Verbot verhängt und Petzolds Status als Bundeskaderathlet ausgesetzt, nachdem dieser während der Olympischen Spiele öffentlich Kritik an der DESG bezüglich Athletenbetreuung und -förderung geäußert hatte. Diese Maßnahme löste eine Welle der Solidarität aus, die sich im Verzicht von Petzolds Teamkollegen Felix Maly auf die Mehrkampf-Weltmeisterschaften in Heerenveen manifestierte.
Solidaritätsaktion und Appell an Verbandsführung
Johannes Herber kommentierte den WM-Verzicht von Felix Maly mit den Worten: "Der solidarische WM-Verzicht von Felix Maly zeigt, was passiert, wenn das Verhalten eines Verbands und die Werte des Sports und der Athletinnen und Athleten derart auseinanderklaffen."
Athletenvertreter Hendrik Dombek appellierte direkt an die DESG unter Präsident Matthias Große, der Petzold bei einer Pressekonferenz am vergangenen Sonntag kritisiert und durch Berichterstattung der ARD transportierte Vorwürfe umfassend zurückgewiesen hatte. Dombek betonte: "Der Verband und seine Mitgliedsorganisationen sollten die gegenwärtige Situation als Chance für eine Veränderung der Kommunikationskultur und des Umgangs miteinander nutzen. Wir, Athletinnen und Athleten, sind bereit, unseren Beitrag zu leisten. Dafür braucht es ein Zeichen der DESG-Führung, dass eine kritisch-konstruktive Auseinandersetzung erwünscht und möglich ist."
Forderungen an Politik und DOSB zur Systemreform
Gleichzeitig nahm Athleten Deutschland auch die Politik und den Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) in die Pflicht. Johannes Herber erklärte dazu: "Wer mehr Medaillen fordert, muss dafür sorgen, dass die Integrität des Sports und die Rechte der Athletinnen und Athleten gewahrt werden. Beide sind grundlegende Voraussetzungen für die Leistungsfähigkeit des Systems."
Um dies zu gewährleisten, müsse die geplante Spitzensportagentur "in die Lage versetzt werden, Verbänden nicht nur leistungsbezogene, sondern auch integritätsbezogene Vorgaben zu machen". Ein entsprechendes Mandat müsse "im Sportfördergesetz verankert werden", forderte Herber abschließend und unterstrich damit die Dringlichkeit struktureller Reformen im deutschen Spitzensport.



