Emotionaler Triumph für van Aert bei der Hölle des Nordens
Mit einem bewegenden Sieg bei Paris-Roubaix hat Wout van Aert den größten Erfolg seiner Karriere gefeiert. Der belgische Klassiker-Spezialist setzte sich nach 258,3 anstrengenden Kilometern zwischen Compiègne und Roubaix im Sprint des Velodromes gegen den slowenischen Weltmeister Tadej Pogacar durch. Für van Aert war es ein emotionaler Moment, den er seinem 2018 während des Rennens verstorbenen Teamkollegen Michael Goolaerts widmete.
Pogacars Spaghetti-Beinen im entscheidenden Moment
Tadej Pogacar, der mit einem Sieg dem elitären Kreis um Radsportlegende Eddy Merckx hätte beitreten können, musste sich mit dem zweiten Platz begnügen. „Als ich zusammen mit Wout fuhr, war nicht mehr viel Frische in den Beinen. Ihn auf dem Kopfsteinpflaster abzuhängen, wäre eine Mission impossible gewesen“, gestand der enttäuschte Slowene nach dem Rennen. „Ich hatte noch Hoffnung auf den Sprint, aber meine Beine waren wie Spaghetti“, fügte er hinzu und beschrieb damit prägnant seinen körperlichen Zustand im Finale.
Der zehnmalige Tour-de-France-Etappensieger van Aert zeigte sich nach seinem Triumph sichtlich bewegt: „Das bedeutet mir alles. Vor acht Jahren habe ich in dem Rennen meinen Teamkollegen Michael Goolaerts verloren. Seitdem war es mein Ziel, hierherzukommen und den Finger in den Himmel zu strecken. Dieser Sieg ist für Michael, vor allem auch für seine Familie“.
Technische Probleme und verpasste Chancen
Die 123. Auflage von Paris-Roubaix entwickelte sich zu einem spektakulären Rennen voller Dramatik:
- Tadej Pogacar musste insgesamt drei Radwechsel bewältigen, darunter einen platten Vorderreifen etwa 120 Kilometer vor dem Ziel
- Mathieu van der Poel, der große Widersacher Pogacars, verpasste nach einem Defekt im berüchtigten Wald von Arenberg den Anschluss und wurde am Ende Vierter
- Wout van Aert überstand ebenfalls einen Radwechsel, ließ sich aber im Zweikampf mit Pogacar nicht abschütteln
- Bester Deutscher war der Kölner Nils Politt auf Platz neun
Pogacar hatte bereits im vergangenen Jahr bei seiner Roubaix-Premiere den zweiten Platz belegt und muss nun seinen Angriff auf den historischen Coup um ein weiteres Jahr verschieben. Mit einem Sieg bei der Königin der Klassiker hätte der Slowene bei allen fünf bedeutenden Eintagesrennen – den sogenannten Monumenten – mindestens einen Sieg gefeiert. Dies gelang bisher nur den drei belgischen Legenden Eddy Merckx, Roger De Vlaeminck und Rik Van Looy.
Ein Rennen für die Geschichtsbücher
Die Entscheidung fiel erst im Velodrome von Roubaix, wo Pogacar den Sprint einleitete, van Aert jedoch vorbeizog und schnell eine Lücke riss, die der Slowene nicht mehr schließen konnte. Mit kräftigem Rückenwind hatten die Profis von Beginn an ein zügiges Tempo vorgelegt, doch die 30 harten und unerbittlichen Kopfsteinpflaster-Sektoren forderten ihren Tribut.
Das erwartete Duell zwischen Pogacar und van der Poel fiel aufgrund des technischen Problems des Niederländers aus, während van Aert und Pogacar auf den Pflasterstein-Sektoren ein spannendes Duell ohne vorzeitigen Sieger lieferten. Am Ende triumphierte der Belgier und schrieb damit ein neues Kapitel in der langen Geschichte von Paris-Roubaix, einem Rennen, das immer wieder für unvergessliche Momente und emotionale Siege sorgt.



