Nordrhein-Westfalen gibt grünes Licht für Olympia-Bewerbung KölnRheinRuhr
Die Pläne für eine deutsche Olympia-Bewerbung erhalten einen kräftigen Schub aus dem bevölkerungsreichsten Bundesland. In Nordrhein-Westfalen hat eine deutliche Mehrheit der abstimmenden Bürger für das Projekt »KölnRheinRuhr« votiert, das die Olympischen und Paralympischen Spiele 2036, 2040 oder 2044 in die Region holen möchte. Damit folgt NRW dem Beispiel Münchens, das bereits im Herbst des Vorjahres eine klare Zustimmung signalisierte.
Überwältigende Zustimmung in fast allen beteiligten Städten
Laut Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU) sprachen sich in 16 der 17 teilnehmenden Städte rund zwei Drittel der Abstimmenden für eine Kandidatur aus. Insgesamt beteiligten sich etwa 1,4 Millionen Menschen an der ausschließlich per Briefwahl durchgeführten Abstimmung, was etwa einem Drittel der Wahlberechtigten entspricht. »Ich bin begeistert von diesen Ergebnissen«, erklärte Wüst noch während der laufenden Auszählung in Köln, die bis in die Nacht andauerte.
Die Abstimmung umfasste folgende 17 Städte:
- Aachen
- Bochum
- Dortmund
- Duisburg
- Düsseldorf
- Essen
- Gelsenkirchen
- Herten
- Köln
- Krefeld
- Leverkusen
- Mönchengladbach
- Monheim am Rhein
- Oberhausen
- Pulheim
- Recklinghausen
- Wuppertal
Herten verfehlt Quorum – Kiel stimmt für Segelstandort
Einzige Ausnahme bildete die Stadt Herten, wo zusammen mit Recklinghausen Mountainbike-Wettbewerbe geplant waren. Hier beteiligten sich nicht genügend Menschen an der Abstimmung, sodass die Stadt aus der NRW-Bewerbung ausscheidet. Allerdings sollen bereits Ausweichkonzepte mit alternativen Sportstätten bereitstehen.
Parallel zum NRW-Entscheid verkündete Kiel am selben Sonntag, dass 63,5 Prozent der Stimmberechtigten bei einem Bürgerentscheid für die Pläne der Stadt als Segelstandort einer möglichen deutschen Olympia-Bewerbung votierten. Otto Fricke, Vorstandschef des Deutschen Olympischen Sportbunds (DOSB), kommentierte beide Ergebnisse gegenüber dem WDR positiv: »Das ist für den Sport und für dieses Land insgesamt gut. Das ist genau diese Bewegung, die wir brauchen.«
Historische Bürgerbeteiligung und nachhaltiges Konzept
Ministerpräsident Wüst feierte die Abstimmung als Rekordereignis: »Das ist eine herausragende Zahl. Damit bricht diese Abstimmung gleich mehrere Rekorde: Es ist die größte direktdemokratische Beteiligung in der olympischen Geschichte und es ist zugleich die größte Bürgerbefragung in der Geschichte unseres Landes Nordrhein-Westfalen.«
Das NRW-Konzept setzt bewusst auf Nachhaltigkeit und will Neubauten weitgehend vermeiden. Stattdessen sollen vorhandene Sportstätten genutzt werden. In der »Leading City« Köln sind lediglich ein temporäres Leichtathletikstadion sowie das Athletendorf geplant. Wüst warb wiederholt für die »spektakulärsten, kompaktesten und nachhaltigsten Spiele« und versprach einen Zuschauerrekord mit 14 Millionen Tickets sowie große Kulissen wie Schwimmwettbewerbe auf Schalke oder Fußballspiele in Dortmund.
Deutschlandweiter Wettbewerb um Olympia-Ausrichtung
Die Zustimmung zur Bewerbung bedeutet noch keine endgültige Entscheidung für die Sommerspiele in NRW. Parallel bewerben sich auch München, Hamburg und Berlin um die Ausrichtung. Münchens Projekt hatte bereits im Herbst des Vorjahres eine deutliche Zweidrittelmehrheit von 66,4 Prozent bei einem Bürgerentscheid erzielt und setzte damit die Konkurrenz unter Druck.
»Die sind auch gut. Es ist auch gut, dass wir vier starke Bewerbungen in Deutschland haben«, kommentierte NRW-Ministerpräsident Wüst die Konkurrenzsituation gegenüber dem WDR. Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) bewertet alle Kandidaten mithilfe einer speziellen Matrix, in die auch die Ergebnisse der Bürgerentscheide einfließen, und wird am 26. September über den deutschen Bewerber entscheiden.
Bis Anfang Juni können alle Bewerberstädte ihre Konzepte noch nachbessern. Das Internationale Olympische Komitee (IOC) wird voraussichtlich frühestens 2027 eine Entscheidung über den Austragungsort für die Sommerspiele 2036 treffen. Als weitere Interessenten gelten derzeit Katar, Indien und Südafrika. Eine IOC-Arbeitsgruppe prüft derzeit eine erneute Reform des Vergabeverfahrens.
Die nächsten Olympischen Spiele finden 2028 in Los Angeles statt, 2032 ist Brisbane Gastgeber. Die deutsche Entscheidung im September wird somit richtungsweisend für die internationale Bewerbung sein.



