Formel-1-Rebellion: Top-Fahrer erheben scharfe Kritik an neuen Regeln
Die Formel 1 steht vor einer beispiellosen Rebellion ihrer größten Stars. Während der Testfahrten in Bahrain ließen gleich mehrere Weltmeister ihrer Frustration über die neuen Regularien freien Lauf, die ab dieser Saison gelten.
Verstappens vernichtendes Urteil: „Wie Formel E auf Steroiden“
Der amtierende Vierfach-Weltmeister Max Verstappen (28) zeigte sich besonders deutlich. „Es macht keinen Spaß mehr, zu fahren“, erklärte der Niederländer gegenüber Journalisten. „Es fühlt sich an wie Formel E auf Steroiden.“ Verstappen bezieht sich dabei auf die revolutionären Änderungen beim Antrieb, bei denen das Verhältnis von Elektro- und Verbrennungsmotor nun nahezu gleich ist.
Der RTL-Experte Christian Danner (67) erläuterte die technischen Konsequenzen: „Der Verbrennungsmotor muss viel mehr leisten, um die Batterie des Elektromotors voll aufzuladen. Das zu kontrollieren wird für Fahrer und Ingenieure sehr kompliziert.“
Hamilton: „Du brauchst ein Diplom, um alles zu verstehen“
Auch Rekordweltmeister Lewis Hamilton (41) zeigte sich wenig begeistert. Der Ferrari-Pilot erklärte: „Ich hatte vor kurzem ein Meeting mit den Ingenieuren. Du brauchst ein Diplom, um alles zu verstehen.“ Hamilton äußerte zudem Bedenken hinsichtlich der Vermittelbarkeit für die Fans: „Die Fans werden es nicht kapieren, wie viel von dem Energiemanagement dem Fahrer und der Software überlassen ist.“
Alonso spottet: „Sogar unser Teamkoch könnte diese Autos fahren“
Fernando Alonso (44) von Aston Martin lieferte eine besonders drastische Einschätzung. Der spanische Doppelweltmeister erklärte: „Früher brauchte man hier in Bahrain in Kurve 12 wirklich fahrerisches Können. Heute fahren wir da mit rund 50 km/h weniger durch als früher. Nur, um Energie für die Gerade zu sparen.“ Alonso fügte sarkastisch hinzu: „Seien wir ehrlich – sogar unser Teamkoch könnte diese Autos fahren.“
Jüngere Generation schließt sich der Kritik an
Besonders bemerkenswert ist, dass sich auch Fahrer der jüngeren Generation der Kritik anschließen. Oliver Bearman (20) von Haas formulierte es so: „Das Nervige ist definitiv das Energiemanagement. Es zum ersten Mal in der Realität zu spüren – das war schon ein bisschen traurig.“
Norris als Einzelstimme der Verteidigung
Während mit Alonso, Hamilton und Verstappen drei der vier aktuellen Formel-1-Weltmeister klar gegen die Neuerungen sind, verteidigt der amtierende Titelträger Lando Norris (26) von McLaren die Regularien. „Die Formel 1 verändert sich ständig“, erklärte Norris. „Manchmal macht es ein bisschen mehr Spaß, zu fahren, manchmal ein bisschen weniger.“ Der Brite verwies zudem auf die finanziellen Aspekte: „Aber wir bekommen eine lächerlich hohe Summe Geld für unseren Job, also kann man sich am Ende des Tages eigentlich nicht wirklich beschweren.“
Keine schnellen Änderungen in Sicht
Der Weltverband FIA hat bislang nicht öffentlich auf die Kritik reagiert. Eine schnelle Änderung der umstrittenen Regeln scheint unwahrscheinlich, da die neuen Regelungen bis mindestens 2030 gelten sollen. Die Fahrer müssen sich also voraussichtlich auf längere Zeit mit den komplexen Energiemanagement-Systemen arrangieren.
Die deutliche Kritik von gleich drei Weltmeistern und weiteren Fahrern zeigt jedoch, dass die Unzufriedenheit im Fahrerlager tief sitzt. Ob die Formel 1 mit den neuen Regularien tatsächlich den gewünschten Fortschritt erzielt oder ob sie den Rennsport zu sehr technokratisiert, wird sich in der kommenden Saison zeigen.



