Videobeweis-Skandal erschüttert Handball-Bundesliga: Klares Tor fälschlicherweise aberkannt
Handball-Skandal: Klares Tor fälschlicherweise aberkannt

Videobeweis-Skandal erschüttert Handball-Bundesliga

Die Daikin Handball-Bundesliga wird von einem handfesten Skandal um den Videobeweis erschüttert. Nur zwei Tage nach kritischen Äußerungen von Gummersbachs Geschäftsführer Christoph Schindler (42) in einem SPORT BILD-Exklusivinterview kam es beim Spiel zwischen MT Melsungen und GWD Minden zu einem Zwischenfall, der die Debatte um die Technologie neu entfacht hat.

Der umstrittene Spielmoment

In der 7. Minute der Partie in der Kasseler Rothenbachhalle zog Mindens Linkshänder Philipp Vorlicek aus dem Rückraum ab – das Netz des Melsunger Tores zappelte deutlich. Die Schiedsrichter Frederic Linker und Sascha Schmidt pfeiften zunächst Tor, doch der Ball sprang unter dem hinteren Tornetz hervor. Melsungens Spielmacher Erik Balenciaga protestierte umgehend, woraufhin die Unparteiischen die Uhr anhielten und den Videobeweis konsultierten.

Die Bilder des Streaming-Dienstes Dyn zeigen eindeutig: Vorliceks Wurf schlug etwa 40 Zentimeter neben dem Pfosten im Tor ein. Der Spieler selbst deutete ungläubig mit beiden Händen auf den Treffer. Dennoch erkannten die Schiedsrichter nach Videoüberprüfung den Treffer nicht an.

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Technisches Versagen oder menschliches Versäumnis?

Das Kernproblem: Den Schiedsrichtern wurden offenbar nur die Bilder einer seitlichen Torlinien-Kamera gezeigt, nicht jedoch die Aufnahmen der neu eingeführten Torlinien-Kameras in den oberen Torecken. Diese hochauflösenden Perspektiven wären für eine klare Beurteilung entscheidend gewesen.

Die Handball-Bundesliga (HBL) hatte zu Saisonbeginn betont: „Die Bilder der jeweils zwei zusätzlich angebrachten, hochauflösenden Torlinien-Kameras bieten neue Perspektiven zur Beurteilung von 'Tor oder kein-Tor-Szenen' und unterstützen so die Schiedsrichter.“ Die finale Entscheidung liege jedoch weiterhin bei den Schiedsrichter-Teams.

Folgen für den Abstiegskampf

Statt mit einer Zweitore-Führung gingen die abstiegsbedrohten Mindener nur mit 16:15 in die Pause und verloren letztlich mit 28:32. Minden hat bereits Einspruch gegen die Spielwertung angekündigt. Geschäftsführer Nils Torbrügge erklärte gegenüber BILD: „Wir haben vorsorglich Einspruch beantragt.“

Nach Spielende muss ein solcher Einspruch zunächst im Spielbericht fixiert werden, innerhalb von 72 Stunden muss dann ein schriftlicher Protest folgen. Ob dieser Erfolg haben wird, bleibt fraglich. Klar ist jedoch: Die Kritik von Gummersbach-Boss Schindler am Videobeweis-System trifft mit diesem Vorfall voll ins Schwarze.

Vorlicek selbst sagte in der Pause am Dyn-Mikrofon: „Ich habe ihn drin gesehen, das muss ich ehrlich sagen. Aber jetzt ist es so entschieden worden, da kann man nichts machen.“ Die Bilder sprechen allerdings eine andere Sprache – und sorgen für anhaltende Diskussionen über die Zuverlässigkeit des Videobeweises im deutschen Handball.

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