Handball-Bundesliga: Entscheidendes Topspiel zwischen Magdeburg und Berlin im Meisterrennen
Zieht der SC Magdeburg an der Tabellenspitze der Handball-Bundesliga endgültig davon oder können die Füchse Berlin den Titelkampf noch einmal spannend gestalten? Am Samstag um 16:05 Uhr kommt es zum hochbrisanten Aufeinandertreffen zwischen dem Tabellenführer von der Elbe und dem deutschen Meister aus der Hauptstadt. Dieses Duell könnte bereits die Vorentscheidung im Rennen um die begehrte Meisterschale bringen.
Prophetische Worte einer Handball-Legende
„Schlagen sie die Füchse zu Hause, sind sie deutscher Meister“, prophezeite Handball-Ikone Stefan Kretzschmar bereits rund zweieinhalb Monate vor Saisonende. Gleichzeitig mutmaßte der Experte: „Ich glaube, dass die Füchse in Magdeburg gewinnen.“ Diese widersprüchliche Einschätzung unterstreicht die Unberechenbarkeit des bevorstehenden Spitzenspiels.
Tabellensituation und Bedeutung des Spiels
Mit bisher nur einer Niederlage und zwei Remis thront die Magdeburger Mannschaft von Trainer Bennet Wiegert mit 46:4 Punkten souverän an der Spitze. Selbst im Falle einer Niederlage bliebe der Vorsprung auf das Berliner Star-Ensemble um Welthandballer Mathias Gidsel (40:10 Punkte) recht komfortabel. „Das ist schon ein vorentscheidendes Spiel um die deutsche Meisterschaft“, betonte SCM-Boss Marc-Henrik Schmedt die immense Bedeutung des Duells der Erzrivalen.
Füchse-Trainer Nicolej Krickau zeigt sich hingegen deutlich pessimistischer: „Wir sind vielleicht die letzte Mannschaft mit einer kleinen, kleinen Chance. Gewinnen wir das Spiel, erhöht sich die Wahrscheinlichkeit um ein, zwei Prozent“, sagte der Däne und deutete damit an, dass das Rennen aus seiner Sicht bereits so gut wie entschieden ist.
Turbulente Vorgeschichte und emotionale Gelage
Es ist das erste Aufeinandertreffen der beiden Titelanwärter seit dem turbulenten Hinspiel im September in Berlin. Das 32:39-Debakel markierte aus Sicht der Füchse einen bitteren Tiefpunkt einer chaotischen Woche. Damals war es das erste Spiel nach dem beispiellosen Doppel-Rauswurf von Trainer Jaron Siewert und Sportvorstand Kretzschmar.
Die Fans empfingen den neuen Coach Krickau mit Pfiffen, während Vereinsboss Bob Hanning von den Rängen gnadenlos beschimpft wurde. „Das war in jedem Bereich sehr merkwürdig. Jetzt kommt mein erstes richtiges Ost-Derby“, resümierte Krickau die ungewöhnliche Atmosphäre. Auch diesmal dürfte der Berliner Clubführung ein Pfeifkonzert entgegenschlagen – allerdings aus dem Magdeburger Lager, während sich die Wut der eigenen Anhänger inzwischen gelegt hat.
Formkurven der Kontrahenten
Der SC Magdeburg gilt zwar als klarer Favorit, doch die Dominanz der Elbestädter hat seit der EM-Pause merklich gelitten. In der Liga gab es eine Niederlage beim THW Kiel und einen hart erkämpften Arbeitssieg beim Aufsteiger Bergischer HC. In der Champions League, in der beide Teams im Viertelfinale stehen, setzte es Niederlagen gegen Barcelona und bei Paris Saint-Germain, dazu ein Remis bei Wisla Plock. Magdeburg wirkt nicht mehr unantastbar.
„Wir hängen ein bisschen durch nach der EM. Von unseren 19 Spielern, die wir im Kader haben, sind 13 Nationalspieler. Der Handballer spielt ja im Dreitagesrhythmus. Und da merkt man jetzt schon, dass wir ein bisschen zu tun haben, was die mentale und körperliche Stärke angeht“, analysierte SCM-Boss Schmedt die aktuelle Situation.
Die Füchse Berlin präsentieren sich hingegen nach dem 45:29-Kantersieg gegen Erlangen in ausgezeichneter Torlaune. Bundestrainer Alfred Gislason äußerte sich optimistisch: „Ich denke, das wird ein sehr enges und hartes Spiel. Wenn eine Mannschaft Magdeburg schlagen kann, dann ist es am ehesten Berlin.“
Triple-Chancen und weitere Duelle
Im Optimalfall ist das Samstags-Spiel nur der Auftakt zu einer ganzen Duell-Serie der beiden deutschen Topteams in den kommenden Wochen. In der Champions League rückt für beide Bundesligisten das große Ziel vom Final Four in Köln immer näher. Im Vorjahr hatte sich der SCM im Königsklassen-Endspiel souverän gegen den Hauptstadt-Club durchgesetzt.
Auch im Pokal könnten beide Teams im Finale aufeinandertreffen. In der Vorschlussrunde am 18. April müssen die Füchse gegen den TBV Lemgo Lippe antreten, während Magdeburg als klarer Favorit gegen den Bergischen HC gilt. Die kommenden Wochen werden zeigen, ob sich eine neue Rivalität etabliert oder ob Magdeburg seine Dominanz weiter ausbaut.



