Die Tragödie einer unvergessenen Golf-Ikone
Der große Jack Nicklaus nannte ihn einst „die Seele des europäischen Golfs“ – und der Sport verlor diese Seele viel zu früh. Severiano Ballesteros, von Fans und Kollegen liebevoll nur „Seve“ genannt, war weit über die Grenzen des Golfsports hinaus populär. Er galt als echter Gentleman, stets freundlich, niemals abgehoben und für jeden greifbar. Heute vor 69 Jahren wurde diese außergewöhnliche Persönlichkeit geboren, doch sein Leben endete bereits am 7. Mai 2011, als er mit nur 54 Jahren verstarb. Nicht nur passionierte Golfer, sondern Menschen weltweit waren von dieser Nachricht zutiefst erschüttert.
Ein außergewöhnlicher Spieler und Künstler
Auf dem Golfplatz war Seve Ballesteros etwas ganz Besonderes. Seine Erfolgsbilanz spricht für sich: Fünfmal triumphierte er bei Majors – dreimal bei der British Open und zweimal beim US Masters. Er war an fünf Siegen im prestigeträchtigen Ryder Cup beteiligt und gewann weltweit fast 100 Turniere. Der Mann aus dem kleinen Pedrena am Golf von Biskaya setzte in den 1970er und 1980er Jahren Maßstäbe, zu einer Zeit, als das europäische Golf auch durch seinen deutschen Rivalen Bernhard Langer zunehmend an Bedeutung gewann. Ballesteros, der das Spiel auf unorthodoxe Weise am Strand erlernte, spielte Golf wie für die Lehrbücher geschaffen – sein Schwung wurde zum Maßstab für Generationen.
Er selbst beschrieb sein Selbstverständnis einmal so: „Ich habe mich eher als Künstler und nicht so sehr als Spieler gesehen.“ Diese künstlerische Herangehensweise machte ihn unverwechselbar.
Unvergessene Momente und der Parkplatz-Champion
Besonders in Erinnerung bleibt sein legendärer Coup auf dem Weg zu seinem ersten British-Open-Triumph 1979 im Royal Lytham & St Annes Golf Club. Am drittletzten Loch des Schlusstags verzog Ballesteros seinen Abschlag, und der Ball landete auf einem Parkplatz. Von dort beförderte der damals 22-Jährige den Ball mit einem Kunstschlag direkt aufs Grün und holte anschließend ein Birdie. Fortan wurde er nur noch der „Parkplatz-Champion“ genannt – ein Beiname, der seine Fähigkeit unterstreicht, aus schwierigsten Situationen noch das Beste herauszuholen.
Das Leben nach der sportlichen Karriere
Ende der 1990er Jahre verlor Ballesteros infolge von Rückenverletzungen den Anschluss an die Weltspitze, doch der Sport blieb sein Leben. Mit der Gründung einer Stiftung unterstützte er unter anderem weniger betuchte Golf-Talente. „Ich verdanke dem Golf alles und bin froh, dass ich junge bedürftige Menschen unterstützen und fördern kann“, sagte er zu seiner Initiative. Seine Leidenschaft für den Sport und sein Engagement für den Nachwuchs blieben ungebrochen.
Die tragische Krankheit und das frühe Ende
Ende 2008 veränderte sich das Leben von Severiano Ballesteros schlagartig. Nach einem Zusammenbruch auf dem Madrider Flughafen wurde bei ihm ein Gehirntumor diagnostiziert. Es folgten vier Operationen und mehrere Chemotherapien, die zunächst erfolgreich schienen. Im Juni 2009 bezeichnete er seine Genesung als „wie einen Traum“ und fügte hinzu: „Nach allem, was die Ärzte mir erzählt haben, ist es ein Wunder.“
Doch dieses Wunder währte nicht lange. Zwei Jahre später kehrten die gesundheitlichen Probleme zurück und verschlimmerten sich binnen kurzer Zeit rapide. „Seve“ Ballesteros hinterließ drei Kinder aus seiner geschiedenen Ehe mit der Bankierstochter Carmen Botín O‘Shea. Sein Vermächtnis als einer der größten Golfer aller Zeiten und als Mensch, der den Sport mit Leidenschaft und Menschlichkeit prägte, bleibt unvergessen.



