Tiger Woods fehlt beim Masters: Mythos und Misere des Golf-Phänomens
Tiger Woods: Mythos und Misere beim Masters

Tiger Woods fehlt beim Masters: Mythos und Misere des Golf-Phänomens

Skandale, Verletzungen, spektakuläre Comebacks: Tiger Woods wird beim Masters in Augusta nicht antreten – dennoch ist sein Name das beherrschende Thema des ersten Major-Turniers des Jahres. Was verbirgt sich hinter dem Mythos Woods, der die Golfwelt seit Jahrzehnten fasziniert und polarisiert?

Auszeit nach neuesten Eskapaden

Eigentlich hätte Tiger Woods allen Grund zum Feiern gehabt. Vor 25 Jahren, im April 2001, vollendete er im Augusta National Golf Club den historischen Tiger-Slam, indem er alle vier großen Major-Turniere in Folge gewann. Doch die Partylaune ist beim inzwischen 50-jährigen Kalifornier verflogen. Nach einem erneuten Autounfall und einer kurzzeitigen Festnahme wegen Drogenverdachts in seiner Wahlheimat Jupiter Island in Florida ist Woods erst gar nicht nach Augusta gereist.

Die Fans müssen beim Masters ohne ihren Publikumsliebling auskommen. Der US-Golfstar kündigte eine Auszeit auf unbestimmte Zeit an. Ich werde die Zeit nehmen, die es braucht, um gesünder, stärker und konzentrierter zurückzukommen – sowohl persönlich als auch beruflich, schrieb der 15-malige Major-Sieger in den sozialen Medien. Ihm sei der Ernst der Lage bewusst.

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Kritik aus der Golf-Szene

Nun gibt es auch aus der Szene Kritik an seinem Verhalten. Golf-Profi Jason Day äußerte sich deutlich: Er ist ein Mensch wie alle anderen auch und wir haben Schwierigkeiten. Das Einzige, was ich nicht verstehe, ist, dass es ein bisschen egoistisch ist von ihm, Auto zu fahren und andere Leute in Gefahr zu bringen. Day fügte hinzu: Aber wenn du der Spieler bist, der er war, und so einen starken Willen hast, dann denkst du, du schaffst fast alles. Und deswegen fährst du vermutlich, auch wenn du ein bisschen unter Drogeneinfluss stehst.

Woods als Heilsbringer des Golfsports?

Trotz seines Fehlens wird Woods auch beim ersten Major-Turnier des Jahres wieder das Gesprächsthema Nummer eins sein. Über seine Rolle als Heilsbringer in der Golfwelt wird heiß diskutiert werden. Ist er immer noch der Richtige, um all die Probleme und Baustellen im Golfsport zu lösen?

Dass er 2027 nicht als neuer Kapitän für das US-Team im Ryder Cup zur Verfügung stehen wird, ist bereits klar. Aber nicht nur für dieses Amt, auch in Planungs- und Zukunftsfragen der PGA-Tour, bei der Suche nach einer Lösung im Streit mit der von Saudi-Arabien finanzierten LIV Tour oder beim Thema Einführung einer neuen Golf-Serie unterm Hallendach – immer wird sein Name gespielt oder er ist aktiv selbst an den Verhandlungen beteiligt. Der neuerliche Autounfall in Florida wirft ihn abermals aus der Bahn.

Augusta National Golf Club – Woods' Wohlfühloase

Der legendäre Augusta National Golf Club in Georgia war für Woods immer ein Ort des Wohlfühlens und der sportlichen Erfolge. Alleine fünfmal gewann er hier das bedeutendste Major – zuletzt 2019 mit einem der größten Comebacks der Sport-Geschichte. Elf Jahre nach seinem letzten großen Erfolg bei der PGA Championship 2008 feierte der damals 43-Jährige seinen 15. Major-Titel. Sein erster Masters-Sieg 1997 ebnete dem jungen Tiger Woods von Augusta aus den Weg in eine glamouröse Zukunft.

Ein Lebenswerk voller Höhen und Tiefen

Sein einzigartiges Lebenswerk wurde nicht nur von triumphalen Siegen, strahlendem Glanz und unglaublichen Comebacks geprägt – auch harte Rückschläge und lange Zeiten des Leidens begleiteten die Golf-Ikone stetig:

  • Ehekrise, Liebes-Affären und Scheidung
  • Vier Autounfälle mit teils schweren Verletzungen
  • Unzählige Operationen am Rücken, an Knien, Beinen, am Knöchel und an der Achillessehne
  • Nachfolgende Rehamaßnahmen über viele Monate

Der geschundene Körper des Tiger Woods

Das harte Training über Jahrzehnte hat tiefe Spuren auf seinem geschundenen Körper hinterlassen. Schon als Kind wurde er von seinem Vater Earl, einem Vietnam-Veteranen, mit militärischem Drill auf Erfolg getrimmt. Millionen von Bällen hat er schon über die Golfplätze und Driving Ranges geprügelt. Eine einseitige Belastung, die trotz ausgeklügelter Trainingsmethoden und flankierender Physio-Programme dem Körper alles abverlangte. Der Mann, der 683 Wochen an der Spitze der Weltrangliste stand, kämpfte sich bislang immer wieder zurück.

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Die offene Zukunft der Golf-Ikone

Ob Woods noch einmal auf der ganz großen Golfbühne auftaucht, ist mit einem riesigen Fragezeichen versehen. Die insbesondere nach einem schweren Autounfall 2021 körperlich gezeichnete Golf-Ikone gab zwar keine Rücktrittserklärung ab – ein Comeback als Profi scheint angesichts des erneuten Vorfalls, seines Alters und der langen Pause aber zunehmend unrealistischer. Das Polizeifoto nach seiner Festnahme zeigt einen müden und ausgebrannt wirkenden Woods. Die Zukunft des Golf-Phänomens scheint offener denn je.