Nur noch acht Teams sind im Rennen um den WM-Titel. Die bisherigen K.o.-Spiele waren geprägt von dramatischen Comebacks und Überraschungen. Vor den Viertelfinals stellen sich entscheidende Fragen: Wer sind die Underdogs, wem geht die Puste aus, und wer ist der Favorit?
Underdogs im Viertelfinale: Marokko, Belgien, Norwegen und Schweiz
Überraschungen gab es bei diesem Turnier in Nordamerika zuhauf. Zahlreiche vermeintlich kleine Nationen haben starke Leistungen gezeigt. Von neun afrikanischen Vertretern in der K.o.-Phase ist nur noch Marokko übrig – nach dem Halbfinaleinzug vor vier Jahren in Katar keine große Überraschung. Marokko schaltete mit den Niederlanden einen Geheimfavoriten aus und besiegte Kanada mit 3:0. Nun wartet Frankreich. Neben Marokko gelten Belgien, Norwegen und die Schweiz als größte Underdogs.
Die Schweiz hatte den wohl einfachsten Turnierweg und Johan Manzambi im Kader. Der 20-jährige Mittelfeldspieler des SC Freiburg weckte mit drei Toren und zwei Assists in vier Spielen das Interesse internationaler Topklubs, wird aber von einer Knieverletzung gebremst. Sein Fehlen machte sich im engen Duell mit Kolumbien bemerkbar, das die Schweiz vor allem dank Torwart Gregor Kobel überstand. „Etwas Schöneres kann man als Trainer nicht erleben. Wir stehen hier mit einem historischen Moment“, sagte Trainer Murat Yakin zum ersten WM-Viertelfinale seit 1954.
Norwegen begeisterte mit stimmungsvollen Fans und warf Brasilien aus dem Turnier. Erling Haaland erzielte beim 2:1-Erfolg seine WM-Tore sechs und sieben. Belgien kommt mit Extra-Motivation nach dem Skandal um die Rote Karte von US-Stürmer Folarin Balogun und dem Eingreifen Donald Trumps. Diesen Schwung müssen sie ins Duell mit Europameister Spanien mitnehmen.
Enttäuschungen: England unter Druck
Englische Fans würden wohl ihre Nation nennen. Nach einem torlosen Unentschieden gegen Ghana und einem holprigen Last-Minute-Sieg gegen die DR Kongo war die Kritik groß – vor allem an Trainer Thomas Tuchel. Seine Kaderzusammenstellung und taktische Ausrichtung wurden hinterfragt. Die New York Times titelte: „England hat Thomas Tuchel angestellt, weil er ein K.o.-Spiel-König ist. Nun muss er das beweisen.“
Doch England überwand Herausforderungen: einen frühen Rückstand gegen Kongo und die schwere Prüfung im 2200 Meter hoch gelegenen Aztekenstadion gegen Mexiko – das war zuvor keiner anderen Nation bei einer WM auf mexikanischem Boden gelungen.
Puste alle: Argentinien mit Comeback-Qualitäten
Nach dem dramatischen Spiel gegen Ägypten ist Argentinien zu nennen. Lange taten sich die Südamerikaner schwer und kassierten aufgrund passiver Defensive zwei Tore, drehten das Spiel aber dank Lionel Messi noch in der regulären Spielzeit. Nach einfachen Gruppenspielen war Ägypten der erste echte Prüfstein. Das Leistungstief setzte sich fort. Bei einem Sieg gegen die Schweiz wartet im Halbfinale England oder Norwegen.
Favoriten: Spanien und Frankreich als Titelanwärter
Argentinien und England haben den Status nicht verloren, doch Spanien und Frankreich werden häufiger genannt. Beide leisteten sich kaum Wackler und haben auf jeder Position Weltklasse. Sie könnten im Halbfinale aufeinandertreffen – eine Paarung, die genauso gut das Endspiel sein könnte.
Entscheidende Spieler: Messi, Haaland, Mbappé, Kane
Der X-Faktor liegt in den Händen von Argentiniens Messi, Norwegens Haaland, Frankreichs Mbappé und Englands Kane. Keiner hat so oft in K.o.-Spielen getroffen wie Kylian Mbappé: elf Tore in zehn Spielen. Spaniens acht Tore verteilen sich auf fünf Spieler – dennoch ist ein Triumph nicht weniger wahrscheinlich.



