WM-Traumstart: Berlin fiebert mit – BVG schießt Eigentor
WM-Traumstart: Berlin fiebert mit – BVG schießt Eigentor

Ein WM-Einstand nach Maß: Aber fiebert Berlin wirklich schon mit?

Berlin. Deutschland gewinnt das erste Spiel des großen Turniers und Berlin feiert den Traumstart. Auch die BVG ist im WM-Fieber, schießt aber Eigentore. Ein Kommentar von Felix Müller, Leitender Redakteur.

Liebe Leserin, lieber Leser, zum Fußball kommen wir gleich. Zunächst der Blick auf die Termine des Tages:

  • Die Bahn präsentiert die S-Bahnstrecke Hauptbahnhof–Gesundbrunnen. Die S-Bahnlinie S 15 verbindet ab heute den nördlichen Berliner S-Bahnring, die Bahnhöfe Wedding und Gesundbrunnen, mit dem Hauptbahnhof.
  • Im Innenausschuss des Abgeordnetenhauses geht es unter anderem um die Änderung des Katastrophenschutzgesetzes und des Rettungsdienstgesetzes. Zudem ist ein Polizeieinsatz vom 7. Juni in Friedrichshain Thema, bei dem ein Linke-Politiker von der Polizei verletzt worden sein soll.
  • Beim Berliner Familiengipfel mit Senatorin Katharina Günther-Wünsch (CDU) diskutieren Familien, Fachkräfte sowie Vertreterinnen und Vertreter aus Politik, Verwaltung und Zivilgesellschaft über die Lebensrealität von Familien in Berlin und entwickeln gemeinsam Ideen für eine familienfreundliche Zukunft der Stadt.

Neues aus Berlin

Wow, Deutschland hat sein Auftaktspiel bei der Fußball-WM gegen Curaçao mit 7:1 gewonnen. Das ist natürlich ein Lieblingsergebnis. „Wenn ich mich nicht verrechne“, schrieb gerade ein alter Kollege auf Social Media, dürfte eine Begegnung Curaçao gegen Brasilien ziemlich sicher unentschieden ausgehen. Als Deutschland den WM-Gastgeber Brasilien vor zwölf Jahren, am 8. Juli 2014, im Estadio Mineirão in Belo Horizonte mit exakt diesem Ergebnis demütigte, war ich bei diesem Kollegen zum Grillen und Fußballschauen eingeladen. Ich werde diesen Abend nie vergessen.

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Jubel am Potsdamer Platz. Nun war das damals ein Halbfinale, und gestern hieß der Gegner Curaçao, ein WM-Neuling. Man sollte also auf dem Teppich bleiben. Aber ganz schön ist es doch. Nur: Ist Berlin schon im WM-Fieber? Noch vor ein paar Tagen hätte ich gesagt: null. Dazu ist das alles zu weit weg und findet zudem (auch) in einem Land statt, mit dem man als zivilisierter Demokrat derzeit nur fremdeln kann. Aber dann war ich am Samstagabend noch in der Kulturbrauerei und dachte danach auf dem Nachhauseweg, als ich die vielen Kneipen mit Fernseher vor der Tür sah: Das mit der Stimmung könnte noch etwas werden. Auch meine Kollegin Miriam Schaptke, die gestern am Potsdamer Platz das Spiel verfolgte, berichtet von entfesselter Begeisterung – sogar bei Curaçao-Fan Enar.

Die übrigens in Berlin auch ihre lustigen Seiten hat. Die BVG hat die sechs Bahnhöfe, die auf „Tor“ enden – Brandenburger Tor, Oranienburger Tor, Kottbusser Tor, Schlesisches Tor, Hallesches Tor und Frankfurter Tor – auf sehr originelle Weise umbenannt. Nicht alle finden das so komisch wie ich. Meine Kollegin Uta Keseling zum Beispiel erkennt ein Eigentoooor wegen der vielen Pannen der Verkehrsbetriebe. Wie sehen Sie das? Schreiben Sie uns gern an leserbriefe@morgenpost.de!

Außerdem wichtig

„Ich wurde auf die Straße gesetzt.“ André Lerner wollte sich in den DRK-Kliniken Westend zum Facharzt für Kinder- und Jugendpsychiatrie ausbilden lassen. Nun berichtet er, ihm sei gekündigt worden, weil er ein Zeichen der Palästina-Solidarität trage. Alexander Rothe berichtet.

Sorge um Kürzungen. Als Frau mit Behinderung ist Lea Voitel in ihrem Alltag dauerhaft auf die Unterstützung eines persönlichen Assistenten angewiesen. Wie blickt die Potsdamerin auf die Debatte um Kürzungen bei der Eingliederungshilfe? David Eich hat mit ihr gesprochen.

Abschied am Gorki. Nach 13 Jahren endet die Intendanz von Shermin Langhoff am Maxim Gorki Theater. Mit dem Übergang zu ihrer Nachfolgerin verlässt der Großteil des Ensembles das Haus. Mit einem Konzert feierte das Team eine prägende Ära des postmigrantischen Theaters. Elena Philipp war dabei.

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KI und Journalismus

Derzeit wird über die Rolle von Künstlicher Intelligenz im Journalismus diskutiert. Mario Voigt (CDU), Ministerpräsident von Thüringen, hat vor einem Jahr für die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ einen Gastbeitrag geschrieben, der von KI generiert wurde – und nicht verifizierbare Zitate von Experten enthielt. Als dies kürzlich aufflog, zeigte er erstaunlicherweise kein Problembewusstsein. Anders dagegen Stephan-Andreas Casdorff, seines Zeichens „Editor-at-Large“ bei den Kollegen vom „Tagesspiegel“, der KI-generierte Meinungsbeiträge einreichte und sich dafür entschuldigte, nun aber vorerst nicht mehr für das Medium schreiben wird. Wie steht die Berliner Morgenpost dazu, wenn Journalisten ihr Gehirn ab- und die Maschine einschalten? Lesen Sie hier den Leitartikel unseres Chefredakteurs Peter Schink.

Starten Sie gut in die neue Woche! Ihr Felix Müller