Der belgische Nationalspieler Jérémy Doku (Manchester City) hat mit seiner Ankündigung, zur Geburt seines ersten Kindes während der K.o.-Phase der WM nach England reisen zu wollen, eine kontroverse Debatte ausgelöst. Der 24-Jährige betonte, dass er die Geburt seines Kindes nicht verpassen möchte, während die französische Moderatorin France Pierron ihm vorwarf, die einmalige Chance einer WM-Teilnahme zu vernachlässigen. Der belgische Torwart Hendrik Van Crombrugge stellte sich jedoch auf Dokus Seite und kritisierte die Doppelmoral in der Gesellschaft.
Dokus Wunsch und die Reaktionen
Doku, der seit 2020 für die belgische Nationalmannschaft spielt, erklärte im Trainingscamp in Seattle: „Niemand möchte die Geburt seines ersten Kindes verpassen.“ Gleichzeitig räumte er ein, dass es im Fußball viele Aspekte zu berücksichtigen gebe. Der belgische Verband RBFA erwägt Medienberichten zufolge einen Express-Hin-und-Rückflug mit einem Privatjet von Seattle nach London, um Doku die Teilnahme an der Geburt zu ermöglichen. Belgien bestreitet seine Gruppenphase bis Freitag gegen Neuseeland; der errechnete Geburtstermin liegt Anfang Juli – mitten in der K.o.-Phase.
Die Debatte entbrannte, nachdem ein ehemaliger Jugendtrainer Dokus Aussage kritisierte und die belgische Zeitung „De Morgen“ das Thema auf die Titelseite hob. Besonders große Aufmerksamkeit erzielte jedoch France Pierron, Moderatorin beim französischen Sender L’Équipe. Sie sagte: „Du hast die Chance, an einer Weltmeisterschaft teilzunehmen, und es gibt Hunderte Fußballspieler, die alles geben würden, um in dieser Position zu sein.“ Zudem behauptete sie, dem Vater komme bei der Geburt ohnehin nur eine Nebenrolle zu. Ihre Aussage löste Hunderte Kommentare aus, wobei sich die Mehrheit auf Dokus Seite stellte.
Van Crombrugge kontert: Gleichberechtigung für Väter
Der belgische Torwart Hendrik Van Crombrugge (KRC Genk) widersprach Pierron öffentlich auf Instagram. Er schrieb: „Anscheinend erwarten wir von Fußballern, dass sie 24 Stunden am Tag Maschinen sind und ihre Familie an zweite Stelle setzen, sobald ein großes Turnier stattfindet.“ Er kritisierte zudem die fehlende Gleichberechtigung: „Vielleicht sollten wir uns auch fragen, ob hier nicht mit zweierlei Maß gemessen wird. Wir halten es für selbstverständlich, dass sich eine Mutter Zeit für die Geburt ihres Kindes nimmt. Wenn jedoch ein Vater bewusst bei diesem einzigartigen Moment dabei sein möchte, wird er kritisiert.“ Wenn Gleichberechtigung etwas bedeute, gelte sie auch für Väter, die sich in ihrer Familie engagieren wollen.
Pierron entschuldigte sich später auf ihren Social-Media-Kanälen. Sie erklärte, sie habe ihre persönliche Meinung im Rahmen einer Debatte geäußert, und es sei nie ihre Absicht gewesen, die Rolle von Vätern herabzuspielen.
Doku fällt krankheitsbedingt aus – und die Debatte geht weiter
Doku verpasst das zweite Gruppenspiel gegen Iran am Sonntag krankheitsbedingt. Der Verband teilte mit, dass er an Atemwegsbeschwerden leide. Gegen Ägypten stand er noch in der Startelf und spielte 85 Minuten. Die Debatte um seine Prioritäten dürfte jedoch anhalten, zumal auch Belgiens Abwehrspieler Brandon Mechele sich in einer ähnlichen Lage befindet. Der norwegische Verteidiger Leo Østigård hatte sich anders entschieden und die Geburt seines ersten Kindes per Videotelefonat verfolgt, während er mit der Mannschaft in den USA auf das Turnier vorbereitete. Er räumte ein: „Natürlich hätte ich dort sein sollen.“



